US-Wahlkampf der Demokraten

Es wird schmutzig

Tag der Entscheidung: Im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten stehen die Zeichen auf Sieg für Hillary Clinton. Doch Kontrahent Sanders könnte wie einst Barack Obama das Ruder noch mal rumreißen.

San Franciscoon

Hillary Clinton und Bernie Sanders kämpfen um im US-Vorwahlkampf um den Posten des Kandidaten. Quelle: AP
Hillary Clinton, Bernie Sanders

Hillary Clinton und Bernie Sanders kämpfen um im US-Vorwahlkampf um den Posten des Kandidaten.

(Foto: AP)

Es war der bislang härteste Schlagabtausch zwischen den beiden demokratischen Kandidaten, und er lässt ahnen, was noch kommen wird: Bernie Sanders beschuldigte die demokratische Herausforderin im US-Wahlkampf, Hillary Clinton, am Montag offen, die Gesetze zur Parteienfinanzierung gebrochen zu haben. „Es ist beispiellos für den „Democratic National Convention“ die Ausschlachtung eines gemeinsamen Komitees inmitten eines heftigen Wahlkampfes für einen einzelnen Kandidaten zu erlauben“, so Bernie Sanders‘ Wahlkampfmanager Jeff Weaver, wenige Stunden bevor am Dienstagmorgen die Wahllokale im Bundesstaat New York öffnen.

Ein schwerer Vorwurf. Die Grenzen der Parteienfinanzierung sind massiv unter Kritik geraten. Sanders ist ohnehin der Meinung, die Partei favorisiere einseitig Clinton. Die Reaktion kam prompt, Hillary Clintons Wahlkampfbüro wies jede Anschuldigung als haltlos zurück und ließ verlauten, es sei nur noch „beschämend“, wie Sanders zu „unverantwortlichen und falschen“ Angriffen übergehe, nur um für sich selbst Geld zu beschaffen.

Die demokratischen Kontrahenten gehen damit in die nächste Phase des Wahlkampfes über – und die ist offensichtlich schmutzig. Noch vor einem Jahr hatte der Senator aus Vermont unter tosendem Applaus großzügig beteuert, die Menschen seien es leid, immer wieder mit diesen „blöden E-Mail-Affären“ von Hillary Clinton belästigt zu werden. Man solle zu Sachthemen übergehen.

Eine Aussage, die er heute sicher bereut. Vor einem Jahr hatte Hillary Clinton in einer Auswertung verschiedener nationaler Umfragen durch RealClearPolitics ihren Konkurrenten noch vernichtend mit 60 Prozent zu vier Prozent geschlagen. Jetzt ist ihr Sanders mit 46 zu 47 Prozent landesweit auf den Fersen. In New York liegt Clinton zwar noch immer nach jüngsten Umfragen mit 53 Prozent vorne mit gutem Abstand zu Sanders‘ 43 Prozent. Doch sicher ist das nicht mehr. Sanders hat acht der vergangenen neun Vorwahlen gewonnen und gezeigt, dass er Mehrheiten für sich gewinnen kann, wenn er erst mal bekannt ist. Und in New York ist er bekannt. Seine letzte große Veranstaltung zog geschätzt 48.000 Menschen in den New Yorker Washington Square Park.

„Cruz macht mir wirklich Angst – noch mehr als Trump“
April Brucker
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Zu den fast 20 Handpuppen in ihrer Sammlung ist eine ganz besondere hinzugekommen: Donald J. Tramp (was übersetzt Flittchen bedeutet) – eine Spezialanfertigung, mit der die Bauchrednerin den Republikaner mit der blonden Mähne gerne mal auf die Schippe nimmt. „Ich bin Meister von allem! Ich habe Milliarden von Dollars, und ich habe meine eigene Universität“, lässt Brucker die Puppe mit Anzug und Krawatte tönen. Dass der echte Donald Trump nicht nur Vorlage für ihre Karikatur, sondern ihr als Wählerin nicht geheuer ist, sagt sie mit deutlichen Worten: „Was ich von Donald Trump halte? Ich finde, dass er ein verachtenswertes menschliches Wesen ist.“

Tony Melé
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Er ist Fan des Republikaners Donald Trump. Er sagt, er „verstehe“ den Baulöwen. Im Kampf ums Weiße Haus sei es an der „Zeit, dass wir uns nach einem Kapitalisten umsehen“. Dass Melé im Bezirk Rockland County bei New York Vorsitzender einer Gruppe von Latinos und selbst Einwanderer in dritter Generation mit Wurzeln in Italien und Puerto Rico ist, sieht er nicht als Widerspruch zu Trumps Hetze gegen Migranten. Die elf Millionen Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung betrachtet auch er als Problem. Auch die Mexikaner, Venezolaner und andere Latinos in seinem Republikaner-Verein seien für Trump. „Sie wollen ihre kulturelle Identität wahren. Sie wollen wählen und Unternehmen aufbauen. Sie wollen aufwachsen und wie Herr Trump sein.“

