Finanzmärkte
Vier weitere Jahre für Obama – noch mehr billiges Geld

Wer die USA regiert, ist den Investoren eigentlich egal. Hauptsache, er druckt noch mehr Geld. Unter Obama stehen die Chancen darauf gut. Die erste Erleichterung verpufft allerdings schnell.
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New York, DüsseldorfObama bleibt Präsident. An den Finanzmärkten wurde die Wahl zunächst mit Wohlwollen aufgenommen. Die Aktienmärkte legten zu. Allerdings hielt die Erleichterung nur kurz an. Am Nachmittag eröffneten die US-Börsen mit einem deutlichen Minus. Der Dow Jones fiel um 1,3 Prozent auf 13.084 Punkte.

Die Probleme sind mit der Wiederwahl Obamas nicht kleiner geworden. Schon bald muss der neue und alte Präsident das Problem anpacken, das für die US-Wirtschaft und die Börsen derzeit die größte Gefahr darstellt: die zum Jahreswechsel drohenden automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen.

Das sogenannte „Fiscal Cliff“ („Fiskalklippe“) hat nach Ansicht vieler Ökonomen das Zeug, die USA in eine schwere Krise zu stürzen. Der weiterhin gespaltene Kongress werde es schwer machen, vor Jahresende die notwendigen Kompromisse im Haushaltsstreit zu finden, sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. "Dies könnte die US Wirtschaft in eine erneute Rezession stürzen."
Die US-Aktienmärkte wären von einem solchen Absturz von der Klippe direkt betroffen, fürchtet Analyst David Kostin von Goldman Sachs. Denn eine wirtschaftliche Abschwächung dürfte die Kauflaune der Anleger ebenso dämpfen wie höhere Steuern auf Kapitalgewinne und Dividenden. Und wenn die Leitbörsen in den USA schwächeln, könnte es auch in Europa mit den Kursen bergab gehen.

„Die amerikanischen Wähler haben extremistische Positionen abgelehnt. Das öffnet die Tür für eine vernünftigere Politik“, sagte der Starinvestor George Soros. „Die gewählten Republikaner werden in den kommenden Jahren hoffentlich bessere Partner sein - besonders notwendig ist das für die Vermeidung des Fiscal Cliff.“

Immerhin können sich die Investoren unter dem alten und neuen Präsidenten darauf verlassen, dass die Geldflut nicht abebbt. Mit der Wahl Obamas ist die Entscheidung für die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik gefallen. Das heißt: Noch mehr billiges Geld. „Obamas Sieg bedeutet, dass die quantitative Lockerung der US-Geldpolitik weitergehen wird“, sagte Yuji Saito, Chef des Devisenhandels der Credit Agricole.

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  • Genauso ist es.Bin jetzt über 25 Jahre an der Börse dabei und ich weiß,sie holt sich immer ihr Recht auf fallende Kurse zurück.Und irgendwann sind die Anleger der Nullzinspolitik und der QE´s müde und wenden sich anderen Märkten zu.Das beste Beispiel:Japan,Nikkei auf dem Stand von 1983,obwohl die Zinsen seit Jahren bei Null sind und ein QE nach dem anderen aufgelegt wird,es interessiert irgendwann nicht mehr,die Investoren sind derer Maßnahmen überdrüssig.
    Wäre es nicht so,hätte sich der Nikkei irgendwann auf seinem langen Weg nach unten finden müssen,aber das passierte nur am Anfang,mit den Jahren verfing sich diese intervensionistische Politik nicht mehr und es ging immer weiter runter.

  • Bernanke hat nichts anderes getan als die Maxime des Fed-Idols Alan Greenspan konsequent fortzusetzen: Konjunkturen und Krisen sind nur eine Frage der Geldmenge; don´t worry about that!! Die US-Schuld wird offiziell vom Congressional Budget Office mit rd. 15,0 Bio. US$ oder 100% amerikanisches BIP angegeben. Der US-Ökonom aus Boston, Prof. Kotlikoff, dem ich mehr glaube als dem Budget Office, das genau so lügt wie Schäuble und die EU Kommission, schätzt die wirkliche US-Schuld auf mehr als 130,0 Bio US$ oder 1154% amerikanisches BIP.
    Seit Franklin Delano Roosevelt glauben die Amerikaner, ein Mittel gegen die aus überbordender Verschuldung sicher wachsende Deflation (siehe 20er Jahre des 19. Jhd. in Deutschland) zu besitzen: Sie beginnen außerhalb Amerikas einen neuen Krieg oder treten in einen bereits laufenden Krieg außerhalb Amerikas ein, und davon gibt es ja reichlich, man muß nur zugreifen. Übrigends eine altes Rezept: Die Römer hatten, als eines von vielen Beispielen, schon 218 v.Chr. den zweiten Punischen Krieg gegen Karthago dadurch ausgelöst, daß sie sich mit einer Bande von Seeräubern verbanden, die von Karthago bis dato in Schach gehalten wurde. – Auch diese Geschichte wiederholt sich also immer wieder, obwohl uns Horkheimer/Adorno bereits 1945 in ihrer „Kritischen Theorie“ sagen: „So lange die Weltgeschichte ihren logischen Gang geht, dient sie menschlichen Interessen nicht“ – Was soll´s, Schnee von gestern.
    Aber zunächst einmal drängen sie die Europäer, kräftig ihrer Schuldenpolitik beizutreten, damit die Eiseskälte der Einsamkeit in der Welt der Schuldner sie nicht allein so stark anweht. Und die Europäer sind treue Amerikaner, denn die haben sie bereits zwei Mal aus selbt erzeugter …… raus geritten.

  • Das Ende der Illusionswirtschaft ist absehbar. Es ist eine Illusion mit der Notenpresse eine Überschuldungskrise lösen zu können. Und es ist eine Illusion, mit Konsum auf Pump nachhaltigen Wohlstand schaffen zu können. Alle bis dato ergriffenen Maßnahmen der hyperaktiven Rettungs-Protagonisten übertünchen leider lediglich nur die Probleme, während sich – und das stimmt besonders bedenklich – parallel die Absturzhöhe vergrößert. Die Bereinigung der Märkte wird so oder so eintreten. Die Frage ist nur, ob die Politiker diesen Effekt kontrolliert eintreten lassen können, oder, ob sich die Märkte ihre eigenen Wege suchen. Geschieht letzteres, dann wird es auf allen Ebenen ganz massiv nach unten gehen.

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