Trump-Wahlkampf gleicht der AfD
Alles nicht so gemeint

Donald Trump steht immer stärker in der Kritik – vor allem wegen seiner ständigen verbalen Angriffe. Der US-Präsidentschaftskandidat verwendet in seiner Rhetorik ähnliche Methoden wie in Deutschland die AfD.

San FranciscoDie Aussage des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump war deutlich: Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ verehre den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama, so Trump. Mit erregter Stimme setzt er sogar noch einen drauf: „Obama ist der Gründer von ISIS. Er ist der Gründer von ISIS. Er ist der Gründer. Er hat ISIS gegründet“, brüllt er am Mittwoch bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. „Und ich würde sagen, die Mitgründerin ist die betrügerische Hillary Clinton.“

Die öffentliche Empörung ließ nicht lange auf sich warten. Wenig später ruderte Trump zurück und schob am Freitag alles auf die Medien. War doch gar nicht so gemeint. „Verstehen die keinen Sarkasmus?“, spottet er via Twitter über den Nachrichtensender CNN, der unter anderem über seine Anschuldigungen berichtet hatte.

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump einen Kommentar macht, der in der Öffentlichkeit empörte Reaktionen auslöst und er ihn im Nachhinein versucht abzuschwächen, indem er den Medien vorwirft, ihn absichtlich falsch interpretiert zu haben. Am Dienstag hatte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung einen Kommentar gemacht, der von Kritikern als Aufruf zur Gewalt gegen seine Rivalin Hillary Clinton interpretiert wurde. Trump behauptete, Clinton wolle das Recht auf Waffenbesitz, das im zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung (Second Amendment) geregelt ist, abschaffen. „Wenn sie die Richter auswählen kann, gibt es nichts was ihr machen könnt, Leute. Obwohl, die Unterstützer des Zweiten Verfassungszusatzes – vielleicht gibt es da doch etwas, ich weiß nicht.“

Kurz darauf veröffentlicht das Wahlkampfteam von Trump eine „Stellungnahme bezüglich der unehrlichen Medien“. Die Botschaft: Trump wurde missverstanden, er habe lediglich gemeint, dass die Unterstützer des zweiten Zusatzartikels gegen Clinton und für Trump stimmen werden. „Man nennt das die Macht der Einheit – die Unterstützer des zweiten Zusatzartikels haben eine großartige Tatkraft, die ihnen große politische Macht verleiht. Und in diesem Jahr werden sie in Rekordzahlen wählen gehen – und zwar nicht für Hillary Clinton sondern für Donald Trump“.

Die Methode ähnelt der, die die rechtspopulistische Partei AfD in Deutschland anwendet. Immer wieder provozieren Mitglieder der Partei mit radikalen Äußerungen. Wenn sie für diese dann öffentlich scharf kritisiert werden, beschuldigen sie „die Medien“ der falschen Interpretation.

Zuletzt sorgte AfD-Parteivize Alexander Gauland im Mai mit einem Kommentar für deutschlandweite Empörung. Er hatte im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über Jérôme Baoteng, einen farbigen Spieler in der deutschen Fußballnationalmannschaft, gesagt: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“. Als eine Welle der Solidarität losbrach, in der sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Empörung durch einen Sprecher äußerte, wollte Gauland den rassistischen Kommentar nicht mehr gesagt haben und warf der „FAZ“ falsche Berichterstattung vor. Noch am selben Tag, an dem die Zeitung die Meldung veröffentlichte, schrieb Gauland in einer Stellungnahe, er habe in dem Gespräch die „Einstellung mancher Menschen beschrieben“, sich aber „an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert.“ Er habe auch gar nicht gewusst, dass Boateng schwarz ist.

Ähnlich auch der Fall von Beatrix von Storch. Im sozialen Netzwerk Facebook hatte ein Nutzer die stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD gefragt, ob sie Frauen und Kinder mit Waffengewalt vom Grenzübertritt abhalten würde. Ihre Antwort: „Ja“. Wenig später ruderte sie zurück, alles nicht so gemeint, sie sei auf der Computermaus abgerutscht.

Derzeit kämpft Trump mit sinkenden Umfragewerten. Laut der „New York Times“, die alle aktuelle Umfragen zur US-Wahl zusammenfasst und einen Durchschnittwert bildet, hat Hillary Clinton seit Mitte Juli in der Wählergunst gewonnen, während ihr Rivale Donald Trump an Zustimmung verloren hat. Demnach liegt Clinton derzeit bei 46 Prozent der Stimmen, Trump 39 Prozent. Die US-Amerikaner stimmen am 8. November über den Nachfolger von US-Präsident Barack Obama ab.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
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