Obamas Zukunft
Bye, bye Oval Office

Wenn Barack Obama am 20. Januar das Amt des US-Präsidenten an Hillary Clinton oder Donald Trump übergibt, ist er 55 Jahre alt – und damit zu jung für das Rentnerdasein. Was wird der mächtigste Mann der Welt künftig tun?

WashingtonGolf spielen, den Führerschein machen, eine Sportmannschaft trainieren, um 11.30 Uhr mittags Bier trinken, den ganzen Tag bei McDonald's frühstücken – einfach mal er selbst sein. All das könnte Barack Obama nach seiner Zeit als Präsident der Vereinigten Staaten tun, finden zumindest Joe Biden und John Boehner. Der Vize-Präsident und der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses spielen seine Berater in dem Comedy-Video „Couch Commander“, das Obama beim traditionell jährlichen – und für ihn letzten – Abendessen mit den beim Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten zeigte.

Das war Ende April – und so langsam rückt der Tag näher, an dem Obama das Amt übergibt. Noch steht nicht fest, wen die Amerikaner am kommenden Dienstag zu ihrem 45. Präsidenten wählen. Aber am 20. Januar 2017 wird sein Nachfolger, ob Hillary Clinton oder Donald Trump, vereidigt. Dann ist für Obama nach acht Jahren im Oval Office Schluss.

Sicher hat er sich abseits von Golf und Fast Food schon ein paar ernsthafte Gedanken darüber gemacht, was er die nächsten zwei Jahre tun soll, wenn er nicht mehr Präsident ist und trotzdem noch in Washington weilt. Denn eins ist klar: Die Familie zieht erst einmal nicht um. Obama hat seiner jüngsten Tochter Sasha (15) versprochen, dass sie den Abschluss in ihrer jetzigen Schule machen kann. Damit ist er der erste Präsident seit Woodrow Wilson (Nummer 28, 1913 bis 1921), der nach dem Ende seiner Amtszeit in Washington bleibt.

„Er sagt oft, dass die Familie viele Opfer für ihn und seine politische Karriere gebracht hat. Jetzt ist er dran, Opfer für sie zu bringen“, erzählt George Condon. Der Journalist des „National Journal“ berichtet seit Jahrzehnten aus Washington über die US-Politik. Er kennt Obama und hat ihn schon häufiger getroffen, wie acht weitere Präsidenten vor ihm.

Obama ist während seiner Amtszeit zwar stark ergraut, aber erst 55 Jahre alt – und damit ein ziemlich junger Ex-Präsident, zu jung für das Rentnerdasein. Und er ist noch immer vergleichsweise beliebt; seine Frau Michelle (52) vielleicht sogar noch mehr. Was also wird er künftig tun? Wie wird er sich der mächtigste Mann der Welt die Zeit vertreiben?

Eine erste Aufgabe hat er schon: Obama wird sich um die Planung und den Bau seiner Präsidentenbibliothek kümmern. Daran arbeitet er bereits, letzte Woche gab es ein Treffen. Jeder US-Präsident bekommt die Möglichkeit, relevante Dokumente und Ausstellungsstücke aus seiner Amtszeit zu zeigen. Dazu gehören ein Museum und öffentliche Programmen. Das ist Tradition in Amerika. Die Eröffnung ist in den USA ein gesellschaftliches Ereignis erster Güte, zu dem sämtliche Altpräsidenten eingeladen sind.

Obama hat als Standort Chicago auserkoren. Das lässt viele spekulieren, er könnte nach dem Abschluss seiner Tochter wieder in seine Wahlheimat zurückkehren. Seine Frau Michelle ist in der Millionenmetropole am Lake Michigan, Illinois geboren und aufgewachsen. Hier haben sie sich kennengelernt. Es gibt sogar einen Film namens „My First Lady“, der vom ersten Date zwischen Barack und Michelle Obama erzählt. Er, der Jurastudent, macht ein Praktikum in der Kanzlei, in der sie als Anwältin angestellt ist.

Obama studierte erst Politik in Los Angeles und New York, stieg dann um auf Rechtswissenschaft und kam dafür nach Chicago an die Harvard Law School. Bereits während seines Studiums engagierte er sich politisch. Es war der Start einer Karriere, die ihren Höhepunkt am 4. November 2008 erreichte, als mit Obama zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten ein Schwarzer zum Präsidenten gewählt wurde.

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