Erfolge für Clinton und Trump
„New Yorker, ihr habt mich nie im Stich gelassen“

Hillary Clinton und Donald Trump bauen bei den Vorwahlen in New York ihren Vorsprung auf die parteiinterne Konkurrenz aus. Bernie Sanders ist fast schon raus – und auch für den Trump-Rivalen Ted Cruz wird es eng.

WashingtonHillary Clinton stimmt ihre Fans mit den Radiohits von Vorgestern auf ihre Party in Manhattan ein. Ihr Rivale Bernie Sanders, die Ikone der linken Avantgarde, lässt bei seinen Wahlkampf-Happenings Indierocker wie „Grizzly Bear“ und „Vampire Weekend“ auf seine Unterstützer los.

Bei Clinton gibt es am Abend ihres großen Sieges in New York Evergreens vom Band, Ü-40-Elend wie „Girls just wanna have fun“, bis irgendwann eine Coverband übernimmt und sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Gegenwart vorwagt: Taylor Swift.

Den Wettkampf um das große Spektakel hat Clinton längst verloren. Ihr Wahlkampf ist wie sie selbst – nüchtern und zielstrebig. Für Clinton ist Begleitmusik eben das: Begleitmusik. Das Wesentliche an diesem Abend ruft New Yorks ehemalige Senatorin im roten Kostüm ihren Fans zu: „New Yorker, ihr habt mich nie im Stich gelassen.“

Clinton ist praktisch nicht mehr einzuholen

Clintons Sieg ist hart umkämpft, am Ende aber deutlicher, als die jüngsten Umfragen erwarten ließen. Mehr als 15 Prozentpunkte beträgt ihr Vorsprung auf Sanders. Sie hat diesen Erfolg dringend gebraucht. Acht der vorangegangenen neun Vorwahlen hatte Clinton verloren. Sanders bestimmte die Schlagzeilen der letzten Woche. 27.000 Fans jubelten ihm bei einem Wahlkampfauftritt in Manhattan zu, 28.000 in Brooklyn. In Rom traf er den Papst. Doch am Ende ist es Clinton, die mit Siegerlachen auf dem Podium steht.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten konnten die New Yorker den Ausgang der Vorwahlen wieder beeinflussen. Normalerweise ist längst eine Vorentscheidung gefallen, wenn die Wähler in New York an der Reihe sind. Doch in diesem Jahr ist nichts normal, nicht bei den Demokraten und erst recht nicht bei den Republikanern.

Clintons Vorsprung ist praktisch nicht mehr aufzuholen. Doch Sanders glaubt mit der „politischen Revolution“, die er seinen Wählern verspricht, wohl auch die Gesetze der Mathematik aushebeln zu können. Nichts spricht dafür, dass er sich der Realität bald beugen wird. Während Clinton feiert, trommelt Sanders seine Heerscharen in Pennsylvania schon für die nächste große Schlacht zusammen: Dort wird nächste Woche gewählt.

Nur ein paar Blocks von der Clinton-Party in Manhattan hat der zweite strahlende Sieger dieses Abends seinen großen Auftritt, der Entertainer Donald Trump. Der Protzkandidat hat in seinen goldverzierten Kitschpalast geladen, den Trump Tower. Als die Fernsehsender seinen Sieg verkünden, färbt sich die Spitze des Empire State Buildings republikanerrot.

Showdown der Republikaner auf dem Parteitag

Für Trump ist es ein noch größerer Triumph als für Clinton. Er bringt es auf fast 60 Prozent der Stimmen, weit abgeschlagen auf Platz zwei landet der moderate John Kasich, den rechten Ideologen Ted Cruz jagen die New Yorker mit 15 Prozent davon. Das Problem für Trump ist nur, dass selbst ein Triumph womöglich nicht genug ist. Sein politischer Erzfeind Cruz bereitet den Favoritensturz auf dem Parteitag in Cleveland vor.

1237 Delegierte braucht Trump dort, um sich zum Kandidaten küren zu lassen. Cruz kann Trump de facto nicht mehr einholen, darum spinnt er eine Intrige. Er hat viele Delegierte, viele von ihnen treue Parteisoldaten, überzeugt, den New Yorker Milliardär bei der ersten sich bietenden Gelegenheit fallen zu lassen.

Wenn Trump die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang verfehlt, könnte es sehr schnell einsam um ihn werden. Der Populist zürnt, er geißelt das Vorwahlverfahren als „korrupt“ und droht seiner Partei mit Straßenschlachten, sollte sie ihm den Sieg verweigern.

Zumindest in seiner Heimatstadt New York aber hatte Trump leichtes Spiel mit Cruz. Der Texaner hatte sich in einer Fernsehdebatte über die „New Yorker Werte“ mokiert, die Trump verkörpere. Auf dem Titelblatt der „New York Daily News“ erwartete ihn daraufhin die Freiheitsstatue mit ausgestrecktem Mittelfinger. Die Wähler haben sich dieser Meinungsbekundung am Dienstag angeschlossen.

Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent
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