Donald Trumps New York
Zwischen Protz und Wahnsinn

Junge Großstädter sind mehrheitlich gegen Trump. So ist auch New York eher eine Clinton-Stadt. Und doch gibt es vereinzelte Trump-Anhänger in den Straßen der Millionenmetropole. Ein Streifzug durch Manhattan.

New YorkSie gucken entsetzt. Nein, sie sind natürlich nicht für Donald Trump. Und sie kennen auch niemanden, der das ist. „Und wenn es einer wäre, würde er es vermutlich nicht zugeben, aus Angst, verurteilt zu werden“, sagt einer der jungen Leute im Bryant Park im Herzen Manhattans. Dort findet sich keiner der an diesem Tag zufällig befragten New Yorker, der sich als Anhänger des republikanischen Präsidentschaftskandidaten outet. Auch wenn Trump selbst ein New Yorker ist, ist das ist nicht verwunderlich: Junge Großstädter wählen traditionell mit großer Mehrheit die Demokraten. Und dieses Mal eben Hillary Clinton. Ebenfalls eine New Yorkerin.

Die Republikaner dagegen fischen im Teich der Vorstadt- und der Landbewohner und haben eher eine ältere Wählerschaft. „Es wird eine Wahl werden zwischen Stadt und Land“, sagt einer der Bryant-Park-Besucher. Zyniker könnten sagen: Es wird eine Wahl zwischen Realisten und Verrückten. Trump sei wahnsinnig, hört man von den jungen New Yorkern.

Nur drei Metro-Stationen vom Bryant Parks entfernt, an der 5th Avenue, steht der Trump Tower. Wie nach Aufmerksamkeit heischend ragt das dunkle Gebäude in die Luft, an der Fassade steht in dicken goldenen Buchstaben „Trump Tower“. Innen rosa Marmor und Gold, Wasserfälle plätschern von den Wänden. Überall gibt es Spiegel, sodass die Fläche größer wirkt als sie es tatsächlich ist. Als Besucher sieht man sich immer wieder selbst. Eingetaucht in goldenes Licht, erstreckt sich das Atrium über sechs Stockwerke. 58 Etagen umfasst der Bau.

Vor den Drehtüren des Gebäudes steht ein Mann, nur bekleidet mit Cowboy-Stiefeln und Unterhose, spielt Gitarre und singt, warum Trump Präsident werden muss. Gegenüber halten Trump-Gegner Plakate in die Höhe. „Dump the Trump“, steht dort unter anderem geschrieben. Das stachelt den Cowboy nur weiter an. „Oh mein Gott“, sagt eine ältere Passantin, als sie ihn sieht. „Das ist so peinlich.“

Der Gitarrenspieler ist der „Naked Cowboy“, ein bekannter New Yorker Straßenkünstler. Seit rund 15 Jahren steht er knapp bekleidet auf New Yorks Straßen und Plätzen und performt seine Lieder. Nur: Häufig gehen Peinlichkeit und Aufmerksamkeit Hand in Hand. Robert John Burck, so sein richtiger Name, hat eine eigene Wikipedia-Seite, die internationale Presse hat schon über ihn geschrieben. Genau wie sein großes Idol Trump wollte auch Burck seine Bekanntheit nutzen: Im Jahr 2010 brachte er sich als potenzieller Präsidentschaftskandidat der Republikaner ins Gespräch.

Seine Tätigkeit als Nackter Cowboy, aus der ein florierendes Franchise- und Merchandising-Geschäft entstand ist, soll ihm 150.000 Euro pro Jahr einbringen. Auch das haben Trump und er gemeinsam: Sie können Wahnsinn zu Geld machen.

Burck ist 45 Jahre alt und mit einer Mexikanerin verheiratet. Dennoch ist er gegen Einwanderer. Mexikaner, die ins Land kommen und in ihrem Garten die mexikanische Flagge aufhängen, hätten in den Vereinigten Staaten nichts verloren, so seine Begründung. Nur die Menschen, die das Land liebten und sich wie Amerikaner verhielten, sollten kommen dürfen. So wie seine Frau.

Keine Trump-Fans im Trump Tower

Der Naked Cowboy geht in die Mittagspause und setzt sich in der Edel-Food-Corner des Trump Towers zurück. In eine USA-Flagge gewickelt, sitzt er alleine an einem Tisch und isst sein Hähnchen. Trump sei ein starker und mächtiger Mensch, der sich viel leisten kann, schwärmt Burck. Das sehe man ja am Trump Tower.

Die Menschen in dem glitzernden Turm mustern den Naked Cowboy oder belächeln ihn abfällig. Nur wenige trauen sich, ihn anzusprechen und nach einem gemeinsamen Foto zu fragen. Selbst im Trump Tower scheinen die Anhänger des Milliardärs rar zu sein. Niemand der Befragten möchte sich als Trump-Fan zu erkennen geben.

Nein, sie sind kein Trump-Anhänger, antworten viele auf Nachfrage. Sie seien nur hier, weil sie gerade in der Nähe waren, weil sich in dem Gebäude eine Starbucks-Filiale befindet.

Nur Marc, der eigentlich anders heißt und nicht mit seinem richtigen Namen genannt werden will, gibt widerwillig zu, für Trump zu sein. Es ist ihm sichtlich unangenehm, es auszusprechen, und er blickt sich unsicher um, ob jemand in der Schlange bei Starbucks seine Antwort mitbekommen hat.

In der Trump-Bar eine Etage tiefer sieht das anders aus. Dort sitzen in abgeschiedener Dunkelheit inmitten schweren Protzes zwei Engländer an der Bar, Whiskey trinkende Anzugträger Ende 20. Sie würden Trump wählen, wenn sie könnten, sagen sie bedauernd. Jeder der Umstehenden soll das ruhig hören. Sie brüsten sich lachend damit, dass sie auch für den Brexit gestimmt haben.

Der Naked Cowboy hat in der Zwischenzeit wieder Position vor dem Trump Tower bezogen. Er unterbricht sein Gitarrenspiel immer wieder , um sich gegen Geld mit Frauen im Arm fotografieren zu lassen. Manche stehen schon Schlange, um von einem nackten Cowboy mit Trump-Schriftzug-Unterhose auf Armen getragen zu werden.

Was Größe ist und was Wahnsinn – die Menschen im Trump-Universum haben da ihre eigenen Maßstäbe.

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