Marktreaktion auf US-Wahl
Börsen freunden sich mit Trump an

Nachdem der Sieg Donald Trumps bei der US-Wahl die Aktienmärkte zunächst durcheinander wirbelte, erholen sich die Kurse überraschend schnell wieder. In den USA und in Deutschland schwenken die Börsen sogar ins Plus.
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Frankfurt/WashingtonEs war ein kurzes Beben: Auf den überraschenden Sieg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bei den US-Wahlen hatten Investoren in Asien und Europa geschockt reagiert. Anleger warfen zunächst Aktien und andere risikoreiche Anlagen aus ihren Depots. Einige Börsen brachen zu Handelsbeginn so stark ein wie zuletzt nach dem Brexit-Referendum im vergangenen Juni. Doch im Verlauf grenzten Europas Börsen am Mittwoch ihre Anfangsverluste rasch ein: Der Dax notierte am Nachmittag sogar 0,45 Prozent höher.

In den USA blieb das große Beben im frühen Handel sogar gänzlich aus. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schwenkte schon nach wenigen Handelsminuten ins Plus, der breiter gefasste S&P 500 verzeichnete nur ein geringes Minus von zunächst 0,2Prozent. Was steckt hinter der bemerkenswerten Kehrtwende der Investoren?

„Seine Siegesrede hat dem Markt wieder etwas auf die Beine geholfen“, sagte Portfoliostratege Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management. Trump habe versöhnlich geklungen und keine protektionistischen Töne angeschlagen, die von Investoren befürchtet worden seien.

Doch hinter der Contenance der Anleger könnte sich noch etwas anderes verbergen: „Kurzfristig ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Aktienkurse nach dem Schock erholen und sich im Verlauf der kommenden Tage Opportunitäten ergeben“, hatte DZ Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier bereits vor dem Börsenstart gemutmaßt. Ein ausschlaggebender Grund dafür nach Einschätzung des Experten: „Negative Ereignisse scheinen die Wahrscheinlichkeit dafür zu erhöhen, dass die Notenbanken länger an ihrer expansiven Geldpolitik festhalten, sie ausweiten oder zumindest nicht straffen“, so Bielmann. Damit bleibe der Kurstreiber der letzten Jahre, kostenlose Liquidität, erhalten und die Kurse könnten weiter steigen. Die US-Zentralbank Fed werde vermutlich keine Zinsanhebung im Dezember vornehmen.

Auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden bei der Deutsche Bank sieht das ähnlich: „Es ist unklar, ob sich die Fed angesichts der Unruhe an den Märkten zu einer raschen Zinserhöhung durchringt – obwohl die volkswirtschaftlichen Rahmendaten zuletzt dafür sprachen“, sagt der Anlageprofi.

Die US-Notenbanker hatten bisher signalisiert, im kommenden Monat die Leitzinsen anzuheben, nachdem sie seit ihrem letzten Erhöhungsschritt im vergangenen Dezember den nächsten Zinsschritt immer wieder hinausgezögert hatten. Ende vergangenen Jahres hatte die Fed erstmals seit fast einem Jahrzehnt die Zinszügel etwas gestrafft. Doch nach dem Wahlsieg Trumps sind die Chancen auch nach Einschätzung der Marktteilnehmer gesunken, dass die US-Währungshüter an ihren bisherigen Plänen festhalten können: An den US-Terminmärkten brach die von Investoren erwartete Wahrscheinlichkeit für eine US-Leitzinsanhebung im Dezember auf 47 Prozent ein. Nur wenige Stunden zuvor wurde dieser Wert noch mit 82 Prozent taxiert.

Die Experten der Allianz-Fondstocher Allianz GI führen ein weiteres Argument ins Feld: Solange Trumps Politik noch nicht klar ist, stellten seine Rhetorik in Bezug auf Handel, Einwanderung und internationale Zusammenarbeit zwar eine Bedrohung für das Wirtschaftswachstum in den USA und weltweit dar. „Ironischerweise aber könnten genau deshalb europäische Aktien im Vergleich zu US-Titeln „u einem Bollwerk der Stabilität werden.“

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  • Übrigens hatte ich Katrin hier im HB schon als kommende Bundespräsidentin erwähnt, bevor die dies mehr oder minder publik wurde.

    Vielleicht war es da:.

    Man möge sich unsere Bundespräsidentin Göring-Eckert vorstellen, die als ehemalige Theologiestudentin ihr Studium abgebrochen hat und dem Milliardär und President for USA trifft und Küsschen linke, Küsschen rechts verteilt.

    Vielleicht macht's auch Frau Merkel.

  • Liebe Redakteure,

    ich bin sachlich. Nicht alles -und das ist ziemlich viel in Deutschland- hört man gerne. Anscheinend auch nicht die HB-Redakteure.

    Ich kann allerdings nicht mehr nachvollziehen, was der genaue Inhalt meines letzten Beitrags war und schon gar nicht, warum sie diesen gelöscht haben.
    Ich habe weder jemanden beleidigt oder Minderheiten diskriminiert. Dem bin ich mir sicher.

    Deshalb wäre es sinnvoll, wenn sie mir sagen, was da genau nicht ihrer Netiquette entsprach, damit ich dies bei meinem nä. Geschreibsel berücksichtigen kann und sie es nicht löschen müssen.

    Danke.

  •  Tja, nun ist es Trump. Und? ... Gar nichts wird passieren. Vermutlich ist er ehrlicher und vernünftiger, als manche machtversessene Frau, die eigentlich nur an sich selbst denkt, wie es ihre Gene so diktieren. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

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