Neonazis in den USA: Trump rückt von der Alt-Right-Bewegung ab

Neonazis in den USA
Trump rückt von der Alt-Right-Bewegung ab

Die rechtsextreme Alt-Right-Bewegung feierte Trumps Wahlsieg mit Nazi-Sprüchen und Hitlergruß. Das brachte Trump unter Druck. In einem Interview distanzierte er sich – nahm aber ein Sprachrohr der Gruppe in Schutz.
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WashingtonDer künftige US-Präsident Donald Trump hat sich von der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung distanziert, die seinen Wahlsieg mit Nazi-Sprüchen und dem Hitlergruß gefeiert hat. "Ich will dieser Gruppe keinen Auftrieb geben, und ich erkenne diese Gruppe nicht an," sagte Trump am Dienstag der "New York Times".

Insbesondere Trumps Ernennung des ultrarechten Publizisten Stephen Bannon zu seinem Chefstrategen im Weißen Haus hatte zuletzt die Sorgen verstärkt, dass die Alt-Right-Bewegung Einfluss auf die Regierungspolitik gewinnen könnte.

Bannon, der in den vergangenen Monaten die Wahlkampagne des Immobilienmilliardärs geleitet hatte, ist bisher Chef der Website "Breitbart", die als Forum der Alt-Right-Bewegung gilt. Bannon hat das Portal selber einmal als Sprachrohr der rechtsextremen Gruppe bezeichnet.

Trump nahm seinen früheren Wahlkampfchef jedoch nun gegen den Vorwurf der rechtsextremen Gesinnung in Schutz. "Wenn ich glaubte, dass er ein Rassist oder Alt-Right oder irgendeines von diesen Dingen wäre (...), würde ich nicht einmal daran denken, ihn anzuheuern", sagte der designierte Präsident in dem Zeitungsinterview.

Der Druck auf Trump, sich von der Alt-Right-Bewegung zu distanzieren, war in den den vergangenen Tagen auch durch ein Treffen der Gruppierung in Washington verstärkt worden, bei dem die Rechtsextremen den Wahlsieg des rechtspopulistischen Immobilienmilliardärs zelebriert hatten.

Die Versammlung am Samstag war vom National Policy Institute nahe des Weißen Hauses abgehalten worden. Am Montag veröffentlichte das Magazin "The Atlantic" ein Video vom Auftritt des Institutsleiters Richard Spencer, der seine Rede zu Trumps Wahlsieg mit dem Ausruf "Heil unserem Volk! Sieg Heil!" beendete.

Einige Zuhörer wiederholten die Nazi-Sprüche in Sprechchören und zeigten den Hitlergruß. Nach Angaben anwesender Journalisten riefen einige von ihnen auch "Heil Trump!".

Der als Rassist bekannte Spencer sagte der "New York Times", die Alt-Right-Bewegung habe eine "seelische Verbindung, oder man könnte sagen, eine tiefere Verbindungen zu Donald Trump" als zu den meisten anderen Republikanern.

Zuvor hatte die Zeitung den gewählten Präsidenten in einem Leitartikel aufgefordert, die "giftige Propaganda" der Alt-Right-Bewegung, die er in seinem Wahlkampf selbst "aus dem Schatten geholt" habe, "eindeutig zu verurteilen". Trump sei im Kurznachrichtendienst Twitter "verstummt", nachdem rund 200 "weiße Nationalisten" eine "sehr öffentliche Coming-Out-Party voll von rassistischem und antisemitischem Schmutz" gefeiert hätten, schrieb die Zeitung.

Auch Dana Milbank, ein bekannter Kolumnist der "Washington Post", forderte Trump auf, seine "Neonazi-Anhänger" deutlicher in die Schranken zu weisen und ihren "dreisten Marsch" in die politische Mitte zu stoppen. Trump hatte selbst im Wahlkampf mit abfälligen Äußerungen über Muslime und Einwanderer immer wieder für Empörung gesorgt.

Kommentare zu " Neonazis in den USA: Trump rückt von der Alt-Right-Bewegung ab"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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