US-Vorwahlen in Indiana
Endspurt für Trump

In Indiana zählt es für die US-Republikaner: Gewinnt Donald Trump den Staat im Mittleren Westen, ist seine Präsidentschaftskandidatur praktisch nicht mehr zu stoppen. Ted Cruz braucht jede Stimme.

IndianapolisWenn Ted Cruz auf Wahlkampftour ist, dann ist die Bibel nicht weit. Gott, der Allmächtige, ist Stammgast in den Redemanuskripten des Texaners. Vor der vielleicht entscheidenden Vorwahl der US-Republikaner bei der Suche nach einem Präsidentschaftskandidaten in Indiana gingen die Anhänger des erzkonservativen Texaners noch einen Schritt weiter: Sie beteten auf offener Bühne für ihren Mann. Die Not muss groß sein. Die letzte Umfrage sah den Konkurrenten Donald Trump 15 Prozentpunkte in Front.

Tatsächlich steht die beispiellose Kandidatensuche der Republikaner an einem Scheidepunkt. Cruz muss die Wahl in Indiana gewinnen, will er noch eine echte Chance haben, Donald Trump auf seinem Marsch in Richtung Kandidatur aufzuhalten. Gewinnt Trump in Indiana klar, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit jene 1237 Delegierten hinter sich scharen, die auf dem Parteitag in Cleveland im Juli zu einer absoluten und damit unumkehrbaren Mehrheit führen.

Beiden Lagern ist der Ernst der Lage klar. „Die Augen der Nation sind auf Indiana gerichtet“, sagt Carly Fiorina, die Ted Cruz vor wenigen Tagen in einer Art Akt der Verzweiflung als seine Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin auserkoren hatte. „Wir brauchen jede einzelne Stimme“, betont Cruz selbst. Und Donald Trump sagt es auf seine Art: „Wenn wir hier gewinnen, ist es vorbei – dann sind sie weg.“

6,4 Millionen Dollar haben Ted Cruz, seine Spendensammler und die Anti-Trump-Koalition gemeinsam allein in Fernsehwerbung in Indiana gepumpt. Auf den Lokalsendern vergeht kaum eine Viertelstunde, in der nicht der Senator aus dem Fernseher grüßt. Trump kam mit einer Million aus. Für die Menschen in Indiana ist das ungewohnt.

Bei früheren Wahlen war das Rennen längst gelaufen, als ihr Staat an der Reihe war. „Das ist aufregend und furchteinflößend zugleich“, sagt Rob Butzun, ein Familienvater aus Indianapolis.

Die Menschen in Indiana sind genervt, weil viele Industrie-Arbeitsplätze zuletzt nach Mexiko abwanderten. Auch der Klimaanlagenbauer Carrier verlagert sein Werk mit 1500 Leuten nach Mexiko. Allein in den vergangenen drei Monaten gingen 5000 Jobs in der Produktion verloren. Das ist die Proteststimmung, in der Trumps Thesen fruchtbaren Boden finden.

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