Spionage in den USA
Russische Hacker stehlen Daten über Donald Trump

Vor knapp einem Jahr infiltrierten zwei russische Hackergruppen die Computer der Demokraten und anderer Organisationen. Keine Überraschung: Russland will wissen, wer der neue mögliche Präsident Donald Trump ist.

New YorkCozy Bear und Fancy Bear – so nannten amerikanische Computerexperten die Eindringlinge. Die Namen „Gemütlicher Bär“ und „Schicker Bär“ lassen schon ahnen, woher sie stammen: Aus Russland. Vor einem Jahr hackten sie sich in das Computernetz der Demokratischen Partei (DNC), um Emails zu lesen oder Dateien über Donald Trump zu stehlen. Darin ist sicherlich einiges Interessantes verborgen, Trump ist der Präsidentschaftskandidat für die gegnerische Republikanische Partei.

Entdeckt wurden die Hacker laut Informationen der „Washington Post“ bereits im vergangenen April beim jährlichen Computercheck. Die DNC heuerte die Sicherheitsfirma Crowdstrike an. „Die Sicherheit unseres System ist kritisch für unser Tagesgeschäft und das Vertrauen der Wahlkampfkampagne und der Landesparteien“, sagte Debbie Wassermann, Vorsitzende der DNC.

Die US-Firma beobachtete eine Zeit lang die Eindringlinge, um mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Danach wird Fancy Bear dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet. Die Gruppe stahl zwei Rechercheordner über Trump. Über die Herkunft von Cozy Bear sind sich die Experten von Crowdstrike nicht ganz so sicher, sie ordnen sie dem russischen Geheimdienst FSB zu.

Beide Hackergruppen schienen laut Crowdstrike unabhängig voneinander zu arbeiten. Cozy Bear drang im Sommer 2015 in das Netz ein und las heimlich alle Emails oder Chats mit. In den USA sind sie keine Unbekannte, sie knackten 2014 bereits das Email-System des Weißen Hauses und des Außenministeriums. Allerdings bekamen sie damals nur die als nicht geheim eingestuften Emails zu lesen.

Die Gründe für den Einbruch liegen auf der Hand: Klassische Spionage. Russland will wissen, was die neue Präsidentin oder der neue Präsident der USA über das Land denkt. Laut US-Experten ist die russische Spionageaktivität seit der Verhängung von Sanktionen dramatisch gestiegen.

Vor allem Trump ist bislang wenig bekannt, politisch gesehen ist er ein unbeschriebenes Blatt. Der New Yorker kann mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, er würde „sich sehr gut mit ihm verstehen“, sagte Trump im vergangenen Jahr. „Er ist ein sehr lebendiger, talentierter Mann“, erwiderte Putin das Kompliment. Ihm gefällt, dass Trump sich skeptisch über die Nato äußerte und das russische Bombardement in Syrien lobte.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York
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