US-Wahl 2016
Warum die Vorhersagen im Wahlkampf trügerisch sind

Immer neue Umfragen sagen den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl im November vorher. Aber an ihrer Zuverlässigkeit gibt es Zweifel. Denn eine Größe haben die Meinungsforscher noch gar nicht auf dem Schirm.

WashingtonWas wäre, wenn die Präsidentschaftswahl schon morgen wäre? Würden die Amerikaner Donald Trump wählen? Oder Hillary Clinton? Die Antwort hängt davon ab, wo man sucht. Welches Ergebnis man auch haben will, es gibt eine Umfrage dafür. „Trump überholt Clinton“, prangt in großen Lettern beim Sender Fox News. Beim Konkurrenten NBC liegt Clinton vorne, bei ABC wieder Trump.

Der tatsächliche Informationsgehalt dieser Umfragen ist gering. Und das hat mit verschiedenen Dingen zu tun.

Noch läuft der Vorwahlkampf, die eigentliche Präsidentschaftswahl ist erst am 8. November. Umfragen zum jetzigen Zeitpunkt sind nicht mehr als eine Momentaufnahme. „Sie sind keine Kristallkugeln, sie sagen nicht die Zukunft voraus, sie geben nur den gegenwärtigen Stand wieder“, sagt der Meinungsforscher Patrick Murray von der Monmouth University.

In den Umfragen spiegele sich auch die ungleiche Ausgangsposition beider Bewerber, meint er. Trump steht als Kandidat seiner Partei so gut wie fest. Das Rennen bei den Demokraten ist dagegen noch gar nicht entschieden, auch wenn Clinton am Ende mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit als dessen Siegerin hervorgehen wird.

„Wenn man sich anschaut, wie es in der Vergangenheit aussah, wenn ein Bewerber sich schon die Kandidatur sichern konnte, und der andere noch darum kämpfte, dann sieht man, dass das der unberechenbarste Zeitpunkt für Umfragen ist“, erklärt der Meinungsforscher.

Als Barack Obama 2008 um die Kandidatur der Demokraten kämpfte, hatte er im direkten Vergleich mit John McCain lange einen Vorsprung vor dem Republikaner. Als dieser aber als Sieger aus dem Rennen bei den Konservativen hervorging, führte er plötzlich in den Umfragen. Als Obama als Kandidat feststand, holte er wieder auf.

Bis zum 8. November stehen noch zahlreiche Ereignisse an, die Wähler in ihrer Entscheidung beeinflussen könnten: Parteitage, direkte Duelle zwischen beiden Kandidaten, große Reden.

Vor allem eine Sache bereitet Demoskopen seit langem Kopfzerbrechen. „Wenn es Meinungsforschern gelingt, eine repräsentative Stichprobe von Erwachsenen oder sogar registrierten Wählern zu bekommen, müssen sie hinterher ein Modell entwickeln, wie die Wählerschaft aussehen könnte“, sagt Courtney Kennedy vom Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center.

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