Chaos in Trumps Helferteam
Reich, schön, unerfahren

Die Kinder, der Schwiegersohn, ein schrulliger Internet-Millionär: Donald Trumps Übergangsteam hat viele Talente. Aber eines ist Mangelware: politische Erfahrung. Ein wichtiger Berater im Team hat schon aufgegeben.
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San FranciscoDer Übergang der präsidialen Macht in den USA ist bis ins Detail geregelt. Der amtierende Präsident muss schon im Vorfeld des Wahltags ein Übergangsteam einsetzen, um dem Team seines möglichen Nachfolgers schon vor dem Wahltag Unterstützung zukommen zu lassen. Der Neue muss wissen, was auf ihn zukommt, Abläufe und Protokolle kennen und nicht zuletzt gilt es, tausende Positionen in Regierung, Verwaltung und den verschiedenen Agenturen neu zu besetzen oder im Amt zu bestätigen. Viele davon müssen vom Senat bestätigt werden.

Die während einer Amtszeit angesammelten Daten und Dokumente werden für die Übertragung in die Kongressbibliothek vorbereitet. Nach seiner Vereidigung am 20. Januar wird Präsident Donald Trump Kalender und Datenbanken der Vorgängerverwaltung gelöscht vorfinden, die Aktenordner für die Regierungsgeschäfte sind leer. Da ist es wichtig, dass die neue Mannschaft sofort loslegen kann.

Für Trump ist es ein Rennen gegen die Zeit. Denn er ist spät dran, hätte schon vor Monaten ein Team bilden können, es jedoch nicht gemacht. Die überraschende Personalrochade vom Wochenende, als er seinen Vizepräsidenten, den Vollblut-Politiker und Washington-Insider Mike Pence, zum Chef seines Übergangsteams machte und den unerfahrenen Chris Christie zurück ins Glied beorderte, zeigt, dass er das verstanden hat. Reibungsverluste kann er sich nicht mehr leisten. Aber er hat kaum jemanden mit Erfahrung, auf den er bauen kann.

Laut „Wall Street Journal“ war Trump bei seinem Treffen mit Barack Obama ziemlich sprachlos über den Umfang seiner Pflichten und seine Mitarbeiter wären sich nicht im Klaren darüber gewesen, dass der gesamte Regierungsapparat im Weißen Haus bis Januar ausgetauscht werden müsse. Der Unternehmer ist der erste Präsident, der niemals ein politisches Amt innehatte oder eine militärische Position bekleidet hat. Ein Trump-Sprecher wollte zu dem Inhalt der Gespräche nicht Stellung nehmen.

Tatsache ist aber, dass der 45. Präsident der USA die Bewerbungen für alle Stellen weder durchlesen kann noch will. Er hat alle Hände voll damit zu tun, profilierte und fähige Regierungsmitglieder für die Top-Positionen zu finden.

Das übernehmen jetzt ehemalige Finanzmanager von der Wall Street, Familienmitglieder von Trump und der deutschstämmige Internet-Milliardär Peter Thiel, der den Trump-Wahlkampf mit zwei Millionen Dollar gefördert hatte. Ebenfalls dabei: Rebekah Mercer, die Tochter des Hedgefonds-Managers Robert Mercer. Beide haben ebenfalls Millionen für Trump gespendet.

Doch in diesem zusammengewürfelten Team läuft es längst nicht reibungslos: Verschiedene Gruppen in dem Übergangsteam „kämpfen um die Macht“, sagte eine ihm mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur AP. Hinter den Kulissen heizten Trumps Verbündete zudem Spekulationen über die Besetzung wichtiger Kabinettsposten in der neuen Regierung an.

„Diese Organisation kann derzeit so nicht funktionieren“, sagte die Gewährsperson der AP. Zudem regte sich selbst aus den Reihen der Republikaner harsche Kritik an der Arbeitsweise des Übergangsteams. Der ehemalige nationale Sicherheitsberater Eliot Cohen bezeichnete Trumps Mitarbeiter über Twitter als „böse, arrogant.“ Der frühere Abgeordnete Mike Rogers, ein angesehener republikanischer Berater in Fragen der nationalen Sicherheit, kündigte zudem seinen Rückzug aus dem Übergangsteam an.

