US-Wahl 2016
Wie Ex-Präsident Bush dem Kandidaten Bush hilft

Der Republikaner Jeb Bush galt als Favorit, als er ins Rennen um die Präsidentschaft einstieg. Aber dann kam Donald Trump und stahl im die Show. Noch gibt sich Jeb aber nicht geschlagen – und zieht seinen letzten Trumpf.

WashingtonEs war ein denkbar schlechter Start. Manchmal hatte man den Eindruck, als wäre John Ellis Bush, genannt Jeb, lieber woanders als im US-Präsidentschaftsrennen. Linkisch kam Floridas Ex-Gouverneur rüber, die Arme oft steif herunterhängend, als fühlte er sich unwohl in der Haut. Lahm wirkte er, selten, dass sich seine Stimme mal vor Eifer oder Empörung überschlug.

Da erschien es schon fast lächerlich, das Ausrufezeichen hinter dem Namen Jeb im Wahlkampflogo, das doch Begeisterung implizieren sollte. Kein Wunder also, dass viele Medien und Analysten den 63-Jährigen schon vor Monaten für gescheitert erklärten, der „Boston Globe“ schrieb, dass Bushs Wahlkampf dem Tod so nahe sei, „dass man ihm genauso gut ein Schild an den Zeh hängen kann“.

Verfrühte Schwanengesänge? Seit seinem schlechten Abschneiden bei der ersten Vorwahl in Iowa Anfang Februar hat sich Jeb Bush bei Wahlkampfauftritten zunehmend gesteigert, an Energie zugelegt, in TV-Debatten der Republikaner-Bewerber gepunktet - vor allem durch wachsende Aggressivität gegen Spitzenreiter Donald Trump.

Bei der jüngsten Kandidatenkür in New Hampshire verfehlte Jeb knapp den dritten Platz, eine Art vorläufige Rettungsleine. Aber sie reicht nicht viel weiter als bis zur Vorwahl am nächsten Samstag in South Carolina. Da muss Jeb Bush es unbedingt in die Top drei schaffen. Und so setzt Bush nun auf die Hilfe eines Mannes, dessen Erbe ironischerweise seine Kampagne bisher vielleicht eher erschwert hat: seinen Bruder, den Ex-Präsidenten, der den Irak-Krieg begonnen hat.

George W. hat sich in den sieben Jahren seit dem Auszug aus dem Weißen Haus aus der aktuellen Politik herausgehalten. In Jebs Wahlkampf trat er nur in einem TV-Spot auf - bis Montagabend. Da standen die Geschwister in South Carolina umjubelt Seite an Seite, äußerte sich George W. stolz über seinen „großen kleinen Bruder“, der mit seiner Erfahrung und seinem Charakter klar das beste Zeug zum Präsidenten habe.

Angefeuert davon gab Jeb Bush die wohl bisher beste Rede seines Wahlkampfes – erneut gespickt mit Frontalangriffen gegen Trump. Aber ist es zu spät für Jeb?

Als er im Juni 2015 antrat, galt er als Favorit. Dann kam der Populist Trump, und alles wurde anders. Eine starke Strömung gegen das politische Establishment katapultierte den Multimilliardär an die Spitze des republikanischen Bewerberfeldes, später gefolgt vom erzkonservativen Ted Cruz, der für viele ebenfalls einfach „etwas anderes“ repräsentiert.

Jeb Bush hatte nie einen Job in Washington. Aber sein Name – gleich Sohn und Bruder früherer Präsidenten – macht ihn zum Teil der „alten Garde“. Irgendwie versuchte er sich von dieser Verbindung abzukoppeln, etwa indem er in seinem Logo nur seinen Vornamen benutzte. „Mein Gott, ich bin ein erwachsener Mensch. Ich bin mein eigener Mann“, sagte er mehr als einmal.

Seite 1:

Wie Ex-Präsident Bush dem Kandidaten Bush hilft

Seite 2:

Der Bruder als Wunderwaffe?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%