Ruben Diaz mit Ted Cruz
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Eingeladen habe er sie alle, doch nur Ted Cruz sei zu ihm in die Bronx gekommen. Der Pfarrer sitzt für die Demokraten im New Yorker Senat und sieht kein Problem darin, einen Republikaner zu unterstützen. Cruz besuchte das Latino-Restaurant Sabrosura 2, Diaz trommelte rund 70 Pfarrer zusammen. „Herr Cruz' Philosophie ist sehr nah an evangelikalen Werten“, sagt der 72-jährige Geistliche. Er sei konservativer Demokrat und habe gegen Abtreibung und das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehen gestimmt. Wegen seiner Parteizugehörigkeit muss er bei den Vorwahlen aber für Hillary Clinton oder Bernie Sanders stimmen. „Ich bin froh, dass (Cruz) gekommen ist, auch wenn ich ihn nicht wählen kann.“

Dina Heisler
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Wenn sie Ted Cruz zuhört, bekommmt sie es mit der Angst zu tun. „Ted Cruz macht mir wirklich, wirklich Angst – noch mehr als Donald Trump, weil ich Ted Cruz wirklich für einen Faschisten halte.“ Nach Einschätzung der in Manhattan lebenden Ex-Direktorin einer High School wirkt der Texaner zwar höflicher als Trump. Doch inhaltlich sei Cruz rückschrittlich, autoritär und totalitär. „Es ist wirklich furchterregend“, sagt die in Brooklyn geborene 69-Jährige. „Wofür er steht, ist wirklich ungeheuerlich.“

Michael und Gedaliah Wielgus
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Die besten Chancen hat John Kasich nicht, das wissen auch Michael und sein Sohn Gedaliah. Zur Wahlkampfveranstaltung in Bay Ridge in Brooklyn sind die beiden trotzdem gekommen. „Er ist ein sehr kluger Mann. Er könnte für das Finanzministerium zuständig sein“, sagt Michael über den republikanischen Gouverneur aus Ohio. In der jüdischen Familie sehen das nicht alle so. „Wir müssen sicherstellen, dass seine Mutter zu Hause bleibt. Sie stimmt für Trump“, sagt Michael lachend mit Blick auf Gedaliah. „Am Tag der Wahl werden wir sie beschäftigt halten.“

Hazel Dukes
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Die Clintons kannte sie schon Anfang der 90er. Die Vorsitzende des New Yorker Ablegers der schwarzen Bürgerrechtsorganisation NAACP lernte die Demokratin kennen, als deren Mann Bill Gouverneur von Arkansas war. „Ich unterstütze sie nicht als Frau, sondern als Amerikanerin, die an soziale Gerechtigkeit glaubt.“ Clinton hätte zu einer edlen Anwaltskanzlei gehen können, stattdessen habe sie die Probleme des Landes angepackt. „Sie hat nicht für Geld gearbeitet. Sondern für das, woran sie glaubte“, sagt Dukes. Bernie Sanders kommt für sie nicht in Frage: „Ich höre ihm zu, aber er schreit so viel. Ich verstehe nicht, was er sagt.“

Martin Mulligan
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Für ihn ist es auch eine Frage des Charakters. „Ich unterstütze viele Positionen, die Hillary bezieht.“ Doch Bernie Sanders' Charakter ist ihm lieber als der von Hillary Clinton. Der 38 Jahre alte Programmierer aus Rochester im Staat New York glaubt, dass die Ex-Außenministerin ihre Haltung immer wieder abändere, wie es ihr am besten passt. „Sie hat bestimmte moralische und ethische Positionen, aber sie sind austauschbar mit dem, was ihrem Interesse am besten dient.“

Gewinnt Sanders New York, dann wird er die Zahl seiner Delegierten nicht wesentlich verbessern. Das komplizierte Wahlrecht gewährt auch dem Verlierer viele Stimmen im Bundesstaat New York und bei dem erwarteten knappen Ergebnis würden beide dann fast gleichauf liegen. Aber psychologisch wäre das Signals für Hillary Clintons Wahlkampf verheerend und könnte den Wendepunkt vor wichtigen Bundesstaaten wie Philadelphia und Kalifornien bedeuten.

„Washington ist reif für einen Wechsel“
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