Tippfehler oder Verschwörung?
Hillary und das „Gefängnisi“

Können Trump-Wähler nicht mal buchstabieren? Oder unterdrücken geheime Medien-Mächte die politische Wahrheit in den USA? Eine Geschichte aus Absurdistan.

San FranciscoUnter einem „Hashtag“ bündeln Nutzer von sozialen Netzwerken Diskussionen zu einem Thema. Eines dieser Schlagworte gehört zu den Hauptwaffen Donald Trumps und seiner Unterstützer: #HillaryForPrison, zu deutsch „Hillary muss ins Gefängnis“.
Doch dann tauchte am Montag Hunderttausendfach dieses #HillaryForPrision auf, man beachte das eingefügte zweite „i“. Ein massenhafter Vertipper, der den Trump-Anhängern nicht aufgefallen ist? Im Kurznachrichtendienst Twitter entlud sich ein Sturm der Schadenfreude auf maximal 140 Zeichen über vermeintlich dumme Trump-Fans. Nein, konterten die vergrätzt. Das sei nur eine Selbsthilfeaktion gewesen.

Nummer zwei nach #HappyHalloween

Das Argument der Anhänger des Tippfehlers: Der kalifornische Dienst habe den ursprünglichen Hashtag unterdrückt, weil er zu populär geworden sei. Laut Branchen-Webseite Cnet war #HillaryForPrison (richtig geschrieben) zeitweilig bis auf die Nummer zwei nach #HappyHalloween vorgestoßen. Doch dann war er wieder verschwunden. Fazit der Trump-Unterstützer: Betrug, Zensur durch Twitter! Die Variante #HillaryForPrision sei deswegen danach geboren worden.
Das Ganze begann scheinbar mit einem der typischen Provokations-Tweets, die Donald Trump in die Welt setzt, um dann irgendwann zu behaupten, das habe es nie gesagt. „Wow, Twitter, Google und Facebook vergraben die strafrechtlichen Ermittlungen des FBI gegen Clinton. Was für verlogene Medien!“, twitterte der republikanische Kandidat am Sonntag.

Die Medien und das Internet sind schon lange Trumps Intimfeinde. Zuvor war er bereits mit Facebook über eine angebliche Falsch-Gewichtung seiner Themen und genereller konservativer Themen in den Trends aneinandergeraten, was Facebook strikt zurückweist. Zudem gab es am Montag noch gar keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen Clinton.

Doch die Verschwörung ist in der Welt, die Unterstützer sprangen sofort auf. Verschwörungstheorien haben in den USA Hochkonjunktur. Von den Illuminati, Aliens in geheimen Wüsten-Bunkern, bis zur Mafia (wahlweise CIA), die John F. Kennedy ermordet habe – alles findet Anhänger. So wie die Weltverschwörung gegen Trump, die sich seiner Meinung nach am 8. November in einer Wahlmanipulation gigantischen Ausmaßes manifestieren wird. Befeuert von Medien und sozialen Netzen.

Genau darum behält es sich Trump vor, klar zu sagen, ob er die Wahlergebnisse anerkennen wird. Die Parabel von den zutiefst unehrenhaften sozialen Netzwerken und Medien, die ihn schneiden, wo es geht, verbreitet er pausenlos auf seinen Wahlkampfveranstaltungen.
Twitter äußerte sich abstrakt zu dem Vorgang. „Wenn es rund um die Welt Wahlen gibt“, so ein Sprecher zur Huffington Post, „sehen wir immer einen Anstieg der Verschwörungstheorien über Manipulationen der politischen Trends.“

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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