Nigel Farage
Der britische Freund von Donald Trump

Erst hat der britische Politiker Nigel Farage in der Heimat den Brexit befeuert, dann im US-Wahlkampf für Trump geworben. Dieser bedankt sich nun auf seine Weise – und sorgt damit in Großbritannien für Irritation.
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LondonViele Freunde hat der zukünftige US-Präsident Donald Trump in Europa ja nicht. Doch zumindest auf einen Briten kann er zählen: Nigel Farage. Der Politiker, der einst die EU-kritische Partei Ukip gründete und als Gesicht der Brexit-Kampagne gilt, hatte sich bereits im Wahlkampf hinter den US-Milliardär gestellt und war mehrfach in die USA gereist um Trump zu unterstützen. Er würde Clinton „nicht einmal für Geld wählen”, sagte Farage bei einem Besuch. Diese Loyalität zahlt sich nun aus.

Viele würden Farage gern als britischen Botschafter in den USA sehen, schlug Trump in einem Tweet vor, Farage würde das großartig machen. In Großbritannien sorgte das für Irritationen. Nicht nur, weil dieser Vorschlag einen klaren Bruch mit den diplomatischen Gepflogenheiten darstellt und den aktuellen Botschafter Kim Darroch in eine unschöne Lage bringt. Sondern auch, weil es ist nicht das erste ungewöhnliche Erlebnis ist, dass die britische Regierung mit dem US-Milliardär hatte.

Nach seinem Wahlsieg hatte Trump mit der britischen Premierministerin Theresa May nur kurz telefoniert. Dabei ist in Großbritannien doch stolz auf eine „ganz besondere Beziehung“ zu den USA. Neun andere Politiker seien vor May an der Reihe gewesen – und sogar Skateboarder hätten länger mit Trump gesprochen als die britische Spitzenpolitikerin, spottete man.

Das Protokoll des Gesprächs sickerte an die Medien durch. Während Trump demnach bei dem Telefonat von Queen Elizabeth II schwärmte und May bat, der Königin doch bitte seine Grüße auszurichten, sagte er zu May nur lapidar, sie möge ihm doch Bescheid sagen, wenn sie in die USA reise. Farage hingegen fuhr nur wenige Tage nach diesem Gespräch nach New York und traf Trump – als erster Politiker aus Großbritannien.

Auf den aktuellen Beweis der Freundschaft zwischen Trump und Farage reagierte man in London konsterniert: Die Position sei nicht zu besetzen, teilte die Regierung knapp mit. Farage selbst zeigte sich geschmeichelt. Wenn er Großbritannien auf irgendeine Art und Weise unterstützen könnte, würde er das tun, kokettierte er.

Ein neuer Job wäre sicher auch in seinem Interesse, denn aus der britischen Politik wollte sich der 52-Jährige eigentlich zurückziehen. Farage war nach dem „Leave“-Votum vom Parteivorsitz bei Ukip zurückgetreten. Das hatte heftige Machtkämpfe ausgelöst, die sogar in einer Schlägerei mündeten. Farages Nachfolgerin Diane James war aber nach gerade einmal 18 Tagen zurückgetreten, so dass Farage wieder bis zur Wahl eines neuen Parteichefs an die Spitze rückte.

Den Job als Parteivorsitzender wolle er jedoch nicht wieder machen, hatte er in der Vergangenheit klar gestellt: „Vorsitzender einer politischen Partei zu sein ist ein ziemlich mieser Job, aber Parteichef von Ukip zu sein ist vermutlich der mieseste Job von allen“. Wer weiß, was ihm sein mächtiger Freund noch anbietet.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Nigel Farage: Der britische Freund von Donald Trump"

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  • Nigel Farage hat sich verdient um Britanien gemacht, er vierdient diesen Posten.

  • Er sorgt nur bei denen für Irritation, die eh gegen den Brexit, gegen Trump und Putin sind. Für den normalen Bürger ist es wichtig, dass England einen Vertreter hat, der mit den zukünftigen Präsidenten Trump ein gutes dipolomaitisches Verhälntis im Sinne und zum Wohl Englands pflegt.
    Danke!

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