Märkte nach dem Trump-Sieg
„Nicht mit dem Brexit zu vergleichen“

Heftige Kursausschläge an der Börse sind nach dem Sieg von Trump ausgeblieben. Größere Schwankungen gab es aber beim Dollar. Das könnte ein Vorgeschmack darauf sein, was Aktionären noch blüht, sagt Anlegeexperte Galler.
  • 0

Für viele Investoren kam der Wahlsieg von Donald Trump überraschend - ebenso wie die Kursgewinne, die dann an der New Yorker Wall Street folgen. Tilmann Galler, Chefanlagestratege von JP Morgan Asset Management in Europa, fühlt sich zwar an den Brexit erinnert, doch dafür, dass die Märkte dieses Mal nicht so extrem reagiert haben, hat er eine einfache Erklärung.

Herr Galler, wie viel haben Sie in der Wahlnacht geschlafen?
Nicht so viel. Nachdem die Ergebnisse aus den ersten Bundesstaaten reinkamen und nicht so gut aussahen für Hillary Clinton, bin ich mehr oder weniger wach geblieben. Ich fühlte mich an den Brexit erinnert.

Auch damals hatten die Umfragen einen anderen Wahlausgang vorausgesagt.
Die US-Präsidentschaftswahl ist nach dem Brexit ein weiteres Ereignis, bei dem die Meinungsforschungsinstitute total danebengelegen haben. Nur die LA Times lag mit ihrer Prognose vor der Wahl richtig.

Auch die Märkte haben auf Clinton gesetzt.
Ja, nach dem hastig hinterhergeschobenen Freispruch durch das FBI am Wochenende hatte man gehofft, dass Clinton gewinnt.

Es kam anders. Doch der befürchtete Kursrückgang oder sogar Crash an den Märkten blieb aus, anders als nach dem „Ja“ der Briten zum Brexit.
Ich glaube, das hat mehrere Gründe. Der Brexit wurde als eine wirtschaftlich ziemlich unsinnige Entscheidung eingeschätzt, auf die die Märkte entsprechend reagiert haben. Auch war die Vorfreude auf einen Verbleib der Briten in der EU größer als die Vorfreude auf einen Sieg Hillary Clintons. Donald Trump und sein überraschender Sieg stoßen zwar nicht auf Gegenliebe der Märkte, aber sind nicht mit dem Brexit zu vergleichen.

Investoren mögen aber doch eigentlich keine Überraschungen und reagieren entsprechend emotional.
Viele haben in der Tat mit höheren Ausschlägen gerechnet. Es wundert mich, wie frühzeitig die Märkte differenzieren. Vielleicht hat man vom Brexit gelernt, dass es dauert bis sich politische Events wie eben auch der Wahlsieg Trumps in Gesetzen niederschlagen. Auch wird Trump nicht alle seine Maximalforderungen durchbringen, der Kongress ist ein gewisses Korrektiv, auch wenn er republikanisch dominiert ist.

Seite 1:

„Nicht mit dem Brexit zu vergleichen“

Seite 2:

Mexiko als Blitzableiter für die Märkte

Kommentare zu " Märkte nach dem Trump-Sieg: „Nicht mit dem Brexit zu vergleichen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%