US-Wahl
Donald Trump – ein Fall für den Psychiater?

„Ich denke, er ist gefährlich und sprunghaft“

Das Wahlkampf-Team von Trump wollte diese Aussage nicht kommentieren. Der republikanische Kandidat und seine Anhänger haben Clinton als gestört und unausgeglichen bezeichnet. Amateur-Psychologen beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, warum Clinton sich nach Affären ihres Mannes Bill nicht von ihm trennte. In den Interviews sprach keiner der Psychologen ihre geistige Gesundheit an.

Katherine Nordal, bei der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft verantwortlich für den Bereich berufliche Praxis, betrachtet es ebenfalls als unangemessen, wenn Psychologen Diagnosen über Menschen anstellen, die sie nie untersucht haben. „Mit Diagnosen um sich zu werfen, ist eine gefährliche Sache“, erklärt sie.

Eine Gruppe von Fachleuten warnte dennoch in einer Petition, die von mehr als 2.000 Therapeuten unterzeichnet wurde, vor den Gefahren von Trumps Ideologie. Sie stellten keine Diagnose, sondern konzentrierten sich auf die Aussagen und Auftritte des Kandidaten. Trump normalisiere mit seiner Rhetorik, was nicht normal sei, „die Tendenz, andere in unserem Leben für unsere persönlichen Ängste und Unsicherheiten verantwortlich zu machen“, hieß es.

Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, gekennzeichnet von einem übersteigerten Selbstwertgefühl, einem starken Bedürfnis nach Bewunderung und fehlendem Mitgefühl für andere, ist nach Ansicht von Experten eher ein Verhaltensmuster als eine psychische Krankheit, wie zum Beispiel Schizophrenie.

Einige Psychologen und Psychiater betrachten es als ihre Pflicht, die Öffentlichkeit vor einer nahenden Gefahr zu warnen. „Wir erkennen ein möglicherweise gefährliches Verhaltensmuster und wenn ein Mediziner davor warnen will, dann soll er das auch tun dürfen“, sagt Claire Pouncy, Präsidentin des Verbands zur Förderung von Philosophie und Psychologie und Co-Autorin Krolls in der Kritik an der Goldwater-Regel. „Ich denke, er ist gefährlich und sprunghaft, aber man muss kein Psychologe sein, um das zu sehen.“

Goldwater war ein ultrakonservativer Kandidat. Eine Zeitschrift schickte damals einen Fragebogen an Tausende Mitglieder des Verbands Amerikanischer Psychiater und fragte sie nach ihrer Meinung zu Goldwater. Mehr als 1.000 antworteten und beschrieben den Kandidaten als paranoid und gefährlich. Goldwater verklagte damals die Zeitschrift und gewann vor Gericht.

1973 gab der Verband die Goldwater-Regel heraus. Mit Alan Stone stimmte ein einziges Mitglied im Vorstand gegen die Vorgabe. „Ich glaube an das Recht auf freie Meinungsäußerung“, erklärt er. „Wenn Psychologen sich lächerlich machen wollen, dann haben sie das Recht dazu.“ Stone traf Goldwater später. „Er war ein sehr ausgeglichener Mensch. Die Psychiater haben damals politisch gedacht. Wir waren gegen Goldwater.“

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Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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