Umstrittener Geschäftsmann
Trumps Erbe in Atlantic City

„Wir stehen vor dem Nichts“

Mit den vielen Gästen kam eine Zeit lang auch viel Geld in die Stadt. Das Glücksspiel war das Alleinstellungsmerkmal von Atlantic City. Viele New Yorker, die mal richtig einen drauf machen wollten, fuhren einfach mal in die Stadt zwei Stunden südlich des Big Apple. Doch als auch benachbarte Bundesstaaten, etwa Pennsylvania, das Glücksspielgeschäft für sich entdeckten, entstand erstmals ernste Konkurrenz. Weil die Wirtschaft von Atlantic City fast ausschließlich auf dem Geschäft mit dem Glücksspiel basiert, geriet die Stadt Anfang der 2000er-Jahre in finanzielle Probleme.

Die Holdinggesellschaften, über die Trump seine Geschäfte vor Ort führte, wurden dreimal zahlungsunfähig, konnten sich aber jedes Mal refinanzieren. Mitte der Neunziger Jahre musste Trump Anteile verkaufen, um die Insolvenz abzuwenden. Die Krise von 2008 machte alles nur noch schlimmer, wirkte wie ein Katalysator eines schon vorher bestehenden Problems. Weil seit Beginn der Schwierigkeiten nicht mehr investiert wurde, verloren die Kasinos schließlich an Wettbewerbsfähigkeit. Die Zimmer waren nicht mehr zeitgemäß, die Automaten veraltet, die Kosten übertrafen die Einnahmen.

Zwar weigert Trump sich noch immer, seine Einkommenssteuer offen zu legen. Doch legen Dokumente, die der New York Times vorliegen, nahe, dass Trump aus seinen Geschäften in Atlantic City Verluste in Höhe von 916 Millionen US-Dollar anmeldete. Über einen sogenannten Verlustvortrag hätte er so Millionen von Dollar jährlich sparen können.

„Er hat damals den zukünftigen Wert für die kommenden 18 Jahre aus dem Unternehmen gesaugt“, sagt Historiker Fox. „Durch diesen Verlustvortrag hat er vermutlich seit zwanzig Jahren keine Einkommenssteuer mehr gezahlt.“ Für Trump ist gerade das Beleg für seinen Unternehmersinn: er habe die Gesetze eben geschickt ausgenutzt. Der Super-Unternehmer also, der sich am liebsten als Guru des Geldverdienens inszenierte, hat in Atlantic City fast eine Milliarde Dollar in den Sand der Atlantikküste gesetzt.

Insgesamt durchlief die „Trump Entertainment Resorts“-Gruppe vier Mal das Insolvenzverfahren. 1991, 2004, 2009 und letztmalig 2014. Für die beiden älteren Kasinos, Trump Plaza und Trump Marina, bedeutete dies das Aus.

Das Taj Mahal, das 2007 noch aufwändig renoviert worden war, kaufte der Investor Carl Icahn 2014 aus der Insolvenzmasse, in der Hoffnung, ein Schnäppchen machen zu können. Trump hatte bereits zuvor große Teile der Gesellschaft an Investoren verkauft – für einen Bruchteil ihres alten Werts. Damit endete die unrühmliche Ära Trump in Atlantic City. Er zog sich aus der Stadt zurück, den prestigeträchtigen Namen führte das Taj gegen eine Lizenzgebühr weiter.

Für die gut 3000 Beschäftigten bedeutete die Insolvenz harte Einschnitte bei Rente und Sozialversicherung. In der Folge kam es aus Ärger über diese Einschnitte mehrfach zu tagelangen gewerkschaftsgestützten Streiks von Zimmermädchen, Küchenpersonal und Reinigungskräften. Croupiers und Sicherheitsdienst beteiligten sich nicht daran, sodass der Kasinobetrieb noch eine Zeit lang aufrechterhalten werden konnte. Investor Icahn reagierte rigoros und verkündete im August 2016 schließlich das Ende für das Taj Mahal, das auch unter seiner Führung nicht profitabel wurde. Er habe in den vergangenen Monaten fast 100 Millionen Dollar durch das Trump Taj Mahal verloren, sagte Icahn. Am 10. Oktober war endgültig Schluss.

Historiker Fox sieht die Verantwortung für das Scheitern beim Präsidentschaftskandidaten Trump. „Er hat viel Geld an der Stadt und den Kasinos verdient, vor allem durch die Insolvenzen, mit denen er sich mehrfach refinanziert und Schulden abgewälzt hat. Die Konsequenzen tragen die Angestellten und die Stadt, die faktisch Pleite ist.“ Atlantic City hat heute eine der höchsten Arbeitslosenquoten der USA. Jede Woche werden Dutzende Häuser zwangsversteigert, weil die Besitzer die Hypotheken nicht mehr bedienen können. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen pro Einwohner ist nirgendwo höher als hier, liegt fast vier Mal höher als im nationalen Durchschnitt.

Auch Marvin Garner droht nun, sein Haus zu verlieren, er kann die Hypothek nicht mehr bedienen. Weil die Immobilienpreise in Atlantic City so drastisch gefallen sind, wäre auch ein Verkauf sehr schmerzhaft. Wie es jetzt weiter gehen kann, weiß er nicht. „Ich habe hier jahrelang hart gearbeitet, an Wochenenden, nachts, habe alle Einschnitte akzeptiert. Jetzt stehen wir vor dem Nichts.“ Mit der Pleite des Taj verlor Garner auch seine Pensionsansprüche, die zusammen mit dem Haus die Altersvorsorge sein sollten.

Das Taj Mahal war das fünfte Kasino in Atlantic City, das binnen zwei Jahren seine Türen schloss. Etwa 13.000 Menschen verloren in diesem Zeitraum ihre Jobs. Donald Trump ist nicht exklusiv für die Misere an der Ostküste New Jerseys verantwortlich, sein fulminantes Scheitern hat aber einen bedeutenden Anteil daran. Dass Trump sich nun für seine unternehmerischen Erfolge rühmt, er Wahlkampf mit seinem Versprechen macht, Jobs zu erschaffen, wirkt hier nur zynisch.

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