US-Wahl 2016
Clinton nimmt Tim Kaine zum Vize

Hillary Clinton hat gewählt: Die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten will Tim Kaine zum Vize machen. Der Politiker könnte wichtige Wählergruppen erschließen – bietet aber auch Trump Kanonenfutter.

WashingtonFür ihren Kampf um die Präsidentschaft hat sich die US-Demokratin Hillary Clinton einen erfahrenen Politik-Profi an die Seite geholt. Clintons stellte am Freitag (Ortszeit) den 58-jährigen Senator Tim Kaine aus Virginia als ihren Kandidaten für die Vizepräsidentschaft vor. Ihre Entscheidung begründete sie mit Kaines langer politischer Erfahrung, seiner Kompetenz in Außen- und Sicherheitsfragen sowie seinem sozialen Engagement.

Kaine habe genügend politische Expertise, um das höchste Staatsamt von einem Tag auf den anderen übernehmen zu können, schrieb Clinton im Internetdienst Twitter. "Er könnte buchstäblich eines Tages aufstehen und Präsident der Vereinigten Staaten werden." Die Übernahme des Präsidentenamts bei Ausfall des Amtsinhabers ist die wichtigste Funktion, welche die US-Verfassung dem Vizepräsidenten zuschreibt.

Clintons Vize-Kandidat hat eine langjährige Karriere in Exekutive und Legislative aufzuweisen. Derzeit vertritt er den Bundesstaat Virginia im Senat. Davor war er Gouverneur des Staats. Eine Zeitlang diente Kaine auch als Vorsitzender der Demokratischen Partei. Im Senat sitzt er derzeit in den Ausschüssen für Äußeres und Verteidigung.

Kaine sei "ein Mann, der sein Leben dem Kampf für andere gewidmet hat", schrieb Clinton. "Er ist ein unerschütterlicher Optimist, der kein Problem für unlösbar hält." Bereits am Samstag will sie gemeinsam mit Kaine auf einer Wahlkampfkundgebung im südlichen Bundesstaat Florida auftreten.

"Ich fühle mich geehrt, an ihrer Seite zu kandidieren", twitterte Kaine. Die frühere Außenministerin soll in der kommenden Woche auf einem Parteitag der Demokraten offiziell zur Präsidentschaftskandidatin ernannt werden. Dann soll auch Kaine offiziell als Vize-Kandidat nominiert werden.

Kaine wird als Konsenskandidat gesehen, in der Demokratischen Partei gilt er als Mann der Mitte. Als Gouverneur von Virginia bemühte er sich um ein wirtschaftsfreundliches Klima in dem Bundesstaat. Zu Kaines Kernanliegen zählen der Kampf gegen Waffengewalt, Obdachlosigkeit und für bessere Bildungschancen. Kaine pflegt einen sachlichen Politikstil, er sagt von sich selbst, er sei "langweilig".

Der Harvard-Jurist spricht fließend Spanisch, als junger Mann hatte er für eine Jesuitenmission in Honduras gearbeitet. Dies könnte ihm beim Werben um Wähler lateinamerikanischer Herkunft hilfreich sein.

Kaine verbindet ein enges politisches Verhältnis mit Präsident Barack Obama, der ihn vor acht Jahren ebenfalls als Vizepräsidenten in Betracht gezogen hatte. Mit Kaines Benennung verzichtete Clinton darauf, einen deutlich linken Kandidaten für die Vizepräsidentschaft auszuwählen. Dies hatten viele Gefolgsleute ihres innerparteilichen Rivalen um die Präsidentschaftskandidatur, Bernie Sanders, erhofft.

Kaines als besonders besonnen empfundener Politikstil setzt sich deutlich von jenem des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ab, gegen den Clinton bei der Wahl im November antreten will.

Der republikanische Parteichef Reince Priebus wertete Kaines Nominierung als aussichtslosen Versuch Clinton, "die gespaltene Parteibasis der Demokraten zu einen, die sich von ihrer Unehrlichkeit und ihrer Korruptheit abgestoßen fühlt". Eine direkte Attacke auf Kaine, der auch überparteilich Ansehen genießt, vermied Priebus aber.

Kaines republikanischer Senatskollege Jeff Flake erklärte, er habe gegen Kaine nichts anzuführen: "Gratulation an einen guten Mann und guten Freund", twitterte der Republikaner.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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