US-Präsidentschaftswahl
Die Stunde der Waffennarren

Die Republikaner entscheiden am Super Tuesday in elf Bundesstaaten über ihre Kandidaten. In vielen der Staaten zählt vor allem eines: Waffen. Und Trump sackt laut ersten Ergebnissen bereits Erfolge ein.

San FranciscoEs wird ein wichtiger, wenn nicht gar der alles entscheidender Tag im US-Vorwahlkampf. Wenn am heutigen Dienstag die Wahllokale am Abend schließen, sind in elf Bundesstaaten die Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur gekrönt. Treffen die aktuellen Vorhersagen ein, wird sich auf beiden Seiten des politischen Spektrums das Kandidatenfeld deutlich lichten.

Bei den Demokraten wird es wohl auf Hillary Clinton hinauslaufen, die nach den Umfragen mehrere erdrutschartige Siege einfahren würde, darunter in Alabama. Ihre traditionell starke Position in der farbigen Wählerschaft – sie und ihr damals noch Freund Bill Clinton waren stark in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung im Süden aktiv – verschafft ihr zusätzliche Punkte gegenüber Bernie Sanders. Der ist zwar bei jungen Wählern extrem beliebt, hat aber eine überwiegend weiße Basis.

Dennoch wird nicht mit einer Aufgabe Sanders am Dienstagabend gerechnet. Vor allem nicht, wenn er einen Überraschungssieg in Oklahoma einfahren kann, wo letzte Umfragen einen dramatischen Stimmungswandel hin zu dem Senator aus Vermont ausmachen wollen.

Bei den Republikanern steuert alles auf den großen Tag des Donald Trump zu, dem erstmals auch Siege mit über 50 Prozent der Stimmen zugetraut werden. Doch der wichtigste Bundesstaat des Wahlmarathons ist noch nicht in seiner Hand: Texas. Dort werden alleine 155 Delegierte für den Superparteitag im Sommer vergeben, bei denen ein Kandidat 1237 Stimmen bekommen muss, um für das Weiße Haus zu kandidieren.

Während vor ein paar Monaten die Umfragen Ted Cruz in seinem Heimatstaat Texas, wo er Senator ist, noch als einsamen Favoriten gesehen haben, wäre jetzt ein Patt mit Trump denkbar. Vielleicht könnte Cruz sogar den Kürzeren ziehen. Das wäre die ultimative Niederlage und könnte sogar das Aus bedeuten, wenn sich die Sponsoren abwenden.

Für alle Kandidaten heißt es jetzt also zu zeigen, wer der konservativste aller Konservativen ist. Und ein Thema, neben Abtreibungsgegnerschaft, ist da immer gut: Waffen.

Alabama, Arkansas, Georgia, Texas, Tennessee, Oklahoma und Virginia sind die Staaten der Cowboyhüte, des Whiskeys, der Baumwolle, mit viel weitem Land, großen Farmen, Öl und Waffen. Der amerikanische Wahlkampftross zieht immer weiter in den Süden und mit der Richtung wandeln sich die Themen. Donald Trump, mit einem feinen Gespür für Stimmungen an der Basis, weiß das auch.

Trump konnte unter dem brausenden Applaus seiner Anhänger in Nevada bei seiner Siegesrede gar nicht genug betonen, wie sehr er und seine Söhne auf der Seite der Waffenlobby stehen: „Wir lieben den zweiten Anhang der Verfassung“, sagte er. Er garantiert nach Meinung der Waffenlobby den uneingeschränkten Zugang zu Feuerwaffen für alle Bürger der USA.

Jede noch so kleine geplante Einschränkung wird mit Macht bekämpft. So ist es heute normal, dass Menschen auf der Terrorliste stehen und nicht mehr in Flugzeuge einsteigen dürfen, aber sich gleichzeitig im nächsten Waffenladen ein Schnellfeuergewehr legal zulegen können.

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