Trump und Mexiko 
Auf Kosten anderer

Donald Trump schwingt sich zum Anwalt der US-Arbeiter auf. Das gelingt, weil produzierendes Gewerbe ins Ausland verlagert wird. Doch der Republikaner hinterlässt dabei verbrannten Boden – nicht nur bei den Unternehmen.

BerlinDrei Dollar gegen 20 Dollar pro Stunde, mexikanische Arbeiter gegen amerikanische und ein US-Präsidentschaftsanwärter, der noch Öl ins Feuer gießt: Das US-Unternehmen Carrier will sein Werk in Indiana schließen. Die zu hohen Produktionskosten gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Produzenten für Klimaanlagen, so die Begründung. Doch die Fabrik wird nicht nur geschlossen. Sie soll nach Mexiko verlagert werden – und mit ihr 1.400 Jobs.

Die Reaktion des republikanischen Spitzenkandidaten Donald Trump auf diese Ankündigung ließ nicht lange auf sich warten. Er sicherte den Arbeitern seine Unterstützung zu, forderte das Management unverhohlen auf „Baut in den USA“ und schob direkt eine Drohung vorweg: Er als Präsident würde die in den Mexiko produzierten Artikel von Carrier auch höher besteuern, sollte das Unternehmen nicht einlenken.

Ähnliche Aussagen hatte der Immobilienmogul auch über die Pläne von Ford und Mondelēz International gesagt. Auch diese Unternehmen kündigten an, neue Fabriken in Mexiko zu eröffnen.

Donald Trumps hartes Auftreten kommt bei den Arbeitern an. Er gewann die Vorwahlen in den Bundesstaaten Michigan und Illinois, die im so genannten „Rust Belt“, dem ehemaligen Industrieherz Amerikas liegen. In den vergangenen Jahrzehnten verloren viele Arbeiter dort ihre relativ gut bezahlten Jobs.

Ein zentraler Aspekt von Trumps Wahlkampfkampagne ist seine Ablehnung internationaler Handelsabkommen, die die Zölle auf im Ausland produzierte Güter beschränken oder abschaffen. Diese Haltung fällt bei Gering- und Normalverdienern auf fruchtbaren Boden, die in den vergangenen Jahrzehnten Jobs des produzierenden Gewerbes in andere Länder verschwinden sehen.

Trump bezog sich in der Debatte auf ein Video der Carrier-Mitarbeiter, das mittlerweile mehr als 3,7 Millionen Mal auf Youtube angeklickt wurde, und macht sich zum Anwalt der Arbeiter. „Wenn sie die Leute gesehen haben – es gibt ein Video von der Ankündigung von Carrier, nach Mexico zu gehen – die entlassen werden: Sie weinten. Das ist alles sehr traurig.“

Thea Lee, stellvertretende Chefin des AFL-CIO, dem größten Gewerkschafsverbandes in den USA, spricht nicht umsonst von einem „hohen Frustrationsgrad“ bei weiteren Jobverlagerungen nach Mexiko. Früher wäre das nur ein Thema bei den Demokraten gewesen. Seit Trump aber auch dieses heiße Eisen angefasst hätte, würden sich nun auch die Republikaner darum kümmern, sagt Lee.

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Die Mexikaner müssen bluten

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