Trump trifft Obama
Der Feind in meinem Haus

US-Präsident Barack Obama empfängt seinen Nachfolger Donald Trump im Weißen Haus. Die beiden zeigen sich staatsmännisch-versöhnlich – doch draußen vor der Tür sind die Menschen entsetzt. Ein Ortsbesuch.
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WashingtonMarissa hielt es nicht mehr aus. Als die 39-Jährige aus Virginia hörte, dass Donald Trump heute Mittag Präsident Barack Obama im Weißen Haus treffen werde, nahm sie Mittagspause und machte sich auf ins benachbarte Washington. Dort steht sie nun, an der Nordseite des Präsidenten-Amtssitzes, und hält stumm ein Blatt Papier hoch: „Hass hat keinen Platz im Weißen Haus“, hat sie draufgeschrieben. „Wir sind besser als das, was Trump verkörpert“, sagt Marissa.

Neben ihr haben sich Hunderte an diesem strahlend sonnigen Donnerstag auf der Pennsylvania Avenue eingefunden – Trump-Gegner, Trump-Fans, Schaulustige. Es ist ein historischer Termin: Obama hat Trump, den künftigen Präsidenten, ins Oval Office eingeladen, um Details zur Amtsübergabe zu besprechen.

Drinnen im Weißen Haus geben sich Obama und Trump die Hand. Der amtierende Präsident beschreibt das Treffen als „exzellent“ und „weitreichend“. Man wolle eng bei der Übergabe zusammenarbeiten. Trump sagt, es sei eine „große Ehre“ gewesen, Obama zu treffen. Der Präsident sei „ein guter Mann“ und er freue sich darauf, von dessen Rat zu profitieren.

Bis vor 48 Stunden hatten die beiden noch ganz anders geklungen. Die beiden Männer verbindet eine lange und tiefe Feindschaft. Trump hatte Obama im Wahlkampf heftig kritisiert, der Präsident sei schwach, unfähig, gefährlich und Teil einer korrupten Elite, die das Land ausbeute. Jahrelang hatte er dem ersten schwarzen Präsidenten unterstellt, er sei nicht in den USA geboren und folglich zu Unrecht im Amt. Obama wiederum hatte bei vielen Gelegenheiten Trump die Eignung und den Charakter für das Präsidentenamt abgesprochen.

Nun soll der schrille, verletzende und brutale Wahlkampf schnell vergessen sein. Und das Projekt Versöhnung beginnt heute, hier im Weißen Haus. Statt der geplanten Viertelstunde dauert das Gespräch der beiden gut 90 Minuten – ein gutes Zeichen, wie Obamas Leute hinterher streuen. Trump sagt, man habe über wundervolle und über schwierige Dinge gesprochen. Details gibt es nicht.

Draußen vor dem Weißen Haus können es viele nicht fassen. „Wir sind ein tief gespaltenes Land“, sagt Mobashara, 27. Die junge Muslimin macht sich Sorgen, dass der von Vorurteilen geprägte Trump-Wahlkampf in offenen Hass gegen Anhänger des Islam umschlagen könnte. Gemeinsam mit ihrer Freundin Kristina, 24, hält Mobashara ein Transparent: „Not My President“, steht darauf, und „Fuck Trump“. Der Republikaner habe im Land Rassismus und Fremdenfeindlichkeit salonfähig gemacht, sagt Kristina. „Es ist schrecklich, aber wir sind selbst schuld, dass wir ihn gewählt haben“.

Doch auch Trump-Unterstützer sind heute zum Weißen Haus gekommen. „Ich habe ihn gewählt, weil ich den Wechsel will“, sagt Cletus aus Missouri. „Trump wird aufräumen mit dem kaputten Politikbetrieb“. Neben Cletus steht Theresa, die sich „TC aus DC“ nennt und eine große amerikanische und eine israelische Flagge hochhält. Sie freut sich über Trumps Sieg, weil „Gott ihn geschickt hat“.

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  • Kompliment an Friedensnobelpreisträger Obama.

    Jetzt da er gehen muss versucht er seine Mittäter und Zeugen der Al Nusra zu eliminieren. Anscheinend sollte das Pentagon mit Hilfe von Drohnen die gemäßigten Rebellen die er ein Jahr davor bewaffnen und ausbilden ließ liquidieren.

    So wird jedem "Partner" der USA ergehen.

  • Tja, die Menschen in den USA sind entsetzt.

    Zurecht, denn jetzt wird die Zeit der Dunkelheit in den vielleicht doch nicht so Vereinigten Staaten von Amerika einsetzen.

    Senat, Congress und bald alle höchsten Bundesrichter in den Händen der Republikaner.

    Damit können Diese durchmarschieren und bestimmen was sie wollen.

    Die paar Demonstranten interessiert dann Niemanden mehr ...

  • @Gregor Kadinsky
    Sie haben mit ihrer Blindheit noch gar nicht erkönnen wieviel Patriotismus in Trump steckt. Dieser Trump Clan ist durch alle Höhen und Tiefen des Amerikansichen Traum gegangen. Der weis ganz genau, dass nur ein wirtschafltich starkes Amerika mit mehr an Industriearbeitsplätzen und anderen Arbeitsplätzen und einer billigen Energieversorgung ein sicheres Amerika sein kann. Trump ist ein Patriot und will für sich und seine Nachkommen ein freies und sicheres Amerika. Er weis nämlich ganz genau...was hilft dir all dein Geld, wenn Du jeden Tag mit dem Tod rechnen musst. Er hat nicht nur sein jetztiges Land vor Augen sondern auch die gewalttätigen und wirtschaftlich schwachen Länder von Mittel- und Südamerika.
    Nur ein echter Patriot erkannt, was Gut und was Schlecht für sein Volk ist. Und Trump weis das ganz genau!

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