Interview zu den Folgen der US-Wahl
„Eine rechtspopulistische Internationale“

Warum wird ein Populist wie Trump zum US-Präsidenten gewählt? Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung führt das auf eine Wut auf die Eliten zurück. Im Interview warnt er vor den globalen Konsequenzen.
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BerlinGibt es nach dem Triumph von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl auch in Europa einen politischen Tabubruch? Anzeichen dafür gibt es bereits. Frankreichs Rechtspopulistin Marine Le Pen will zumindest das in den USA ausgelöste Polit-Erdbeben für sich nutzen. Auch in Italien, Österreich und Deutschland versuchen Populisten das Wahlergebnis als Rückenwind für sich zu interpretieren, zumal in vielen europäischen Ländern im kommenden Jahr Wahlen auf dem Programm stehen. Entsprechend groß ist die Sorge vor einem Rechtsruck in Europa. Der Chef der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, fürchtet nach dem Trump-Sieg sogar einen weltweiten Schulterschluss populistischer Gruppierungen.

Herr Krüger, die Briten entscheiden sich für den Austritt aus der EU, in Deutschland feiert die AfD mit heftigen Attacken gegen die etablierte Politik einen Wahlsieg nach dem anderen und in den USA wird Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. Was ist da los, wie ist das zu erklären?
Ein ganz wesentlicher Grund ist, dass aktuelle gesellschaftliche, globale Entwicklungen von Teilen der Gesellschaft sehr stark mit einem Elitenverdruss einhergehen. Das heißt: Diejenigen, die Verantwortung in Wirtschaft und Politik tragen, sind als Vertreter einer verantwortlichen Klasse bei vielen in Verruf geraten. Daraus wird Politik gemacht, die wir Populismus nennen.

Wie meinen Sie das?
Ein Merkmal ist der Anti-Pluralismus. Es wird immer so getan, als spreche man im Namen des gesamten Volkes. Aber wenn man genau hinsieht, sind damit immer Gruppen ausgeschlossen, die genauso Teil des Volkes sind. Natürlich geht es immer gegen die vermeintlich Verantwortlichen. Und diese antipluralistischen Strömungen nehmen weltweit zu.


Ist das ein Problem?
Man könnte ja annehmen, dass die unterschiedlichen rechtspopulistischen Strömungen in den einzelnen Ländern unabhängig voneinander agieren, weil sich ja nationale Egoismen eigentlich voneinander ausschließen. Dem ist aber eigentümlicherweise nicht so. Es gibt durchaus Grundzüge einer rechtspopulistischen Internationalen, die ein anderes Bild von Europa und den Beziehungen der Länder untereinander hat.

Muss man sich da Sorgen machen?
Man hätte diese Entwicklung schon vor zehn, zwanzig Jahren kommen sehen können. Denn dieses populistische, ausgrenzende Gedankengut gab es eigentlich schon immer. Was neu ist und mir Sorgen macht, ist, dass sich dieser Populismus in Deutschland nun politisch organisiert. Und, wie man an der AfD sieht, relevant in Parlamente einzieht.

Kommentare zu " Interview zu den Folgen der US-Wahl: „Eine rechtspopulistische Internationale“"

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  • @ Jürgen Mücke,

    völlig falsch - wenn, dann sind es Gartenzwerge :)

  • @Herr Marcel Europaeer

    Naja irgendeiner muss ja auf die Misstände hinweisen...

    Wenn es kleine Kobolde sind. Sind das dann die Rechtsextrimistischen Trolle?

  • @Marcel Jourdant,

    und die Dummheit vieler Wähler besteht darin, nicht zu erkennen, wie sie von den Massenmedien permanenter Gehirnwäsche unterzogen und manipuliert werden - wie hier in diesem Beitrag..

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