Analyse zur US-Vorwahl: Denkzettel fürs Establishment

Analyse zur US-Vorwahl
Denkzettel fürs Establishment

Mit Bernie Sanders und Donald Trump triumphieren in New Hampshire die Außenseiter. Die Verliererin heißt Hillary Clinton. Sie braucht dringend Erfolge. Doch nicht nur die Ex-Außenministerin muss eine Pleite verkraften.
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WashingtonDie zweite Vorwahl in den USA, der zweite Denkzettel für das politische Establishment: Noch vor ein paar Monaten hätte kaum jemand für möglich gehalten, was am Dienstagabend um kurz nach acht über die Ticker lief. Die Außenseiter Donald Trump und Bernie Sanders haben die Vorwahl in New Hampshire gewonnen. Und wie.

Der Republikaner Trump erhielt in ersten Hochrechnungen mehr als doppelt so viele Stimmen wie der zweitplatzierte John Kasich, während der Demokrat Sanders mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten vor der lange favorisierten Hillary Clinton ins Ziel kam.

Wenn es noch eines weiteren Belegs für die Wut auf die Eliten in Wirtschaft und Politik bedurft hätte, so offenbart er sich nun – und zwar als politisches Beben. Die Wähler in Amerika rebellieren gegen den Status Quo. Zu „Bernie“-Rufen schreitet Sanders ans Podium, für ein paar Momente weicht sein grimmiger Gesichtsausdruck einem Strahlen. Dann aber ist wieder alles wie immer. Sanders prangert Hungerlöhne an, verurteilt Oligarchen, empört sich über Einkommensungleichheit, Rassismus und alle anderen Arten der Ungerechtigkeit.

„Heute haben die Wähler die klare Botschaft gesendet, dass die Regierung uns allen gehört, nicht nur einer Handvoll Milliardären und Geldgebern“, grollt der Wahlsieger der Demokraten. „Wir werden das korrupte System der Parteienfinanzierung nicht länger akzeptieren.

Und wir werden nicht länger eine gezinkte Wirtschaftsordnung hinnehmen, in der Millionen von Amerikanern länger arbeiten müssen, während fast das gesamte neu erzeugte Einkommen und Vermögen an die oberen ein Prozent gehen.“ Der schwer angeschlagenen Clinton blieb nichts anderes übrig, als Sanders zu gratulieren und sich als Kämpfernatur anzupreisen. „Ich weiß wie es ist, zu stolpern und zu fallen, wie so viele Amerikaner auch“, sagt sie in Anspielung auf ihre bittere Wahlniederlage gegen Barack Obama im Jahr 2008. „Es kommt darauf an, wiederaufzustehen.“

Wenn es für Clinton Trost gibt an diesem Abend, so besteht er darin, dass die weiße Wählerschaft in New Hampshire nicht repräsentativ für die bunte Vielvölkergesellschaft der USA ist. Clinton genießt starken Rückhalt bei Latinos und Schwarzen, die in den beiden nächsten Vorwahlstaaten, Nevada und South Carolina, eine wichtige Rolle spielen.

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Achtungserfolg für Jeb Bush

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  • Zitat: "Was meinen Sie, wie weit wir davon (den US-amerikanischen Verhältnissen) entfernt sind?

    Tausende Meilen weit und die Entfernung wächst von Tag zu Tag.

  • Die Amis können wählen wen sie wollen, regieren werden immer die Gleichen.

  • @Herr Marcel Europaeer
    Was meinen Sie, wie weit wir davon entfernt sind? Wir haben viele gemeinsame Probleme mit den Amis, und eins davon sind die illegalen Flüchtlinge. Mit denen
    desolidarisiere. ich mich auf jeden Fall.

    "Großteil der US-amerikanischen Bürger befindet. Aus meiner Sicht ist die Gesellschaft dort völlig desolidarisiert."

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