US-Wahl

Trump feuert gegen die eigene Partei

Der Riss zwischen Donald Trump und seiner eigenen Partei wird immer tiefer. Nachdem sich führende Republikaner von ihm losgesagt haben, reagiert der Immobilienmogul schroff. An Schadensbegrenzung denkt Trump gar nicht.
7 Kommentare

Nach TV-Duell: Womit kann Trump noch punkten?

Nach TV-Duell: Womit kann Trump noch punkten?

WashingtonDer Streit zwischen dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und führenden Vertretern seiner eigenen Partei eskaliert. Trump warf dem mächtigen Republikaner Paul Ryan und anderen am Dienstag vor, seinen Wahlkampf zu torpedieren. Ryan, der Vorsitzender des Abgeordnetenhauses ist, hatte sich am Vortag von dem Kandidaten losgesagt.

Im Kurznachrichtendienst Twitter setzte Trump gleich mehrere Botschaften ab, in denen er seiner Wut freien Lauf ließ. Ryan nannte er eine „schwache und erfolglose Führungsfigur“. Abtrünnige Republikaner seien viel problematischer als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, klagte er weiter. „Sie greifen einen von allen Seiten an. Sie wissen einfach nicht, wie man gewinnt. Ich werde es ihnen zeigen.“ Die Loyalität im demokratischen Lager sei viel größer.

Er machte deutlich, dass ihm nichts daran gelegen ist, die Risse zu kitten. „Es ist so schön, dass mir die Fesseln abgenommen wurden, und ich jetzt so für Amerika kämpfen kann, wie ich es will.“

Unterdessen kamen aber selbst aus seinem innersten Zirkel missfällige Töne. New Jerseys Gouverneur Chris Christie kritisierte Trump für seine frauenverachtenden Äußerungen aus dem geleakten Video. „Solches Gerede und solche Unterhaltungen sind selbst im Privaten einfach unzumutbar“, sagte Christie. Er erklärte aber auch, er werde weiter hinter Trump stehen. Christie gehört neben New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani zu den engsten Vertrauten des Kandidaten.

In den Aufnahmen aus dem Jahr 2005, die die „Washington Post“ am Freitag veröffentlicht hatte, brüstet sich der Unternehmer damit, dass er sich gegenüber Frauen alles erlauben könne.

Führende Vertreter der Republikaner hatten sich davon entsetzt gezeigt. Ryan, soll mehreren Abgeordneten am Montag in einem Telefongespräch gesagt haben, er wolle Trump nicht mehr verteidigen und sich stattdessen auf die Kongresswahlen konzentrieren.

Er ist als Vorsitzender des Repräsentantenhauses der derzeit mächtigste Republikaner. Der 46-jährige haderte schon in der Vergangenheit mit Trump. Immer wieder kritisierte er ihn scharf, sprach ihm im Juni aber dennoch die Unterstützung zu. Zumindest offiziell hat er diese noch nicht zurückgenommen.

Ryans Bemerkungen wurden in amerikanischen Medien nun so interpretiert, als habe er die Präsidentschaftswahl schon verloren gegeben. Ihm scheint es nun vor allem darum zu gehen, die republikanische Mehrheit im Kongress zu halten. Mehrere republikanische Senatoren müssen wegen Trump um ihre Wiederwahl bangen, darunter Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Die zweite Kammer des Kongresses wählt mit der Präsidentenwahl am 8. November 34 Sitze neu, die für sechs Jahre besetzt werden. Die Demokraten müssten den Republikanern nur vier der zur Wahl stehenden 34 Senatorensitze abnehmen, um die Mehrheit zu haben.

Nach Bekanntwerden seiner sexistischen Äußerungen ist Trump in der Gunst der US-Wähler weiter hinter seine Rivalin Hillary Clinton zurückgefallen. Der Milliardär kommt in der aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos auf 37 Prozent. Für Clinton sprachen sich 45 Prozent der Befragten aus. 18 Prozent gaben an, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen. Vier Wochen vor der Wahl beträgt der Vorsprung der Demokratin damit acht Prozentpunkte. Vergangene Woche waren es fünf Punkte.

Die in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichte Umfrage wurde nach dem zweiten TV-Duell zwischen Trump und Clinton am Sonntag erstellt. Von den Befragten, die die Debatte zumindest teilweise verfolgten, fanden 53 Prozent, dass Clinton sich besser geschlagen habe. 32 Prozent hielten Trump für den Sieger.

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7 Kommentare zu "US-Wahl: Trump feuert gegen die eigene Partei"

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  • Man kann nur hoffen das Trump gewinnt. Ein Mann der wie kein anderer für Sozialsyteme steht. Das hat er in der Vergangenheit eindeutig bewiesen.
    Das er die geerbten Millionen nur in Immobilienspekulationen investiert hat und seit 20 Jahren keine Steuer zum Wohle des Staates bezahlt hat, ist auch so eine Propaganda-Lüge.
    Er hat viele wertvolle Dinge geschaffen, wie Casinos und Golfplätze.....
    wird Zeit das er dort mal mit dem lupenreinen Demokraten Putin eineR runde spielt....

