Trumps Weltsicht
Die Finten des Nichtswissers

Trump ist ein Linker, behaupten die Rechten. Ein Rechter, sagen die Linken. Der US-Präsidentschaftskandidat scheint alle zu verwirren. Sein Weltbild speist sich aus vergessenen Strömungen der amerikanischen Politik.

WashingtonDonald Trump ist ein Kraut-und-Rüben-Kandidat. Es ist leichter, mit bloßen Händen und verbundenen Augen einen Feldhasen zu fangen, als ihn auf ein politisches Programm festzulegen.

Mal will der amerikanische Präsidentschaftsbewerber die Spitzensteuersätze senken, mal erhöhen. Erst ist er der Überzeugung, dass die Löhne in Amerika zu hoch seien, dann schlägt er einen Haken und macht sich für einen höheren Mindestlohn stark.

Den Islamischen Staat verspricht Trump, in Grund und Boden zu bombardieren. Gleichzeitig jedoch verkündet er, dass Amerika dann am stärksten ist, wenn es sich auf die Verteidigung seiner Küsten beschränkt.
Neuerdings versucht Trump, die Demokratin Hillary Clinton von links zu attackieren. Der Republikaner, der sich mit Brachialrhetorik den Beinamen „Mussolini von Manhattan“ erworben hat, klingt plötzlich wie ein Klon von Bernie Sanders. Clinton werde „von der Wall Street vollkommen kontrolliert“, behauptet er.

Seine verdutzten Parteifreunde erinnert Trump daran, dass sie der „republikanischen Partei“ angehören, nicht der „konservativen Partei“.
Das amorphe Weltbild des Populisten kennt nur eine feste Größe: Trump selbst. Trump ist ein Egozentriker und zwar im Wortsinn. „Niemand ist wie ich“, sagt er. „Niemand.“ Tatsächlich lässt sich Trump nicht in das Raster zwängen, das heute zur ideologischen Verortung von Politikern herangezogen wird. Bemühungen seiner konservativen Kritiker, ihn als Linken abzustempeln, sind ebenso aussichtslos, wie die Versuche der Linken, ihn zum Neofaschisten zu deklarieren.

Doch so einzigartig, wie er meint, ist Trump nicht. Seine Anziehung auf Teile der amerikanischen Wählerschaft ist auch deshalb so stark, weil er auf Strömungen zurückgreift, die in der Geschichte der USA eine wichtige Rolle gespielt haben. Amerika betrachtet sich gern als Ideal, als Einwanderernation, die von einem Glauben an universelle Werte zusammengehalten wird – im Unterschied zur Blut-und-Boden-Ideologie der Europäer. Doch auch in Amerika gab es schon immer jene, die von ethnischer Reinheit und Abschottung träumten.

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Die „Know-Nothings" des 19. Jahrhunderts

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