Guantánamo
Obamas größte Bürde

Guantánamo wurde zum Symbol für das moralische Versagen der USA. Doch trotz Obamas großer Versprechungen, das Lager zu schließen, existiert es immer noch. Den Wahlkampf verfolgen die Insassen mit besonderem Interesse.

Guantánamo BaySie knien, die Körper gen Mekka gerichtet, die Stirn am Boden. Sechs Männer in einer Reihe, manche in Socken, andere barfuß. Draußen dämmert es. Die struppigen Hügel von Guantánamo Bay färben sich schwarz. Auf der anderen Seite der Insel sitzen Matrosen in weißen Anzügen unterm Sternenbanner, sie feiern den 241. Geburtstag der Navy.

Die Häftlinge in Camp 6 beten. Sie beugen sich vor, richten sich auf, knien sich hin. Es ist der immer gleiche Rhythmus. Fünf Mal am Tag, sieben Tage die Woche.

Tausende Kilometer entfernt tobt der Wahlkampf. Der Republikaner Donald Trump will Präsident werden, er hat versprochen, Guantánamo offen zu lassen, er will Waterboarding zurückbringen und noch viel schlimmere Dinge einführen, so hat er es gesagt.

Letztendlich war es aber nur eine Randnotiz. Trump sorgt jede Woche für einen Eklat, die Empörung darüber geht unter im großen Rauschen. Dass da immer noch Männer in einem Lager festgehalten werden, von denen die meisten nie verurteilt wurden, von denen die meisten keine Aussicht auf einen Prozess haben, seit Jahrzehnten, darüber regen sich nur noch wenige Menschen auf.

Das war mal anders. Am 11. Januar 2002, genau vier Monate nach den Anschlägen vom 11. September, kamen die ersten 20 Gefangenen ins Lager. Aus dem Bauch einer kalten Militärmaschine wurden sie in die Hitze Kubas geworfen. Ein Fotograf der Navy hielt fest, wie die Männer in Orange in Drahtgehegen auf dem Boden knien. Die Bilder gingen um die Welt. Guantánamo wurde zum Schandfleck der USA. Ein rechtsfreier Raum auf kubanischer Erde.

14 Jahre später existiert er immer noch. Die Häftlinge wüssten sehr genau, was in der Welt vor sich geht, sagt Zaki, ein Amerikaner mit jordanischen Wurzeln, der als kultureller Berater im Lager arbeitet. In den Zellenblöcken von Camp 6 gibt es Satellitenfernsehen, 50 Sender sind es angeblich. Der Nachrichtenkanal Al Mayadeen zeigte die Fernsehduelle zwischen Trump und Hillary Clinton mit arabischer Übersetzung. „Sie haben alle drei Debatten geschaut“, sagt Zaki. Wie so alles in Guantánamo lässt sich auch dieser Satz nur schwer überprüfen.

Ein Wärter erzählt, dass manche der Insassen angespannt seien. „Sie haben mich nach meiner Meinung gefragt. Was ich glaube, wer gewinnt.“

Als Barack Obama am Abend des 4. November 2008 genügend Stimmen zusammen hatte, um Präsident zu werden, skandierten die Häftlinge in Guantánamo seinen Namen. Er wollte das Lager schließen, das hatte er ein ums andere Mal versprochen. Zwei Tage nach seinem Amtsantritt im Januar 2009 unterzeichnete er einen entsprechenden Erlass. In Guantánamo übersetzten sie ihn. Sie hängten ihn sogar an die Wand. Irgendwann müssen sie die Zettel wieder abgenommen haben.

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