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Machtspiele in Trumps Lager

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  • Nepotismus in Reinkultur. Widerlich.

    Aus dem HB-Leitartikel „Die Chancen der Trumponomics“ (Dienstag, 15.11., Seite 14):

    „Die Staatsverschuldung lag zu seiner (Reagans) Amtszeit bei rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heute hat sie deutlich 100 Prozent überschritten.

    Niemand glaubt, dass Trump seine Ausgaben- und Steuerpläne in vollem Umfang umsetzen kann, aber er wird die Verschuldung wieder hochtreiben. Das ist mit dem Risiko steigender Zinsen verbunden, das die Finanzmärkte jetzt schon sehr deutlich widerspiegeln.

    ABER SOLANGE IN ANDEREN TEILEN DER WELT, ETWA IN EUROPA, DIE ZINSEN SEHR NIEDRIG BLEIBEN, WERDEN INVESTOREN US-PAPIERE KAUFEN.

    Amerika hat damit die Chance, sich noch mehr als bisher die eigenen Schulden und damit das künstliche Wachstum vom Ausland finanzieren zu lassen.“


    Zu dem hervorgehobenen Abschnitt (in Großbuchstaben) folgende Anmerkung:

    Solange die Geschicke der Weltwirtschaft in nicht geringem Maße vom Handeln von Investoren abhängen , deren Weitsicht offenbar oft nicht über die nächste Party hinausreicht, kann man nur sagen: Das sind ja „tolle“ Aussichten.

    So ungefähr sieht’s aus, jedenfalls solange die „Aufgabenverteilung“ in unserer Weltordnung in etwa so aussieht:

    Die „Politiker“ , „Wirtschaftsbosse“ und sonstigen „Autoritäten“ (hier insbesondere religiöse) haben das Sagen, und die Bürger – inklusive aller echten, weil im wirklichen Leben erfahrenen Experten, und der jeweiligen Meister ihres Fachs - die Verantwortung.

    Und erzähle mir jetzt bloß keiner, dass "politische Führer" jedwelcher Art Verantwortung übernähmen.

    Meiner Meinung nach haben wir längst das Zeitalter der Demokratie hinter uns gelassen und sind in der Ära der Plutokratie angelangt.

    Bleibt nur zu hoffen, dass die so kurz wie irgend möglich sein wird.


  • Herr Queri: >> Aber eines ist Mangelware: politische Erfahrung. >>

    >>Damit meinen das System ( die Politkorrekten ) und die Lügenpresse

    ... vielleicht die Fähigkeit, sinnvoll die Lebensumstände vieler Menschen unter einen Hut zu bringen und dabei so zu agieren, daß möglichst niemand übervorteilt wird und möglichst niemand seiner Entwicklungsmöglichkeiten beschnitten wird, so daß die Gesamtheit sich optimal weiterentwickelt und von Gewaltexzessen und kriminellen Eingriffen in Hab und Gut möglichst verschont wird???

    ... die Fähigkeit hat Herr Trump mit Gewissheit nicht.

  • Peter Thiel "hat ein Start-up gegründet und erfolgreich verkauft"? Das ist eine absolute Untertreibung! Ich haette vom Handelsblatt mehr erwartet.

    Peter Thiel ist eine Legende! Er ist DER Venture Capital Investor in Silicon Valley - wenn ein Startup von ihm finanziert wird, ist das eine Auszeichnung!

    Er hat Paypal mitgegruendet und u.a. Facebook, LinkedIn, Yammer, Yelp Inc., Palantir Technologies, TransferWise finanziert! Viele dieser Unternehmen waeren im DAX gelistet wenn sie in Deutschland waeren.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Thiel

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