Geldhäuser und die US-Wahl
Kleine Banken werden zum großen Thema

Das Bankensterben in den USA schieben Republikaner gerne auf die starke Regulierung der Branche. Doch ein neuer Bericht aus dem Weißen Haus belegt: An den strengeren Anforderungen liegt es nicht.
  • 6

New YorkSeit dem Jahr 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise, sind in den USA mehr als 500 Banken zusammengebrochen. Das ist im US-Präsidentschaftswahlkampf ein hoch politisches Thema, denn von den Pleiten waren überwiegend kleinere Banken im ländlichen Raum betroffen. Während die Großbanken bei Republikanern und Demokraten gleichermaßen unbeliebt sind, gelten die kleinen Banken bei Politikern als schutzwürdig.

Keiner traut sich schlecht über sie zu reden. Die Republikaner um Donald Trump nutzen vielmehr das Bankensterben, um die schärfere Regulierung der Banken anzuprangern. Als „Dodd-Frank-Act“ wurde sie im Jahr 2010 unter der Regierung von Barack Obama verabschiedet.

Nun aber belegt eine Studie des ökonomischen Beirats im Weißen Haus: Nein, Dodd-Frank ist nicht die Ursache für das Bankensterben in den USA. Anders gesagt: Die verschärfte Gesetzgebung, die der Finanzkrise des Jahres 2008 folgte, hat die kleinen Banken den Landes nicht übermäßig belastet – und auch die Versorgung der Amerikaner mit Bankdienstleistungen nicht eingeschränkt.

„Zugleich haben aber viele Community Banks, vor allem die Kleinsten, schon seit Jahrzehnten vor der Finanzkrise längerfristige strukturelle Probleme“, heißt es in dem Bericht. Als Community Banks gelten Institute mit weniger als zehn Milliarden Dollar Bilanzsumme. Das Wachstum bei Banken mit Bilanzen zwischen 100 Millionen und zehn Milliarden Dollar sei gesund, nur darunter gebe es Probleme, heißt es. Dass es so wenig Neugründungen gebe, liege unter anderem an den niedrigen Zinsen.

Gut 6.100 Geldinstitute zählt die US-Einlagensicherung (FDIC), die Routine in der Abwicklung pleite gegangener Kleinbanken hat. Hinzu kommen noch Tausende von Kreditgenossenschaften, die in Amerika nicht als „Banken“ bezeichnet werden, aber ein ähnliches Geschäft betreiben. Sie unterstehen einer eigenen Behörde.

In manchen ländlichen Gebieten sind die kleinen Banken allein präsent, weil die Großbanken dort keine Filialen haben. Manche haben nur eine Handvoll Angestellter, sie sind viel kleiner als zum Beispiel deutsche Sparkassen. Ihre Darlehen reichen sie häufig gleich weiter an Investmentbanken. Das erklärt, wie sie mit ihren winzigen Bilanzen überhaupt die Kreditversorgung sicher stellen können.

In den überwiegend konservativen ländlichen Gegenden sind die Banker häufig auch einflussreiche Persönlichkeiten innerhalb ihrer Kleinstädte, die nicht nur Geld für den Wahlkampf spenden, sondern auch Veranstaltungen organisieren. Dabei entsprechen viele stolze „Towns“ in den USA von ihrer Einwohnerzahl her eher deutschen Dörfern als Städten. Es gibt aber auch in Großstädten Kleinbanken, etwa in New York, sogar in unmittelbarer Nähe der Wall Street.

Jeb Hensarling, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Abgeordnetenhaus, ist ein gern gesehener Gast bei der ABA, dem US-Bankenverband, in dem die Kleinbanken das Sagen haben und er ist ihr einflussreichster Lobbyist. Fast alle Politiker und Aufseher sehen vereinfachte Auflagen für die kleineren Institute vor, was im Ausland manchmal für Verärgerung sorgt, wenn es dort entsprechende Ausnahmen nicht gibt.

Obwohl das Dodd-Frank-Gesetz damals von beiden großen Parteien der USA gemeinsam beschlossen worden ist, wird der neue Bericht schon aus politischen Gründen nicht überall Zustimmung finden. Denn er signalisiert: Die Regierung Obama ist nicht schuld an den Problemen der einflussreichen kleinen Banken.

Kommentare zu " Geldhäuser und die US-Wahl: Kleine Banken werden zum großen Thema"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Markus Müller

    << ..... auch wenn dafür gar keine Befürchtung besteht >>

    An dem Satz bin ich hängengeblieben. Wie meinen Sie das? Zeigen Sie mal einem Australier aktuelle Bilder aus deutschen Städten, etwa aus den sog. "Problemzonen" oder von den Anschlägen, z.B. dem in Nizza. Und dann fragen sie ihn, ob er sowas auch in seiner Heimat haben möchte.

    Mit den Spaniern haben Sie selbstverständlich Recht. Die haben, zunächst noch in Südamerika, den größten Völkermord der Menschheitsgeschichte begonnen. Kein einziges "Holocaust-Museum" erinnert daran. Die Geschichte wird schließlich von den Siegern geschrieben. Aber gerade die Besiedlung Amerikas durch Weiße könnte uns eine Warnung sein, wie gefährlich Eindringlinge in großer Zahl naturgemäß sind.

  • solange Bänker und Politiker zusammen klüngeln wird sich nichts ändern, außer dem Zeitpunkt des Zusammenbruchs des ganzen fiat money Geldsystems. Dieser ganze Schwindel wird uns um die Ohren fliegen, dies wissen diese Herrschaften ganz genau. Sie trauen es nur nicht mehr zu sagen. Hinterher werden sie sich hinter nebulösem Geschwätz verstecken. Dies war schon immer so und daran wird sich auch nichts ändern solange diesen Herrschaften nicht drastische Strafen drohen für ihr Tun.

  • @Enrico "FatFinger" Caruso
    Australien hat sich da wohl seiner eigenen ruhmlosen Vergangenheit erinnert,wie die europäischen "Einwanderer" seinerzeit mit den Ureinwohnern umsprangen.
    Sowas will man gleich im Ansatz stoppen und natürlich desweiteren die Vergangenheit,wie auch hier in Deutschland tunlichst unter den Teppich kehren,was die Herren Einwanderungsgegner angeht.Spanien hat sich selbstverständlich auch nur mit Ruhm bekleckert,was seine eigene Geschichte im "Umgang" mit Fremden in deren eigener Heimat angeht.Wir lernen also:Gerade die,die alles andere als zimperlich waren mit ihnen fremden Menschen und Kulturen,wehren sich heute verbissen,auf dass ihnen selbiges nicht am eigenen Leibe wiederfahren möge,auch wenn dafür gar keine Befürchtung besteht.Lieber vorher ein bisschen grausamer,als hinterher teilen zu müssen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%