Nominierungsparteitag der Demokraten
Eine Partei im Panik-Modus

Der Parteitag beginnt – und Hillary Clinton kann sich auf einen gepfefferten Empfang einstellen. Denn die demokratische Partei hat Sanders' Wahlkampf torpediert. Die Stimmung ist explosiv. Alles hängt von einem Mann ab.

San FranciscoAm Montagmorgen ergriff sie noch einmal das Wort. Bei einem Frühstücksmeeting vor dem eigentlichen Parteitag wollte die scheidende Parteivorsitzende Debbie Wasserman Schulz ihre Sicht der Dinge darlegen und zur Geschlossenheit gegen Donald Trump aufrufen. Doch gegen die Buhrufe und Sprechchöre aus dem Publikum kam sie trotz Mikrofon und Verstärker nicht an. Letztlich gab sie auf. Auch der unterlegene Kandidat Bernie Sanders sprach auf einer Wahlkampfveranstaltung zu seinen Anhängern. Lauter Jubel empfing ihn, als er zum Kampf gegen Trump aufrief, aber als er nachsetzte, nun müsse man Hillary Clinton wählen, wurde er von seinen eigenen Unterstützern lautstark niedergebrüllt. Beinahe entschuldigend setzte er nach: „Das ist die Welt, in der wir leben“. Zwei Szenen, die ahnen lassen, was der Kandidatin Hillary Clinton auf ihrem Parteitag bevorstehen wird.

„Debbie is done“, Debbie ist fertig, skandierten wütende Anhänger von Bernie Sanders schon am Vorabend des demokratischen Parteitags auf den Straßen von Philadelphia. Zu Tausenden marschierten sie durch die fünftgrößte Stadt der USA und riefen drohend an die Kandidatin Hillary Clinton gerichtet: „See you in Philly.“ Wir sehen uns noch.

Hillary Clinton kann sich auf einen gepfefferten Empfang im Kohlestaat Pennsylvania bereitmachen, wenn am heutigen Montag der Parteitag beginnt. An dessen Ende will sie eigentlich mit einer vereinten Parteibasis den Durchmarsch des Republikaners Donald Trump ins Weiße Haus verhindern. Doch davon ist sie weit entfernt.

Denn wer geglaubt hat, vorige Woche bei den Republikanern einen heißen Parteitag gesehen zu haben, der sollte noch mal abwarten. Da gab es abgeschriebene Reden, offenen Widerstand gegen einen Kandidaten, der wie ein Berufs-Kampfsportler zu Rock-Hymnen aus Nebelschwaden auf die Bühne trat, und hasserfüllten Sprechchöre für die Gegner. Die Demokraten dagegen haben ihren ersten handfesten Skandal schon, bevor es überhaupt angefangen hat. Und der lässt die Kandidaten gar nicht gut aussehen.

Am Freitag, einen Tag nach der Krönung von Donald Trump, veröffentlichte die Seite Wikileaks tausende von parteiinternen E-Mails. Darunter einige, die hochrangige Parteimitglieder in Erklärungsnot bringen. Sie legen nahe, dass in der Parteispitze nie ernsthaft an eine Kandidatur von Senator Bernie Sanders geglaubt wurde, sie im Gegenteil sogar indirekt behindert werden sollte. Ein Verdacht, den die Anhänger des Senators aus Vermont schon häufiger geäußert hatten, aber bislang nie belegen konnten.

Erstes prominentes Opfer ist die in den E-Mails wiederholt auftauchende Debbie Wasserman Schultz, Vorsitzende des Komitees der Partei, praktisch die Generalsekretärin. Zuerst hatte sie brüsk alle Kritik abprallen lassen, dann war auf einmal ihr Name auf der vorläufigen Rednerliste des Convents nicht auffindbar. Ein absolut bemerkenswerter Vorgang, vor allem, wenn man bedenkt, welch prominente Rolle ihr Gegenpart, Reince Prebus, auf dem republikanischen Parteitag gespielt hatte. Und das, obwohl er ein Trump-Gegner war.

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