Handel mit Wählerstimmen
Tausche Clinton gegen McMullin

Um Donald Trump am Einzug ins Weiße Haus zu hindern, sind viele Amerikaner dazu bereit, nicht für ihren favorisierten Kandidaten zu stimmen – vorausgesetzt, jemand anderes tut das auch.

WashingtonWenige Tage vor der Entscheidung, wer der nächste Präsident der USA werden wird, haben bereits mehr als 35 Millionen Amerikaner gewählt. In einigen Staaten ist schon jetzt klar, welcher Kandidat das Rennen machen wird. Viele Bürger, die noch nicht abgestimmt haben, stellen sich dort deshalb die Frage: Was mache ich mit meiner Stimme?

Blicken wir nach Kalifornien. Dort können die sogenannten „Early Voters“ noch einen Tag vor der Wahl am 8. November ihre Stimme abgegeben. Doch bereits jetzt ist klar, dass Hillary Clinton den „Golden State“ für sich entscheiden wird. Ein weiteres Kreuzchen für sie würde ihren Sieg dort nur noch etwas größer machen, hätte aber auf das landesweite Ergebnis am Dienstag keinen Einfluss mehr. In einem „Swing State“ wäre diese Stimme deutlich wirkungsvoller.

Das dachte sich auch Amit Kumar vor ein paar Monaten. Der Tech-Unternehmer aus dem Silicon Valley hat eine Plattform entwickelt, auf der Wähler aus verschiedenen Bundesstaaten ihre Stimmen tauschen können mit dem Ziel, einen Sieg von Donald Trump zu verhindern. „Eine Menge Leute sagen, dass sie gerne etwas gegen Trump unternehmen wollen“, sagt Kumar. Allerdings lebten sie in Kalifornien und fühlten sich machtlos, weil ihre Stimme hier nichts mehr bewirke.

Die Idee hinter seiner App #NeverTrump: Anstatt für Clinton in einem ihr bereits sicheren Staat wie Kalifornien zu stimmen, wählt man den favorisierten Drittpartei-Kandidaten eines anderen Nutzers aus einem umkämpften Staat wie etwa North Carolina. Dieser wiederum macht nach Absprache sein Kreuzchen spätestens am Wahltag bei Clinton. Auf diesem Weg werden die Stimmen für beide Kandidaten berücksichtigt, nur eben im jeweils anderen Staat. Neben Trump und Clinton stehen weitere Kandidaten zur Wahl, darunter Jill Stein von den Grünen oder der unabhängige Konservative Evan McMullin.

Der Haken bei diesem Tausch: Ob der jeweils andere wirklich so stimmt, wie es vereinbart wurde, ist schwer nachzuvollziehen. In manchen Gegenden dokumentieren die wechselwilligen Wähler ihre Stimmabgabe deshalb mit einem Selfie. Allerdings ist das in mehr als 20 Staaten illegal, andernorts ist die rechtliche Lage unklar – etwa in Tennessee. Das musste vor ein paar Tagen auch US-Singer Justin Timerblake feststellen.

Der Künstler knipste sich vor einem Wahlcomputer in Memphis und twitterte sein Bild anschließend, allerdings ohne zu verraten, für wen er abgestimmt hatte. Doch schon das war den Behörden dort zu viel. Sie drohten nach Erscheinen des Fotos mit einer Strafe. Später jedoch teilte ein Verantwortlicher mit, dass es zu keinen Ermittlungen kommen werde.

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