Republikaner-Parteitag
Ted Cruz verweigert Trump die Gefolgschaft

Eklat in Cleveland: Ted Cruz verweigert Donald Trump die Empfehlung zum Präsidenten. Denn der texanische Senator denkt schon weiter. Zu viel Nähe zum Kandidaten kann bald zum Bumerang werden.

San FranciscoEs war ein Wahlkampf, in dem ihm nichts erspart blieb, bis zum Schluss. Senator Ted Cruz sprach am Mittwochvormittag auf einer Bühne vor dem Veranstaltungsort des republikanischen Parteitags zu seinen Anhängern. „In einer großartigen Kampagne haben wir 15 Kandidaten geschlagen“, sagte der Texaner und erntete dafür Applaus. „Nur aber eben nicht 16“, grinste er, was mit lauten Buhrufen quittiert wurde.

„Wir haben jetzt einen Kandidaten“, so Cruz, sorgfältig den Namen des ungeliebten Kontrahenten vermeidend. Und gerade in diesem Moment schwebte hinter ihm majestätisch ein großer roter Jet zum nahegelegenen Flughafen. „Trump“ stand in übergroßen Lettern auf der Hülle der Boeing 757 und Cruz lachte verbittert auf und schüttelte nur ungläubig den Kopf: „Das ist ja großartig orchestriert.“

Ted Cruz wollte später am Abend noch offiziell auf dem Parteitag sprechen und die Frage war, ob er es über sich bringen würde, den Mann als Präsidenten als Präsidenten zu empfehlen, der ihn als „Lying Ted“, als Ted den Lügner, immer wieder gedemütigt hatte. Es kam zum Eklat. Cruz rief zwar zum Kampf gegen Hillary Clinton auf, sprach aber keine Empfehlung für Donald Trump aus, bis er dann unter lauten Buhrufen die Bühne verließ.

Der ebenfalls im Vorwahlkampf unterlegene Marco Rubio wollte sich die demütigende Erfahrung in Cleveland ganz ersparen und war gar nicht erst gekommen. In einer Videoansprache sagte er: „Die Zeit des Kämpfens ist vorbei“. Man „müsse zusammenhalten“. Dann lobte er halbherzig Donald Trump, indem er seine vermeintlichen Tugenden hervorhob – auf eine ausdrückliche Empfehlung verzichtete aber auch er.

Dabei hatte die ultra-konservative Radiomoderatorin Laura Ingraham zu Beginn der abendlichen Kongressveranstaltung die unterlegenen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner aufgefordert: „Jetzt gilt es das gegebene Versprechen einzuhalten und Donald Trump zu unterstützen.“ Spöttelnd hatte sie von von „all den Jungs mit kleinen Kratzern und gekränkten Gefühlen“ gesprochen.

Wie auch an den Tagen zuvor warben Mitglieder des Trump-Familienclans und Geschäftspartner für Donald Trump – mit immer den gleichen Argumenten – warum nur der Unternehmer die USA retten kann. Das eigentliche Motto des Tages war aber „Make America first again“ , die Außenpolitik.

Seit Trump im April seine Sicht auf die Außenpolitik dargestellt hat, geht die Angst um. Was passiert, wenn der egozentrische Milliardär zum obersten Befehlshaber der mächtigsten Armee aufsteigt? „America first“, Amerika zuerst, stellte er in seiner Grundsatzrede in New York fest, werde die ultimative Maxime aller seiner Entscheidungen sein, und die Außenpolitik müsse auf „amerikanischen Interessen“ basieren.

Er will einen Handelskrieg mit Mexiko und China vom Zaun brechen, um angeblichen Ungerechtigkeiten ein Ende zu machen und den USA wieder Respekt verschaffen. Mit der Nato will er eine „neue Balance bei den Finanzen“ erreichen. In anderen Worten: Die Verbündeten sollen zahlen , sonst könne „Amerika sie nicht mehr verteidigen“.

Wird Trump Bodentruppen gegen den Islamischen Staat einsetzen? Wird er die militärische Konfrontation mit Nordkorea und Iran suchen? Werden die USA internationale Handelsverträge aufkündigen? Seine Gegnerin Hillary Clinton jedenfalls hält ihn außenpolitisch nicht nur für „unvorbereitet“, sondern sogar „vom Temperament her ungeeignet für ein Amt, das Wissen, Stabilität und enormes Verantwortungsbewusstsein erfordert“.

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