US-Wahlkampf in Texas
Die Cowboys kommen ins Grübeln

In Texas ticken die Menschen anders als im Rest der USA. Die Männer tragen dort Cowboyhüte. Und für die Wähler kam lange Zeit nichts anderes in Frage als die konservativen Republikaner. Doch nun bewegt sich etwas.

AustinCharles Graham ist ein stolzer Mann. Die langen, dünnen Beine in sorgsam gebügelte Jeans gesteckt, ein weißes T-Shirt unter dem hellblauen Oberhemd, das volle weiße Haar unter einem riesigen Cowboyhut vor der texanischen Sonne geschützt, wirkt Graham viel jünger, als er mit seinen 84 Jahren ist. Graham ist Tierarzt und seit Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Pferdezüchter in Texas.

„Schau dir diesen Arm an!“, fordert „Doc“, wie ihn alle nennen, einen Besucher seiner Southwest Stallion Ranch auf und rollt den Hemdsärmel zurück. „An dem hat schon so viel Pferdescheiße geklebt, wie du in deinem Leben niemals sehen wirst.“ Und grinsend fügt er hinzu: „Und er hat nie einen Handschuh gesehen.“

Geradezu idealtypisch steht „Doc“ Graham für den Texaner: derb, fleißig, erfolgreich. Und der Texaner steht für Amerika. Wenn am 8. November ein neuer US-Präsident gewählt wird, könnte ausgerechnet in Texas eine Entwicklung zu Tage treten, die typisch für die USA ist. Die alten Eliten haben Probleme, ihre Vorherrschaft zu behaupten, alte Denkmuster verlassen ihren Geltungsbereich.

Texas, bislang eine absolute Bank für die konservativen Republikaner, könnte bei der Präsidentschaftswahl 2016 erstmals seit Jimmy Carters Wahlerfolg 1976 wieder demokratisch werden. Die Umfragen sehen die Demokraten in der Hochburg der schwächelnden Konservativen nur noch um drei Prozentpunkte hinten – das liegt innerhalb der Fehlertoleranz der Demoskopen.

Texas soll blau werden

Die Meinungsforscher haben Texas offiziell zum Swing State erklärt, zu einem Bundesstaat, der umkämpft ist. Die Demokraten in Austin, Dallas und Houston können ihr Glück noch nicht so recht fassen. Wenngleich die Clinton-Kampagne eilig noch Fernsehspots geschaltet und Bürgerbüros eröffnet hat: „Wir planen eher für 2020“, sagt Tariq Thowfeek, Sprecher der Texas-Demokraten.

„Wir wollen jetzt die Chance nutzen, um die Grundlagen für die nächsten Jahre zu legen.“ Studenten in den angesagten Cafés von Austin, Bildungsbürger in Houston, die Mittelklasse von Dallas - das ist seine Zielgruppe. Erst jüngst hat eine Richterin die Seiten gewechselt, weil der gegenwärtige Zustand der Republikaner nicht mehr mit ihrem christlichen Weltbild vereinbar sei. Thowfeek und seine Demokraten träumen einen Traum: Texas soll irgendwann blau werden, ein Fleck auf der Landkarte der Demokraten.

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Viele Texaner halten am Alten fest

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