US-Wahlkampf Ein letzter Kraftakt

Pennsylvania, Florida, Ohio – wenige Tage vor der Wahl geben Hillary Clinton und Donald Trump in den „Swing States“ noch einmal alles. Das Rennen wird knapper, und die neuesten Umfragen sollten die Demokraten alarmieren.
Die Kandidaten geben auf den letzten Metern vor der Wahl nochmal alles. Quelle: Reuters
Clinton und Trump

Die Kandidaten geben auf den letzten Metern vor der Wahl nochmal alles.

(Foto: Reuters)

WashingtonFreitagmittag in Pittsburgh, Pennsylvania. „Das ist ein Alles-oder-Nichts-Moment für Amerika”, ruft Hillary Clinton mit angeschlagener Stimme von der Bühne. Eindringlich bittet sie die Zuhörer, am kommenden Dienstag wählen zu gehen, um ihren Rivalen Donald Trump zu verhindern. Höherer Mindestlohn, erneuerbare Energien, bessere Bildung, Hilfe für Mittelschicht und Geringverdiener – all das werde Amerika mit ihr als Präsidentin bekommen. „Wut ist kein Konzept“, sagt die Demokratin in Richtung der Trump-Anhänger, „wir werden unsere Ärmel hochkrempeln und arbeiten“.

Freitagnachmittag in Wilmington, Ohio. Am Rednerpult steht Donald Trump und ruft unter Jubel: „Wir werden nach Washington gehen und den Sumpf austrocknen.“ Er werde die „betrügerische Hillary“ besiegen, verkündet er. Als Präsident werde er Jobs zurückbringen, die Grenzen sichern („Ja, wir werden die Mauer nach Mexiko bauen“), Steuern senken und die Freihandelsabkommen neu verhandeln, wiederholt er seine Schlager. Und die Aufnahme syrischer Flüchtlinge stoppen, um nicht „Generationen von Terroristen ins Land zu holen“ und „Verhältnisse wie in Frankreich und Deutschland“ zu schaffen. Die Mengel jubelt begeistert.

Vier Tage vor der US-Präsidentschaftswahl geben Clinton und Trump nochmal alles, um ihre Basis anzufeuern und unentschlossene Wähler auf ihre Seite zu ziehen. „Barnstorming“ nennen es die Amerikaner, wenn ein Kandidat durch die Lande zieht und einem Kraftakt mehrere Wahlkampfreden an einem Tag an unterschiedlichen Orten stemmt.

Pennsylvania, Florida, Ohio, North Carolina – vor allem auf die sogenannten Swing States haben es die Kandidaten abgesehen. Bundesstaaten, in denen keiner der beiden in Umfragen eine sichere Mehrheit hat und die bei vergangenen Wahlen mal für die Republikaner, mal mehrheitlich für die Demokraten gestimmt haben.

Neben Clinton und Trump haben die Parteien auch noch einmal ihre besten Wahlkampfhelfer auf die Reise geschickt. Für die Demokratin waren am Freitag unter anderem wieder Präsident Barack Obama und Vorvorgänger Bill Clinton unterwegs. Auch Trump und sein Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence strengen sich an. Sogar Trumps Ehefrau Melania hatte am Donnerstag in Pennsylvania einen seltenen Wahlauftritt absolviert.

Clinton versucht neben Frauen vor allem junge Wähler und Afroamerikaner zu gewinnen. Bei dieser Gruppe zeichnet sich ab, dass weniger abstimmen wollen als vor vier Jahren, als Obama auf dem Wahlzettel stand. Nach einem Auftritt mit dem populären linken Ex-Kandidaten Bernie Sanders und Musiker Pharrell Williams am Donnerstag wollte die Demokratin am Freitag gemeinsam mit dem Rapper Jay-Z auftreten.

Das Who is Who der E-Mail-Affäre
Hillary Clinton
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Die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten steht im Mittelpunkt der so genannten E-Mail-Affäre. Clinton hatte als Außenministerin Teile ihres dienstlichen Mail-Verkehrs über ihren privaten Account abgewickelt. Ihre Kritiker meinen: Damit sei sie ein Risiko für die Nationale Sicherheit eingegangen. Die Bundespolizei FBI untersuchte ein Jahr lang den Fall und beschloss im Juli, es gebe keinen Grund für eine Anklage.

Hillary Clinton
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Das Thema hat Clinton durch den Wahlkampf hindurch verfolgt. Sie räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben, spielte ihr Verhalten ansonsten aber herunter. Rivale Donald Trump und die Republikaner dagegen zogen mit dem Schimpfnamen „Crooked Hillary“ („Betrügerische Hillary“) in die Schlacht. Trump drohte ihr im zweiten TV-Duell mit seinem Sonderermittler und mit Gefängnis, sollte er Präsident werden.

Eigentlich schien die E-Mail-Affäre im Schlussspurt des Wahlkampfes für Clinton fast ausgestanden zu sein – bis der FBI-Chef auf den Plan trat.

