US-Wahlkampf
Romney setzt alles auf Ohio

Der republikanische Herausforderer will den Bundesstaat Ohio unbedingt gewinnen. Romney ist im Aufwind, doch noch liegt Obama knapp vorn. Der Präsident profitiert von der Rettung der Autoindustrie - doch wie lange noch?
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LancasterMike Simons steht in der Abendsonne und wartet auf Mitt Romney. Der kleine, drahtige Mann mit der Baseball-Mütze im Gesicht hat zwar schon vor ein paar Stunden per Briefwahl Mitt Romney gewählt. Trotzdem ist er mit seiner Frau zu der Wahlkampfveranstaltung nach Lancaster gefahren, einen Vorort von Ohios Hauptstadt Columbus. „Man muss den Mann doch unterstützen“, sagt Simons und heftet sich einen Anstecker an die Brust, auf dem die Köpfe von Romney und seinem möglichen Stellvertreter Paul Ryan zu sehen sind.

Simons ist noch nicht so lange Republikaner - doch die Ereignisse der letzten Tage haben ihn überzeugt. „30 Jahre lang war ich für die Demokraten. Ich war sogar in der Gewerkschaft. Aber das ist vorbei“, sagt der ehemalige Soldat, der später in der Stahlindustrie gearbeitet hat. „Romney hat gezeigt, dass er sich um die Mittelschicht kümmern wird“, sagt Simons begeistert. „Er wird das Land wieder in die richtige Richtung führen.“

Mitt Romney ist im Aufwind. Seit dem ersten Fernsehduell gegen Präsident Barack Obama präsentiert sich der republikanische Kandidat als Mann der Mitte - eine Strategie, um bei den noch unentschlossenen Wählern besser anzukommen. „Moderate Mitt“ haben ihn die US-Medien getauft. Und dieser Mitt kommt gut an - auch hier in Ohio. Doch Romney ist noch längst nicht am Ziel. „Wer Ohio gewinnt, der gewinnt auch die Wahl“, lautet die Faustregel, die beiden Lagern gerade Kopfzerbrechen bereitet.

Den jüngsten Umfragen zufolge liegt Obama in Ohio vorn, doch seit der ersten TV-Debatte in Colorado Anfang Oktober hat sich Romney immer dichter an den Demokraten herangekämpft. Ständig tourt „Team Romney“ durch den Bundesstaat: Mit Paul Ryan war der Kandidat der Republikaner in Lancaster, mit Countrysänger Collin Raye in Sidney, gestern ließ sich Ryan in Cincinnati feiern. „Die gute Stimmung in den landesweiten Umfragen ist bis nach Ohio durchgesickert“, sagt der republikanische Stratege Dick Wadham. „Noch vor ein paar Wochen sah es für Romney schlecht aus in Ohio, jetzt ist wieder alles möglich.“

Und heute findet das nächste TV-Duell zwischen Obama und Romney statt. Wer weiß da schon, wie die Stimmung danach aussehen wird? Obamas Wahlkampfmanager haben angekündigt, dass ihr Chef die Fehler aus der ersten Debatte nicht wiederholen wird. Seit Tagen feilt der Amtsinhaber an einer neuen Strategie gegen den aggressiven Herausforderer. Der Präsident soll einen schwierigen Spagat wagen: Mutiger soll er seine Errungenschaften verteidigen, dabei aber ruhig und staatsmännisch wirken. Niemand soll ihm hinterher vorwerfen, er habe unfreundlich oder trotzig gewirkt.

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