  • Ich kann leider den Artikel "Amerika Du hast es schlecher" nicht kommentieren da ich kein Premium Mitglied bin, deshalb hier: Von "Politik" kann nicht mehr die Rede sein, ich würde das Wort durch "dumme niveaulose Polemik" ersetzen. Herr Trump entzieht mit seinem niveaulosen Wahlkampf auf niederer geistiger Dikussionsstufe den USA Reputation. Welch ein moralischer und ethischer Abstieg in die Degeneratin seit Abraham Lincoln! Wie kann es eine Partei zulassen daß eine Person das Ansehen eines Landes dermaßen beschädigt? Frau Clinton ist gezwungen aufgleichem Niveau gegenzuhalten sonst geht sie verbal unter. Ich traue dieser Frau mehr politische Fachkenntnis und Gespür zu. Derweilen schmieden Putin und Erdogan Allianzen.
    Europa empfehle ich sich auf allen Ebenen sich von USA zu lösen denn Herr Trump und die USA werden mit der westlichen Welt und deren Werten in Verbindung gebracht. Wollen wir uns in Europa in diese amerikanische Degeneration hineinziehen lassen?

  • "Trump feuert gegen die eigene Partei"

    Na, eins ist doch wohl jetzt klar: Wer jetzt noch für die Republikaner (respektive Trump) stimmt, will einen "Führer", der ihm das Denken abnimmt, aber ganz bestimmt keine Demokratie.

  • Für mich ist das ja gerade das besondere Kalkül! Diese Wahlen werden nicht durch die klassische Stammwählerschaft und den Wechselwähler entschieden werden, sondern von den bisherigen "Nichtwähler" da sie sich nicht abgeholt fühlten.
    Dadurch dass er das politische Establishment links von ihm und auch das eigene Lager angreift und abkanzelt, erfüllt er genau die Vorraussetzungen diese wichtige Wählerschaft zu aktivieren für sich!!
    Der Mittelstand ist nicht mehr der bestimmende Faktor (kaum noch existent), sondern die, die runter gefallen sind bzw. die 70% und mehr der Masse! Die wählen nicht nach dem Gesichtspunkt Demokraten oder Republikaner, sondern wer spricht meine Sprache und denkt so simpel und krude wie ich und verhält sich nicht wie das verhaßte Establishment! Da punktet Trump ganz klar, er holt diese Menschen ab, die normalerweise sonst gar nicht wählen gehen würden und das wird der bestimmende Faktor sein!
    Vergeßt die bisherigen Polls! Ich denke das einzige wirkliche Meinungsfindungsinstrument dürften facebook, twitter und vielleicht noch ein zwei andere social-medias sein. Die können sicherlich sehr genau mit entsprechendem Filter und Algo einen klaren Trend abfischen, gerade in der breiten Masse. Ich denke das tun sie auch schon bestimmt und verkaufen es natürtlich dementsprechend teuer an ihre alte Sponsoren GS, Blackrock etc! Eigentlich auch eine erweiterte Form des Insiderhandels! Nur kein Schwein berichtet darüber….noch nicht!

  • Im amerikanischen Wahlkampf wird seit Trump den Zuschauern etwas geboten, es ist nicht mehr langweilig wie in früheren Wahlkämpfen, überhaupt nicht zu vergleichen mit unseren "lame Ducks" .

    Im Lager der Republikaner ist es nach der Wahl an der Zeit, dass einmal richtig ausgemistet wird. Hier gibt es offensichtlich auch einen Haufen von höchst unrealistischen Politikern, die 4 Wochen vor der Wahl den eigenen Kandidaten austauschen wollen. Gleich wer da antreten würde, die Chancen zu gewinnen wären mehr als mau.

    Allerdings, eine Person die nicht nur gegen die andere Partei, sondern selbst gegen eigene Parteikollegen kämpfen muss und nicht zuückweicht, hat ein aussergewöhnliches - präsidiales - Standvermögen.

  • wunderbare Unterhaltung dieses Spektakel, immer wieder ein Spaß, wenn die Show beginnt.

    Aber immerhin, die Dummen sterben nie aus und immer wieder gibt es Menschen, die das alles für echt ansehen.

  • Trump hatte schon von Anfang an Gegner innerhalb der Republikaner.
    Und trotzdem hat er sich durchgesetzt und gerade auch deswegen.
    Die US Wähler sehen....hier ist einer, der Trump heißt, der ein Mann ist, der weder gegen die Demokraten noch gegen die Republikaner ein Blatt vor den Mund nimmt.
    Der Trump der ist einer der das Volk mit all seinen Höhen und Tiefen wiederspiegelt. Laut, Vulgär, Frech....das US Wahlvolk hat dieses "Korrektheit der Wallstreet Politik" der Demokraten satt und das hat Trump erkannt. Darum haut der so auf den Putz ohne eine Blatt vor den Mund zu nehmen.
    Und genau das will das US Wahlvolk sehen und haben...einen Mann der sich nicht von irgendwelchen Lobbygruppen lenken lässt und frei und gerade aus seine Meinung sagt. 

    !Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich!

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