Wahlkampf auf Spanisch
Sind die Latino-Stimmen Obamas Rettung?

Mehr als 50 Millionen Einwohner lateinamerikanischen Ursprungs zählen die USA inzwischen. Ihre Stimmen könnten bei der Wahl am 6. November ausschlaggebend sein - sofern die Latinos auch zur Wahl gehen.
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WashingtonEigentlich kann Barack Obama kaum mehr als ein „hola, buenos días“ (Hallo, guten Morgen) sagen. Doch in den letzten Tagen des Wahlkampfs hat der US-Präsident sogar einen Wahlspot auf Spanisch gemacht. Seine Aussprache klingt zwar etwas bemüht, und der Film dauert auch nur 31 Sekunden. Aber er zeigt, wie wichtig ihm die Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln sind: Sie könnten nach Einschätzung einiger Wahlforscher bei der Abstimmung am 6. November das Zünglein an der Waage sein.

Obama ist sich dessen bewusst: „Wenn ich für eine zweite Amtszeit gewählt werde, wird ein wichtiger Grund dafür gewesen sein, dass die Republikaner und ihr Kandidat die Latino-Gemeinde so vernachlässigt haben“, sagte er der Zeitung „Des Moines Register“ in Iowa.

Auch Obamas Ehefrau Michelle rührt die Werbetrommel für die spanischsprachigen US-Wähler. In einem Spot erklärt sie etwa der populären kubanischstämmigen Fernsehmoderatorin Cristina Saralegui, warum die Latinos ihre Stimme abgeben sollten. Die First Lady antwortet zwar auf Englisch, aber mit spanischen Untertiteln.

Die Latinos stellen mit etwa 50,4 Millionen Einwohnern rund 16,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie sind laut Volkszählungsbehörde die größte Minderheit in den USA. Sie sind zudem die am schnellsten wachsende Gruppe: In 40 Jahren werden sie mehr als 100 Millionen Menschen ausmachen.

Nach Informationen der „New York Times“ haben Obamas Demokraten knapp neun Millionen Dollar in Wahlwerbung für die Latino-Gemeinde ausgegeben, etwa doppelt so viel wie die Republikaner. In den Umfragen liegt Obama in der Gunst der „Hispanics“ weit vorne, in manchen Befragungen sogar im Verhältnis 3:1 gegenüber seinem Herausforderer Mitt Romney.

Der Verband der Latino-Amtsträger (Naleo) schätzt, dass bis zu 12,2 Millionen Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln am 6. November ihre Stimme abgeben könnten, 26 Prozent mehr als vor vier Jahren. Das wäre zwar ein neuer Rekord. Dennoch würde es bedeuten, dass nur rund die Hälfte der insgesamt 23,7 Millionen Latino-Wähler überhaupt an die Urne gehen, was einem Anteil von nur 11 Prozent an der Zahl aller US-Wähler entspräche.

Entscheidend ist aber, dass viele der potenziellen Latino-Wähler in den sogenannten „Swing States“, den am härtesten umkämpften Wechsel-Staaten, sitzen. Dazu zählen etwa Florida, Colorado und Nevada, wo die Stimmen der „Hispanics“ 2008 klar mit jeweils 57, 61 und 76 Prozent an Obama gingen.

Die Statistik in Florida ist besonders interessant: Bislang dominierten unter den Latinos in dem Sonnenstaat die Exilkubaner, die traditionell republikanisch wählen. In den vergangenen Jahren nahm aber die Anzahl Puerto-Ricaner zu - und diese sympathisieren eher mit Obamas Demokraten.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich vermute, dass der Teil der leidenden Weißen der unteren Mittelschicht Amerikas ahnen, dass es in zwei Tagen die möglicherweise letzte Chance für sie bedeutet einen weißen amerikanischen Präsidenten mit ihrer Stimme zu unterstützen. Was den Anteil der nichtweißen Amerikaner betrifft, dieser wird weiter zunehmen. Entscheidend bei dieser Präsidentenwahl auch nach den Bildern der Menschen
    in New Jersey, NY u. a. wird sein, für wen sich die weißen
    Amerikaner entscheiden, dort oder beispielhaft im schönen sonnigen Virginia, der Region des Militärs, der Marine, nachdem sie erstmalig kennengelernt haben was sie von einem farbigen Präsidenten aufgrund dieser 1. Erfahrung vorausschauend zu erwarten haben. Die Ansichten von uns Deutschen sind im Leben der Amerikaner heute vermutlich unbedeutend. Meine persönliche Erinnerung an Amerika
    vor mehr als 30 Jahren, als Präs. Carter gehen mußte und Präs. Reagan die Mehrheit der Stimmen seines Volkes in einer anderen Zeit des Kalten aber auch in einer Zeit auch damals geprägt von Arbeitslosigkeit, Rezesseion erhielt. Heute leben wir vergleichbar ?)in einer primär vom Kampf um Energie-, Recourcen und Fianzmacht geprägten Zeit, in einer Zeit da Stärke umsomehr erforderlich ist auch wenn man im Angesicht des US- EU- globalen Schuldendebakels die Stimmen des Volkes mit anderen Themen zu angeln versucht. Good luck America.

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