US-Wirtschaft
Jobs ohne Stolz

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Die dramatische Geschichte der Weltmarke Hoover

Hoffnung indes macht die Studie „Made in America“ der Boston Consulting aus dem Vorjahr. Denn die Experten der Beratungsfirma sehen China auf dem Weg zu jährlichen Lohnsteigerungen von 15 bis 20 Prozent. Damit verliere das Hauptargument für eine Produktionsverlagerung nach China – die Kostenreduzierung – stetig an Gewicht. Boston Consulting prophezeit, dass deshalb mehr und Arbeitsplätze in die USA zurückkehren würden.

Nur welche? General Electric produziert seine Wasserkocher zwar inzwischen auch wieder in seinem Werk in Louisville, Kentucky. Doch gelang das erst, nachdem sich die Gewerkschaft dort auf dramatische Lohnkürzungen von 24 Dollar auf 13 Dollar die Stunde eingelassen hatte. Zudem ging es nur um rund 100 Jobs. Die Analysten warnen deshalb auch: „Die Auswirkungen des neuen Trends auf den Arbeitsmarkt dürften eher bescheiden sein“.

Rita Tombow hat die guten Zeiten erlebt, als in Ohio noch richtig Geld zu verdienen war. 27 Jahre war sie bei Hoover und hat dort im Akkord Staubsaugermotoren zusammengebaut. Jetzt sitzt die 55-Jährige auf dem Sofa im Haus ihres Bruders und erzählt: Von Stundenlöhnen von 24 Dollar, von bezahlten vierwöchigen Urlauben, von einer betriebsfinanzierten Krankenversicherung und von ausgelassenen jährlichen Betriebsfesten im Grünen. Und dann sagt sie: „Ich habe mich immer gefragt, wie das gut gehen so“.

Es ging nicht gut. 2005 war die Weltmarke Hoover am Ende. Der damalige Eigentümer Maytag verkaufte die Staubsaugerfirma an das chinesische Unternehmen TTI, die die verbliebene Produktion nach China verschiffte.

Rita hatte Glück im Unglück. Sie ergatterte einen der wenigen Jobs im Servicecenter von Hoover/TTI in North Canton. „Es gibt jetzt mehr Reklamationen als früher“, sagt die blonde Dame über die Staubsauger made in China. Aber so wie sie es sagt, ist es ihr wohl auch egal. 13 Dollar und 50 Cent die Stunde sind zum Leben zu wenig. Deshalb geht sie nach der Acht-Stunden-Schicht noch Putzen. „Damit“, sagt sie, „verdiene ich jetzt mehr als bei Hoover“.

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Renaissance für Ohio?

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Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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