Paypal-Gründer Peter Thiel
Mit Präsident Trump in ein „normales“ Amerika

Der Paypal-Gründer Peter Thiel gilt als Querkopf – doch sein Einsatz für Donald Trump schockiert viele im Silicon Valley. In Washington erklärt er, was er sich von dem Republikaner erhofft.

Washington.Peter Thiel tut ehrlich überrascht, vielleicht ist er es wirklich: Sein ganzes Unternehmerleben lang habe er verrückte Ideen finanziert, bis zum Versuch, ewiges Leben zu schaffen. „Dann tue ich einmal etwas Konventionelles und es wird zur kontroversesten Sache jemals“, sagt der Milliardär bei seinem Auftritt im National Press Club in Washington.

Man kann darüber streiten, ob Thiels Unterstützung für den Republikaner-Kandidaten Donald Trump wirklich so konventionell ist. Der 49-Jährige hat seinen Weltruhm im Silicon Valley erlangt, als Gründer von Paypal und früher Investor in Facebook. Das Tal der Internet-Konzerne ist eine linke Hochburg, der Einwanderer-Feind Trump hat dort höchstens als Halloween-Maske in den Supermarktregalen Chancen gegen Hillary Clinton.

Doch Thiel gilt als Querkopf. Statt Zukunftsoptimismus verbreitet er in Washington einen düsteren Blick auf das Land, das in gut einer Woche einen neuen Staatschef wählt. Ja, die Realität wirke derzeit oft wie die Generalprobe für die Satireshow „Saturday Night Live“, sagt der in Deutschland geborene Thiel auf der Bühne. „Aber egal wie verrückt diese Wahl erscheint, sie ist nicht so verrückt wie der Zustand, in dem sich unser Land befindet.“

Mit fester Stimme zählt er dann auf, was schieflaufe in den USA: das riesige Handelsbilanzdefizit. Die „fünf unerklärten Kriege“, in die die USA verwickelt seien. Die stagnierenden Einkommen gewöhnlicher Amerikaner. Thiel spricht ernst, auf Lacher wie Trump bei seinen Rallyes hat er es nicht abgesehen. Aber in Sachen Düsternis steht er ihm in nichts nach.

Als kürzlich bekannt wurde, dass Thiel Trumps Wahlkampf 1,25 Millionen Dollar spendete, mussten sich Geschäftspartner bis hin zur Facebook-Chef Mark Zuckerberg für ihre Verbindung zu Thiel rechtfertigen. „Warum gerade Trump?“ werde er dieser Tage häufig gefragt. Sicher nicht wegen seiner Prahlereien über sexuelle Belästigungen von Frauen, die Thiel „inakzeptabel“ nennt. „Ich glaube aber, dass er bei den großen Themen richtig liegt.“

Thiel imponiert, dass Trump mit vielen Glaubenssätzen der Republikaner und der politischen Elite allgemein bricht. Der Politnovize erkenne an, dass Freihandel längst nicht allen in den USA Wohlstand gebracht habe. Er wolle Amerikas weltweite Kriege beenden, statt sich mit Verweis auf die amerikanische Einzigartigkeit überall auf dem Globus militärisch zu engagieren. Trumps Widersprüche, etwa dass er der Terrormiliz IS mit einem brutalen Bombenkrieg droht, blendet Thiel dagegen völlig aus.

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„Niemand würde behaupten, dass Trump bescheiden ist“

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