James Comey
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Der FBI-Chef, ein Republikaner, sorgte wenige Tage vor der Wahl dafür, dass die Affäre wieder aufflammte: Comey schrieb an ranghohe Kongressmitglieder, es seien neue Mails aufgetaucht, die in einem Zusammenhang mit den früheren Ermittlungen stehen könnten. Sofort kannten die US-Medien kein anderes Thema mehr, Trump nahm die Nachrichten dankbar auf, Clinton büßte in Umfragen teils deutlich ein.

Die Demokraten werfen Comey nun vor, er habe aus politischem Kalkül so kurz vor dem Wahltermin in den Wahlkampf eingegriffen. Dabei sei es doch üblich, dass sich hohe Beamte in der kritischen Phase mit möglicherweise wahlentscheidenden Schritten zurückhalten sollen. Selbst mancher Republikaner wundert sich über Comeys Motive.

Der FBI-Chef selbst sagt, er habe sich – nach eingehenden Gesprächen mit seinen Beratern – in der Pflicht gefühlt, die Parlamentarier über die neu entdeckten E-Mails informieren zu müssen. Aufgetaucht waren die Mails…

Anthony Weiner und Huma Abedin
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… auf einem gemeinsam genutzten Computer von Huma Abedin und ihrem Noch-Ehemann Anthony Weiner. Abedin gehört zu den engsten Mitarbeiterinnen Clintons, der Ex-Kongressabgeordnete Weiner war einst die Nachwuchshoffnung der Demokraten. Mehrere Schmuddelaffären allerdings brachten Weiner zu Fall, das FBI ermittelt gegen ihn, Abedin will die Scheidung.

Bis jetzt ist noch völlig unklar, um wie viele neu entdeckte E-Mails es sich handelt und was drinsteht. Die Demokraten beeilen sich derweil, das Thema so kurz vor der Wahl wieder einzufangen, und versuchen aus der Clinton-Affäre eine Trump-Affäre zu machen.

Donald Trump
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Der Nutznießer des vermeintlichen Skandals konnte am Freitag sein Glück kaum fassen, dass FBI-Chef Comey die E-Mail-Affäre zum dominierenden Wahlkampfthema machte. Seitdem hat der zuvor zurückliegende Trump in den Umfragen aufgeholt – und bringt das Thema bei jedem Auftritt zur Sprache. „Der schlimmste Skandal seit Watergate“, tönte er.

Dem FBI-Chef werfen die Demokraten nun Parteilichkeit vor. Wenn er schon E-Mails öffentlich mache, solle er auch alles auf den Tisch legen, was das FBI über Trump wisse – nämlich Details über angebliche dubiose Verbindungen Trumps zur russischen Regierung. Comey besitze „explosive Informationen“ über eine Trump-Putin-Connection, behauptete der Top-Demokrat im Senat, Harry Reid.

Eine Rolle spielt dabei Trumps ehemaliger Berater…

Paul Manafort
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Für Schlagzeilen sorgte der Fall Paul Manafort . Im Sommer wurden Verbindungen von Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager zu russischen Oligarchen enthüllt, die teils dem Kreml nahestehen sollen. Im August, nachdem Trump im Zuge des Demokraten-Parteitags in Umfragen deutlich verloren hatte, trat Manafort zurück.

Nun berichtete der US-Sender NBC, dass Manafort ins Visier des FBI geraten sei und die Bundespolizei dessen ausländische Geschäftskontakte prüfe. Manafort wies den Bericht als „Propaganda der Demokraten“ zurück.

Wladimir Putin
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Der russische Präsident hat Trump einmal gelobt, hält sich ansonsten mit öffentlichen Äußerungen über den US-Wahlkampf zurück. Umgekehrt vergeht kaum ein Auftritt, bei dem Trump nicht Putins Führungsqualitäten preist und für eine Annährung mit Russland wirbt. Für die Demokraten ist das ein Indiz dafür, dass Trump Unterstützung aus dem Kreml bekommt.

Laut „New York Times“ wurde bislang aber keine direkte „Putin-Trump-Connection“ nachgewiesen und der Republikaner bestreitet solche Anschuldigungen. Ebenso wenig habe er mit den mysteriösen Hackerangriffen auf Server der Demokratischen Partei zu tun. Wiederholt wurden dort E-Mails abgefischt und über die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Deren Gründer…

Nach dem Wiederaufflammen von Clintons E-Mail-Affäre vergangenen Freitag hat der zuvor in den meisten Umfragen zurückliegende Trump deutlich aufgeholt. Nach einer aktuellen Analyse des US-Senders CNN hat die Demokratin inzwischen sogar ihre Mehrheit im Wahlmänner-Gremium verloren. Um Präsident zu werden, braucht ein Kandidat die absolute Mehrheit der dort zu vergebenen 538 Stimmen, also 270. Laut CNN-Berechnungen käme Clinton aber derzeit auf nur noch 268 sichere Wahlmännerstimmen. Trump erhielte 204, die restlichen sind für beide noch unsicher.

Kampf um Florida
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