Grapscher-Skandal im Wahlkampf
War's das für Donald Trump?

Panik bei den US-Republikanern: Ihr Kandidat Donald Trump prahlt in einem Video damit, Frauen zu begrapschen. Erste Unterstützer springen bereits ab. Trump hingegen lässt alle Rücktrittsforderungen abprallen.

Eine Perversion des Wahlkampfs: Eine Woche, in der sich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump wegen seiner Steuertricks ohnehin in der Defensive befand, endete in der Nacht zu Samstag im Desaster. Die Washington Post veröffentlichte ein zehn Jahre altes Video, in dem sich Trump als Grapscher feiert. Die Äußerungen sind so vulgär, dass sie die amerikanischen Fernsehsender mit lauten Piep-Tönen und dem Hinweis auf „drastische Sprache“ zu entschärfen versucht. Vier Wochen vor dem Wahltag steckt der Republikaner in einer Krise, von der er sich kaum noch erholen kann.

Das Video, das in den Nachrichtenkanälen tausendfach ausgestrahlt wird, zeigt Trump an einem Filmset. Anfangs hält die Kamera auf den Bus, in dem sich der Immobilienmogul befindet. Im Gespräch mit dem Moderator Billy Bush (pikanterweise ein Cousin von Trumps Vorwahlrivalen Jeb Bush) prahlt der Milliardär mit seinen Verführungskünsten – offenbar ohne zu wissen, dass das Mikrofon läuft. „Ich fühle mich automatisch zu schönen Frauen hingezogen“, sagt Trump in einer noch relativ harmlosen Passage. „Wie ein Magnet.“ Was er danach beschreibt, erfüllt den Tatbestand der sexuellen Belästigung – ja, sogar sexueller Gewalt. „Wenn du ein Star bist, lassen sie dich alles machen“, tönt er und führt in nicht-jugendfreier Sprache aus, welche Intimzonen er begrapschen kann.

„Widerlich“ nannte Paul Ryan, als Chef des Abgeordnetenhauses der ranghöchste Republikaner im Land, die Aufzeichnung. Den für Samstag geplanten ersten gemeinsamen Wahlkampfauftritt mit Trump sagte Ryan ab. Einige republikanische Abgeordnete widerriefen noch in der Nacht zum Samstag ihre Unterstützung. Schon kursieren Berichte, dass wichtige Geldgeber abspringen. Es könnte nun sehr schnell, sehr einsam um Trump werden.

Der republikanische Parteivorsitzende Reince Priebus erklärte: „Keine Frau sollte jemals mit solchen Begriffen beschrieben werden, niemand sollte auf diese Art und Weise über sie reden. Niemals.“ Trump wurde sogar zum Rücktritt aufgefordert, entgegnete aber trocken: „Ich habe noch nie in meinem Leben zurückgezogen“ und „Null Chance, dass ich gehe.“

Das Wahlkampfteam des Populisten ist sich wohl bewusst, welche katastrophale Wirkung das Video entfalten kann. Erst versuchte es Trump, der sich jahrzehntelang in der Rolle des New Yorker Playboys gefallen hat, mit einer schriftlichen Erklärung. Die allerdings war weniger eine Entschuldigung, sondern eher eine Attacke auf seine Rivalin Hillary Clinton und ihren Ehemann und Ex-Präsidenten Bill Clinton: „Bill Clinton hat auf dem Golfplatz schon viel schlimmere Sachen zu mir gesagt, überhaupt kein Vergleich“, hieß es darin. 

Nach zunächst stundenlanger Funkstille veröffentlichte Trump später noch ein weiteres Statement – diesmal eine Video-Aufzeichnung aus einem schlecht ausgeleuchteten Studio. „Ich entschuldige mich“, sagt er. „Ich habe törichte Dinge gesagt.“ Inzwischen aber sei er ein besserer Mensch geworden. Trump hat im Zuge seiner Wahlkampfkampagne Mexikaner, Behinderte und Veteranen beleidigt. Nie hat er sich entschuldigt – bis jetzt. Das allein zeigt, wie ernst die Lage für ihn ist. Zur wohl schwierigsten Lage in seinem Wahlkampf twitterte er am Samstag: „Das waren gewiss interessante 24 Stunden!“

Doch mit Reue allein will es Trump auch an diesem Abend nicht bewenden lassen. Am Ende seiner Video-Aufzeichnung kommt er noch einmal auf Bill Clinton zurück und droht damit, dessen Eskapaden zum Wahlkampfthema zu machen – womöglich schon beim zweiten TV-Duell am Sonntag in St. Louis. Hillary Clinton reagierte nur mit einem kurzen Twitter-Post. „Das ist entsetzlich. Dieser Mann darf nicht Präsident werden.“

Clinton und Trump treffen am Sonntagabend (Ortszeit/0300 MESZ Montag) in St. Louis zu ihrer zweiten Fernsehdebatte zusammen. Die erste Debatte Ende September hatte die Demokratin nach unabhängigen Einschätzungen klar gewonnen. Danach legte sie in Umfragen zu und erhöhte damit den Druck auf Trump, im zweiten TV-Duell gut abzuschneiden. Danach gibt es nur noch eine letzte Fernsehdebatte, bevor am 8. November gewählt wird.

Mit dpa

Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent
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