US-Wahl 2016
Ben Carson muss in den Angriffsmodus schalten

Bislang hat sich Präsidentschaftsbewerber Carson aus den hitzigen Debatten der Republikaner herausgehalten – und ist so zum Topfavoriten neben Trump avanciert. Doch jetzt dürfte mit der Zurückhaltung Schluss sein.

WashingtonEx-Neurochirurg Ben Carson hat sich im hitzigen Wahlkampf der Republikaner bislang gekonnt zurückgehalten. Während Donald Trump polterte und mit Hilfe polarisierender Parolen zum Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei aufstieg, übte sich Carson in ruhiger Sachlichkeit - und ist so mittlerweile zum Hauptrivalen von Trump geworden.

In der vierten Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber – diesmal sind nur noch die aussichtsreichsten acht dabei – wird Carson seine Zurückhaltung wohl aufgeben müssen. Ihm blüht bei der Veranstaltung in Milwaukee an diesem Dienstagabend (Ortszeit, ab 3 Uhr MEZ, Mittwoch) ein Kreuzverhör durch die anderen Kandidaten. Bei der Verteidigung dürfte er ordentlich zurückschießen.

Dabei ist er für seine milde Art bekannt. Der 64-Jährige hat es in den ersten drei TV-Debatten vermieden, große Schlagzeiten zu produzieren. Damit überließ er anderen Bewerbern, etwa der Ex-Chefin von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, oder natürlich Trump, freiwillig das Rampenlicht. Seinem Standing bei den republikanischen Wählern hat das keineswegs geschadet. Im Gegenteil: Milliardär Trump und er, beide politische Novizen, stehen jetzt Kopf an Kopf. Weit abgeschlagen: das restliche Bewerberfeld.

Traditionelle Bewertungskriterien für Politiker können bei Ben Carson nicht angewendet werden, wie der republikanische Stratege Phil Musser sagt. Auch seine politische Sprache sei eine andere. Umso spannender wird zu sehen sein, wie er mit kritischen Fragen klarkommen wird. Zuletzt waren solche zum Beispiel über die Aufrichtigkeit seiner gefeierten Biografie aufgetaucht.

Carsons Vergangenheit spielte schon in einem frühen Stadium des Wahlkampfes eine Rolle. Dennoch nahmen die unangenehmen Fragen vergangene Woche immens zu. CNN hatte berichtet, dass keine Freunde oder andere Zeugen gefunden worden seien, die Carsons Geschichte von einer missglückten Messerattacke auf einen engen Bekannten in Teenagerzeiten bekunden könnten. Von dieser Situation hatte er in seiner Biografie „Gifted Hands“ (deutscher Titel: „Begnadete Hände“) berichtet. Wenige Tage später versuchten andere Medien, weitere Anekdoten des früheren Arztes zu widerlegen.

Sein Wahlkampfleiter Barry Bennett sagt, Carson sei darauf vorbereitet, weitaus aggressiver bei der Debatte aufzutreten als zuletzt. Er brenne darauf, die aufgekommenen Fragen zu seiner Vergangenheit zu beantworten. „Er wird sich lautstark für sich selbst einsetzen“, kündigt Bennett an. Von sich aus in den Angriff zu gehen, das werde Carson zwar nicht, sagt der Wahlkampfchef. Wenn es jedoch jemand auf ihn abgesehen habe, dann werde er ordentlich Kontra geben.

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