Donald Trump gewinnt US-Wahl
Der unvorstellbare Präsident

Sollte Donald Trump als US-Präsident auch nur einen Teil seiner Ankündigungen umsetzen, wird auf dieser Welt nichts mehr so sein, wie es einmal war – nicht geopolitisch, nicht ökonomisch, nicht kulturell. Ein Kommentar.
  • 63

WashingtonDie globalen Finanzmärkte geraten ins Trudeln, die politische Welt hält den Atem an: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Nach einem quälend langen und irritierenden Wahlkampf, der der größten Demokratie ein Stück weit die Würde genommen hat, wählen die Amerikaner ausgerechnet jenen Mann, der den größten Beitrag dazu geleistet hat.

Sollte Trump auch nur einen Teil seiner Ankündigungen umsetzen, wird auf diesem Planeten nicht mehr so sein, wie es einmal war - nicht geopolitisch, nicht ökonomisch und auch nicht kulturell. Freihandelsabkommen will er kündigen, ebenso die Beistandsklausel der Nato. Den Islamischen Staat will er innerhalb weniger Wochen „restlos wegbomben“, Autokraten wie Putin die Hand reichen. Immigranten des Landes verweisen.

Sein politisches Programm – wenn man das so nennen mag – ist derart erratisch, dass niemand diesen Milliardär aus New York lange Zeit wirklich ernst nahm. Jetzt wird er tatsächlich die Führungsmacht der freiheitlichen Welt anführen.

Die entscheidende Frage wird jetzt sein, ob Trump seine kruden Vorstellungen durchsetzen kann. Die Voraussetzungen sind da: Die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Und die Verfassung gibt dem Präsidenten ohnehin ein hohes Maß an Durchgriffsrechten.

Trump ist kein Mann des Systems. Er kennt nicht einmal die entsprechenden Leute des Systems, die er als Berater einstellen könnt, sollte er es denn überhaupt wollen. Niemals war der künftige politische Kurs Amerikas unklarer als jetzt. Gewiss ist nur die Ungewissheit. Auch sein erster Auftritt nach dem Wahlsieg gibt Rätsel auf. Plötzlich schlug der Demagoge erstaunlich moderate Töne an.

Bleibt die Frage nach den Ursachen für Trumps überraschenden Erfolg. Trump ist kein Betriebsunfall der amerikanischen Geschichte. Der Milliardär hat sich in dem demokratischsten aller Prozesse durchgesetzt. Er hat den Marathon der Vorwahlen gewonnen, er lag nach unzähligen Wahlkampfauftritten bis zum Wahltag in den Umfragen fast gleichauf mit Clinton. Jetzt hat er gesiegt. Vor ein paar Monaten hätte das kaum jemand für möglich gehalten.

Und dieser Erfolg Trumps hat Gründe. Trump ist es gelungen, Kräfte zu entfesseln, die schon lange unter der Oberfläche schlummerten. Sein Aufstieg ist Symptom der Zerrissenheit der Republikanischen Partei und verkörpert die tiefen Probleme in der amerikanischen Gesellschaft als Ganzes.

Seite 1:

Der unvorstellbare Präsident

Seite 2:

Die Verantwortung? Liegt bei den Parteien

Kommentare zu " Donald Trump gewinnt US-Wahl: Der unvorstellbare Präsident"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • So wie der 9. November 1989 den letzten Epochenwandel markiert, so könnte der 9. November 2016 erneut eine Zeitenwende bedeuten. Zu den Auswirkungen der Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA gibt es bislang mehr Fragezeichen als belastbare Antworten. Und doch signalisieren bereits die Botschaften „America First“ und „Rückzug aus den transatlantischen Sicherheitsbeziehungen“ tektonische Verschiebungen, deren Folgen weltweit zu spüren sein werden. Dieses Beben fällt in eine Zeit, in der Russland mit seinen expansiven Vorstellungen in der Krim und der Ostukraine für permanente Unruhe sorgt, China wirtschaftlich und militärisch seinen Einfluss konsequent ausbaut und Europa sich in einem desolaten Zustand befindet und jetzt auch noch in eine neue „Türkeikrise“ zu schlittern droht. Für die EU kann das nur bedeuten: Zusammenrücken, Schluss mit den Konflikte in der Flüchtlings- und Eurofrage und Aufbruch in eine gemeinsame europäische Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Sonst läuft Europa Gefahr, global marginalisiert zu werden. Nichts ist „alternativlos“. Auch nicht die EU. Also mit Mut und Vernunft entschlossen in die Zukunft!

  • Um die Frage zu beantworten: Trumps Erfolg gründet sich auf den Niedergang der amerikanischen Mittelschicht, deren Vertreter sich Besserung erhoffen. Jedenfalls hat es das bisherige politische Establishment Washingtons nicht geschafft, diesen Niedergang auzuhalten. Diesen "Nachweis" muss Trump erst noch bringen.

  • Ja richtig Herr Baumeister
    die amerikanische Zivilgesellschaft erlebt schon täglich dass was wir in Deutschland noch vor uns haben. Verantwortlich ist dafür nicht Donald Trump sondern das politische Establishment wozu auch auch von und zu Clinton zu zählen ist.
    Die Amerikaner haben sich entschieden- die Welt wird erleben wie diese Person unabhängig vom politischen Klüngel die amerikanische Wirtschaft und Gesellschaft auf Touren bringt.
    Frau Merkel und Herr Gabriel bitte anschnallen Vmax wird erreicht

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%