Bernie Sanders
Ein Rockstar als Oppositionsführer

Nach der verlorenen Wahl muss Bernie Sanders Amerikas Linke wieder aufrichten. Er schwört die Demokraten auf den Kampf gegen Trump ein – und will den Kampf um die Zukunft der USA nicht allein Politikern überlassen.
  • 6

WashingtonBernie Sanders wird immer noch gefeiert wie ein Rockstar. Als er im Auditorium der George Washington University in Washington vor den roten Bühnenvorhang tritt, springen die Studenten auf, jubeln und klatschen. Es dauert eine Weile, bis Sanders den Begeisterungssturm unter Kontrolle gebracht hat.

Eigentlich soll der beliebte Senator nur sein Buch vorstellen, „Our Revolution“, heißt es. Aber es ist sein erster großer öffentlicher Auftritt nach der Wahl. Und natürlich geht es um mehr: Sanders, das progressive Idol, muss Amerikas Linke wieder aufrichten, sie in schwerer Stunde führen. Die Trump-Ära beginnt.

Sanders stellt sich ans Podium, leicht nach vorn gebeugt, mit seinem gekrümmten rechten Zeigefinger stochert er in der Luft herum. Es ist wie vor einem Jahr, im Vorwahlkampf, als Sanders unwahrscheinlicher Aufstieg zur politischen Ikone begann. Nur das die Lage heute für Sanders Klientel, das junge, bunte Amerika, sehr viel verzweifelter erscheint. „Viele sind niedergeschlagen, sogar verängstigt“, sagt Sanders, doch er ist gekommen, um seinen Anhängern Hoffnung zu machen. „Am Ende dieses Wahlkampfs bin ich trotz allem optimistischer, was die Zukunft unseres Landes betrifft, als ich es zu Beginn des Wahlkampfs war“, beteuert er.

Am anderen Ende der Stadt tritt fast zeitgleich seine Vorwahlrivalin Hillary Clinton auf. Sonderlich optimistisch sieht sie nicht aus, aber sie bemüht sich zumindest, so zu klingen. Es ist das erste Mal seit der bitteren Wahlnacht vom 8. November, dass Clinton wieder auf der Bühne steht. Im Medienmuseum am Fuße des Capitol Hill soll sie für ihr Engagement im Kampf gegen Kinderarmut geehrt werden.

Der Termin stand schon lange, Clinton hatte fest damit gerechnet, als „President elect“ dort auftreten zu können – nicht als gescheiterte Kandidatin. Dass sie dennoch erschienen ist, zeigt ihr enormes Pflichtbewusstsein, eine jener Qualitäten, die sie wohl zu einer guten Präsidentin gemacht hätten.

Den Namen Trump spricht Clinton nicht aus, sie sagt nur: „Ich weiß, dass sich viele fragen, ob Amerika das Land ist, für das wir es hielten.“ Doch so wie Sanders will sie den Demokraten Mut machen: „Wir müssen engagiert bleiben. In unserer Kampagne ging es nie um eine Person oder eine Wahl, sondern um das Land, das wir lieben.“

Seite 1:

Ein Rockstar als Oppositionsführer

Seite 2:

In der Krise

Kommentare zu " Bernie Sanders: Ein Rockstar als Oppositionsführer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Nach der verlorenen Wahl muss Bernie Sanders Amerikas Linke wieder aufrichten. Er schwört die Demokraten auf den Kampf gegen Trump ein"

    Wer es bisher nur "vermutet" hat, sieht es hier bestätigt: die US-"Demokraten" sind tatsächlich Linke.
    So wie bei uns die "Schwarzen", ebenso wie die "Roten" und "Dunkelroten" eigentlich nunmehr links-grün sind.
    Die einen ganz offen und aus Tradition, die anderen hinter der schwarzen Fassade.

  • Was sagt Trumps designierter Stabschef? Übrigens ein ehem. Goldmann Manager, der sich auskennt in der US Szene:

    On Tuesday, BuzzFeed News released a transcript of remarks Bannon delivered to the Christian conservative Human Dignity Institute in 2014. In a lengthy discourse on the causes and aftereffects of the 2008 financial crisis Bannon, himself a former managing partner at Goldman Sachs, blamed the financial crisis and subsequent recession on the “greed” of his fellow bankers and expressed anger at the fact that no bank executives faced criminal prosecution.

    “Think about it — not one criminal charge has ever been brought to any bank executive associated with 2008 crisis,” Bannon said. “And in fact, it gets worse. No bonuses and none of their equity was taken. So part of the prime drivers of the wealth that they took in the 15 years leading up to the crisis was not hit at all, and I think that’s one of the fuels of this populist revolt that we’re seeing as the tea party.”

    He continued, “[T]he underpinning of this populist revolt is the financial crisis of 2008. That revolt, the way that it was dealt with, the way that the people who ran the banks and ran the hedge funds have never really been held accountable for what they did, has fueled much of the anger in the tea party movement in the United States.”

    Some of Bannon’s remarks sound as though they could have come not from the close aide to an incoming Republican president, but rather from liberals like Vermont Sen. Bernie Sanders or populist Massachusetts Sen. Elizabeth Warren. Among other things, he discussed what he sees as the need to limit the activities that financial institutions are allowed to engage in, such as forcing commercial banks to focus on lending, and blocking investment banks from trading in securities.

  • " Ist Sanders jetzt auch als Populist zu klassifizieren. "
    Jeder der nicht eiskalt die Interessen von Wall Street & Co. gegen den Willen des Volkes durchdrueckt ist ein Populist. Damit ist auch Sander ein (Links) Populist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%