TV-Duell vor US-Wahl
„Das werden wir sehen, wenn es soweit ist“

Eklat bei der Debatte: Donald Trump weigert sich, zu versprechen, er werde die Wahlergebnisse anerkennen. Hat er damit selber die letzte Chance auf die US-Präsidentschaft vertan? Eine Analyse des TV-Duells.
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San FranciscoWird Donald Trump das Wahlergebnis im November akzeptieren? Es war eine einfache Frage, aber die Antwort war verstörend. „Das werden wir sehen, wenn es soweit ist“, lautete die trotzige Antwort des republikanischen Kandidaten auf die Frage des Moderators. Eisern hält er an seiner Behauptung fest, diese Wahl sei „getürkt“. Schon alleine, weil Hillary Clinton kandidieren dürfe, weil sie „schwerer Verbrechen“ beschuldigt sei.

Der tapfere Moderator Chris Wallace hakte noch einmal nach, wollte Trump eine Brücke bauen, erinnerte ihn, dass Amerika nach jedem Wahlkampf, so heftig dieser auch war, wieder zusammengefunden habe. Aber Trump wich keinen Millimeter: „Die Medien vergiften die Situation.“ Das sei „entsetzlich“, mischte sich Hillary Clinton ein. „So ist das immer, wenn etwas nicht so läuft, wie er will. Dann ist immer alles getürkt.“

Es war irgendwie ganz passend für diesen ohnehin längst aus dem Ruder gelaufenen Wahlkampf, dass sich die beiden Präsidentschaftskandidaten zum entscheidenden Schlagabtausch in der Spielerstadt Las Vegas in der Wüste von Nevada trafen. In der roten Ecke ein mäßig erfolgreicher Casinobetreiber und in der blauen eine angeschlagene Berufspolitikerin mit einem Glaubwürdigkeitsproblem.

Wieder verweigerten die Kontrahenten den Handschlag zu Beginn, was nicht einmal Boxer im Ring in Las Vegas machen, die sich hinterher verprügeln. Und es war ein Menetekel für das, was kommen sollte. Moderator Wallace hatte stellenweise erhebliche Mühe, die Kontrahenten unter Kontrolle zu halten.

Donald Trump griff an, wie jemand, der nichts mehr zu verlieren, sondern nur noch zu gewinnen hat. Er war nach kompromittierenden Tonaufnahmen bereits angezählt in die Veranstaltung gegangen und versuchte nun, einen schnellen K.o. zu erzielen. Er wusste, ein Punktsieg bringt ihn nicht mehr weiter.

Zuerst punktete er auch beim Thema Einwanderung und Grenzschutz. Aber nichts wies darauf hin, dass er sich besser auf die Themen vorbereitet hatte als bei den ersten beiden Debatten. War er einmal im Vorteil, verlor er den Faden, wechselte das Thema oder ließ sich von Clinton die Themen aufzwingen.

Der gelang es, die Putin-Karte zu spielen und Trump in die kommunistische Ecke zu drücken. Schon musste er sich verteidigen, und auf die Bemerkung, Putin habe keinen Respekt vor Clinton, verfing die Antwort „weil er gerne eine Puppe als Präsidenten sehe“. Trump konnte nur noch zurückbrüllen: „Du bist die Puppe, du bist die Puppe.“ Am Ende musste er noch beteuern, dass er nicht hinter angeblichen russischen E-Mail-Hacks gestanden habe.

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  • Ergänzung zu meinem Kommentar von 13:46 Uhr:

    Und, da wir gerade beim Thema „Wehrlose Demokraten“ sind:

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

    Das gilt allerdings nur für den öffentlich-rechtlichen Bereich, genauer: alle die Gesellschaft als Ganzes bzw. das Allgemeinwohl betreffenden - also politischen - Angelegenheiten.

    NICHT fürs Privatleben. Da ist Vertrauen besser.

    Und bei dieser Prämisse zu bleiben:

    Die Bürger wollen nicht „vertrauen“, sondern SELBST entscheiden dürfen. Über alles.
    Das setzt voraus, dass wirklich jeder einzelne Bürger nicht länger nur das Recht hat, die Entscheidungsbefugnis in Fragen die auch ihn angehen an irgendeinen "Berufspolitiker" zu "delegieren“, sondern selbst zu entscheiden (und natürlich auch zu verantworten, d.h., seine Entscheidung gegebenenfalls den sich ändernden Realitäten anzupassen).

    Ein solches „Demokratierettungsprojekt“ ist zwar (nicht nur) technisch hochkomplex, aber durch Nutzung der neuen digitalen Technologien wäre es heute umsetzbar. Wenn man will.

    Man - d.h. eine "kritische Masse" der Weltbevölkerung müsste sich nur endlich dazu durchringen, endlich mit dem Aufbau der dafür nötigen Strukturen – auf Basis universeller Prämissen, z.B. der Menschenrechte - anzufangen.


    Zur Antwort des italienischen Wirtschaftsministers Padoan im Interview auf S. 15 heute im HB auf die Frage „Woher kommt die Unsicherheit“ („Es gibt ein Defizit an Vertrauen. Es geht nicht nur um das fehlende Vertrauen zwischen den Regierungen, sondern auch um das Vertrauen, das die Bürger offensichtlich nicht mehr in die Politiker und in die europäischen Institutionen haben.“) hätte ich noch folgendes zu sagen:

    Verzeihung, aber das (das Defizit an Vertrauen in Politiker und EU-Institutionen) ist doch wohl kein Wunder, oder???!

  • @Herr Bernhard Ramseyer20.10.2016, 17:59 Uhr

    "Frau Bollmohr,(...) in Ihren Kommentaren kommt immer mal ohne Zusammenhang mal ein "Führer" vor. Warum weiß ich nicht."

    Das kann - übrigens nicht nur ich - Ihnen erklären:

    Heute steht nämlich im HB auf S. 22 (Artikel "Wehrlose Demokraten") folgendes, mit dem der Autor gleichzeitig die Antwort auf Ihre Frage nach dem "Warum" treffend auf den Punkt gebracht hat:

    "Der freiheitlichen Idee ist ein ernsthafter Konkurrent erwachsen: die Idee des Autoritären."

    Mir macht das durchaus große Sorgen.

  • @Frau Annette Bollmohr, 17:45 Uhr

    Frau Bollmohr, lesen Sie Ihren Kommentar, lesen Sie meinen Kommentar.
    Überlegen Sie dabei und denken Sie auch an frühere Kommentare von Ihnen.

    Wenn Ihnen nichts dazu einfällt, dann will ich Ihnen etwas behilflich sein, in Ihren Kommentaren kommt immer mal ohne Zusammenhang mal ein "Führer" vor. Warum weiß ich nicht.


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