US-Politik historisch
Derbe Rhetorik gab es auch schon vor Trump

„Bastardbengel“ und „Huren zum Abzapfen“ – diese Worte stammen nicht von Donald Trump, sondern von den Gründervätern der USA. Das zeigt: Auch schon vor dem diesjährigen US-Wahlkampf wurde manchmal heftig ausgeteilt.

WashingtonSexuell gefärbte Zweideutigkeiten, Schmähungen, Schadenfreude: Die jüngsten Entgleisungen im US-Wahlkampf sind ein Tiefpunkt der politischen Kultur der Vereinigten Staaten. Könnte man meinen. Doch der Blick auf die US-Geschichte der politischen Auseinandersetzung belehrt eines Besseren. Schon die Gründerväter waren für derbe Sprüche bekannt. Und das nicht zu knapp.

Im 18. Jahrhundert nannte John Adams, der zweite Präsident der USA, seinen Gründervaterkollegen Alexander Hamilton einen „Bastardbengel.“ Dieser habe „einen Überfluss an Sekreten, für die er nie genug Huren zum Abzapfen finden“ könne, schrieb Adams laut dem Historiker Ron Chernow. Einen Unterschied zwischen damals und heute gibt es aber doch: „Das waren Worte, die im Privaten geschrieben oder gesprochen wurden, nicht in der Öffentlichkeit“, sagt der Wissenschaftler. Die ordinären Äußerungen wurden immerhin in Briefen überliefert, die die Jahrhunderte überdauerten.

Wenig zimperlich gingen seine Gegner auch mit dem Demokraten Grover Cleveland um, der von 1885 bis 1889 und noch mal zwischen 1893 und 1897 im Weißen regierte. Als um die 1880er Jahre Gerüchte über dessen uneheliches Kind die Runde machten, wurden die Republikaner kreativ: „Mama, Mama, wo ist Papa?“, lautete ein Spottlied-Titel aus ihrer Feder. Als Cleveland dann Präsident wurde, kam die Antwort hinzu: „Ins Weiße Haus gegangen, ha ha ha!“

Die amerikanische Politik früherer Zeiten sei voll solch gemeiner Einlassungen gewesen, weiß Arnold Shober von der Lawrence University in Appleton im Staat Wisconsin. „Das haben wir in den vergangenen 70 Jahren irgendwie verloren, und ich denke, es kommt gerade wieder zurück.“

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