US-Wahlkampf
Das Ende der Erbhöfe

Der morgige „Super Tuesday“ ist der letzte wichtige Vorwahltag in den USA. Das bisherige Rennen widersprach alle Prognosen – nicht nur wegen Trumps Siegeszug. Die zehn wichtigsten Erkenntnisse aus den Vorwahlkämpfen.

Washington Die Vorwahlkämpfe von Demokraten und Republikanern in den USA sind fast vorbei. Es war ein Rennen, wie es noch keines gegeben hat. Der als chancenlos eingestufte Donald Trump redete alles in Grund und Boden, Hillary Clinton konnte bis zum Schluss einen selbsternannten Sozialisten nicht entscheidend abschütteln. Die zehn wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vorwahlrennen:

  • 1) Inhalte zählen so gut wie nichts: Während sich die Demokraten zumindest ansatzweise mit der Frage von Mindestlöhnen oder der richtigen Strategie im Kampf gegen den Islamischen Staat auseinandersetzen, reichte Donald Trump bei den Republikanern im Prinzip eine einzige These: „Let's Make America Great Again!“

    Inhaltlich legte er sich kaum fest, blieb so vage wie möglich, ruderte hin und wieder zurück. Einzige Konstante: Trump beharrt auf dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko.

  • 2) Populisten gewinnen Oberwasser: Trumps Versprechen, mit ihm werde alles besser, reichte zum Sieg bei den Republikanern. Bei den Demokraten glänzte Bernie Sanders mit unrealistischen Ankündigungen. Die Menschen sind konsterniert und frustriert von ihrer politischen Klasse. In der Hoffnung auf etwas besseres Neues glauben sie einem Nicht-Politiker. Dieses Vakuum füllt für viele kurioserweise ausgerechnet Donald Trump, dessen politische Lügen beinahe täglich aufgedeckt werden.
  • 3) Der Frust im Land ist riesengroß: „Washington“ gilt als Synonym für Stillstand und Nichts-geregelt-bekommen. Doch wer ist Schuld an der Misere? Präsident Barack Obama, der die falschen Entscheidungen getroffen und die Menschen in eine ungewisse Zukunft geführt hat? Oder die Republikaner, die mit ihrer Blockade-Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus lange Zeit konstruktives Handeln auf dem Capitol Hill im Keim erstickt haben?
  • 4) Hauptsache anders: Wer als „Insider“ des politischen Systems gilt oder als Vertreter des Establishments, wurde abgestraft. Zuvorderst Jeb Bush, der Bruder von George W. Bush, der bei den Republikanern keinen Fuß auf den Boden bekam. Aber auch Hillary Clinton, die sich länger als erwartet ihres Kontrahenten Sanders erwehren muss. Die Amerikaner wollen alles, nur keine politischen Erbhöfe.
Seite 1:

Das Ende der Erbhöfe

Seite 2:

Wählen ist wieder sexy

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%