US-Präsidentschaftskandidat: Sanders will die Finanzwelt umkrempeln

US-Präsidentschaftskandidat
Sanders will die Finanzwelt umkrempeln

In einer Grundsatzrede schlägt Bernie Sanders radikale Maßnahmen vor: Der demokratische Präsidentschaftskandidat will Finanzinstitute aufbrechen, die zu groß und gefährlich für das Finanzsystem geworden sind.

New YorkMitten in Manhattan, nur eine kurze Taxifahrt von Wall Street entfernt, redete sich Bernie Sanders am Dienstag in Hochform. Thema war die Wall Street: „Betrug ist dort das Geschäftsmodell“, rief der demokratische Präsidentschaftskandidat in die Menge, die sich in der historischen Town Hall versammelte. Tosender Beifall. Dann listete er die Vergehen der Finanzinstitute in der Finanzkrise auf, jedes Mal begleitet von Buh-Rufen der Anwesenden.

Wenn er Präsident werden sollte, sagte Sanders, dann werde sich das grundsätzlich ändern: „Kein Banker kann mehr dem Gefängnis entweichen, wenn er sich etwas zu Schulde hat kommen lassen.“ Sein Finanzminister und andere Experten „werden nicht von Goldman Sachs“ kommen, sagte Sanders. In der Town Hall brachen seine Fans in „Bernie, Bernie“- Rufe aus.

Der linksgerichtete Sanders wehrte sich in der Rede gegen Vorwürfe von Konkurrentin Hillary Clinton, seine Politikvorstellungen wären nicht umfassend genug und würden nicht helfen, das „Schatten-Bankenwesen“ von Hedgefonds oder anderen wenig regulierten Finanzakteuren nachhaltig zu beschneiden.

Sanders will Banken zerschlagen

Sanders will unter anderen das Glass-Steagall-Gesetz wieder einführen, das Banken in das Investment- und Kreditgeschäft aufteilt. Eine seiner ersten Amtshandlungen würde es sein, eine Liste von „Too-Big-To-Fail“-Geldinstituten wie Banken oder Versicherungen zu erstellen – und sie innerhalb eines Jahres aufzubrechen. „Wall Street und die Gier der Unternehmen zerstören die Grundlage unseres Landes“, sagte Sanders.

Der Kandidat will zudem eine Spekulationssteuer einführen und verhindern, dass Banker in Aufsichts- oder Beratungsgremien wie der Notenbank sitzen. So sei es nicht zu verstehen, warum James Dimon in der Finanzkrise über den Bail-Out seiner Bank mitentscheiden konnte. „Der Fuchs sollte nicht den Hühnerstall bewachen“, rief Sanders.

Weiterer Programmpunkt: Zinsen von bis zu 20 Prozent, die Banken oder Kreditkartengesellschaften für Überziehungen verlangen würden. „Schon bei Dante seien Wucherer in der Hölle gelandet“, sagte Sanders zum allgemeinen Gelächter des Publikums.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York
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