Parteitag der Republikaner
Das Zittern vor Trumps Temperament

Donald Trump steht vor seiner größten Aufgabe: Auf dem Parteitag der Republikaner hat der Milliardär vier Tage Zeit, die Partei hinter sich zu vereinigen. Das kann klappen – falls er sich nicht selbst ein Bein stellt.

San FranciscoDrinnen trägt eine Gruppe betagter weißer Männer die US-Flagge auf die Bühne, draußen skandieren weiße und farbige Demonstranten jeden Geschlechts „Stop Trump“. Drinnen gibt es eine Gedenkminute ausdrücklich für die getöteten Polizisten der letzten Wochen, draußen dröhnt wütend „Black Lives Matter“ durch die Straßen.

Um zehn Uhr morgens Ortszeit begann am Montag in Cleveland, Ohio, der Parteitag der republikanischen Partei. Auch fast vier Jahre nach der Wahlniederlage, die Barack Obama eine zweite Amtszeit als Präsident einbrachte, scheint sich nichts geändert zu haben. Die Partei mit dem Elefanten als Markenzeichen hat ihre Probleme mit Rassismus und Homosexualität nicht angepackt, ihr Defizit bei Frauen und Minderheiten nicht adressiert. Und als wenn das nicht genug wäre, ist die Partei nun auch intern zerstritten wie nie. Es gibt nur zwei Lager: Freunde und Feinde von Donald Trump.

Rund 50.000 Teilnehmer werden von Montag bis Donnerstag in Cleveland erwartet. Ist das die neue Generation der Republikaner, die sich diese Woche in Cleveland trifft, oder sind es nur die zerfallenden Reste einer obsoleten Partei? Für den Kandidaten Donald Trump, der diese Woche offiziell als Kandidat für die Präsidentschaft nominiert werden soll, ist diese Frage von entscheidender Bedeutung.

Er muss am kommenden Wochenende mit einer motivierten und geeinten Basis aus der Arena auf Wahlkampftour gehen, sonst hat er alle Chancen verspielt, bevor er nur angefangen hat. Bislang eint die Partei und ihn alleine die Wut auf Hillary Clinton. Aber die Partei muss aktiv hinter ihm stehen. Denn ohne Apparat hat der polternde Populist zwar Medienaufmerksam, aber noch immer keine Wahlkampftruppen auf dem Boden.

Schon alleine die Rednerliste der Vollversammlung zeigt, wie zerrissen die Partei ist. Nationale Parteitage sind in der Regel eine gute Gelegenheit, sich als künftiger Star in Szene zu setzen, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Nicht in diesem Jahr. Keine Superstars aus Hollywood sind vertreten, kein Arnold Schwarzenegger, kein Clint Eastwood, dafür B-Besetzungen und Sternchen aus TV-Realityshows und der Präsident der Ultimate Fighting Championship. Auch die Polit-Elite der Partei hält sich demonstrativ bedeckt.

Die geschlagenen Kandidaten Marco Rubio, Jeb Bush und John Kasich fehlen, die Präsidentschaftsbewerber der Vorjahre, Mitt Romney, John McCain und George W. Bush bleiben zuhause. Vakante Rednerplätze hat der Kandidat mit Familienmitgliedern gefüllt, gleich fünf werden zu seinen Gunsten das Mikrofon ergreifen. Lediglich die Ex-Kandidaten Ted Cruz, Ben Carson und Chris Christie sind nach Cleveland angereist, so wie Parteiführer wie Paul Ryan, der einfach nicht fernbleiben kann.

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