US-Wahlkampf
Obamas Schlingern in der E-Mail-Affäre

Kurz vor der Wahl hat die E-Mail-Affäre Hillary Clinton wieder eingeholt, Donald Trump holt auf. Clintons Parteifreund und Präsident Barack Obama versucht, Neutralität zu wahren. Die Lage ist für ihn unbequem.

WashingtonKurz vor der Wahl legt sich US-Präsident Obama noch einmal für seine Parteifreundin Hillary Clinton ins Zeug. Ihr Rivale Donald Trump zeige „keine Achtung für Arbeiter“, sagte Obama am Dienstagabend bei einer Kundgebung in der Nähe von Columbus, Ohio. Trump „würde euch nicht in eines seiner Hotels lassen, es sei denn ihr würdet das Zimmer putzen“, so der scheidende Präsident. Daher sollten sich die Wähler aus der Arbeiterklasse nicht von Trump „übers Ohr hauen lassen.“

Obamas Rede fand am Ende eines turbulenten Tages statt. Die Medien überschlagen sich mit Meldungen und Kommentaren zu Clintons so genannter E-Mail-Affäre. In den Umfragen schmilzt der Vorsprung der Demokratin auf den republikanischen Gegner dahin.

Hillary Clintons E-Mails - sie dürften Obama wie vielen anderen Amerikanern mittlerweile gehörig auf die Nerven gehen. Die jüngsten Entwicklungen in der Affäre haben den Präsidenten in eine Lage schwierige Lage gebracht. Er sitzt gleich zwischen mehreren Stühlen: dem seines Justizministeriums, seines FBI-Direktors und seiner bevorzugten Nachfolgerin.

Während es zwischen dem FBI und dem Justizministerium offenkundig Streit gibt, versucht Obama, in der E-Mail-Affäre Distanz zu wahren. Ironischerweise sind es seine eigenen ständigen Hinweise auf die Unabhängigkeit der Judikative, die ihn nun dabei lähmen, Clinton gegen die Kritik der Republikaner zu verteidigen.

Die Demokraten hoffen, dass Obamas Ansatz, sich strikt aus FBI-Angelegenheiten herauszuhalten, als starker Kontrast zu Trumps Position wahrgenommen wird. Der Milliardär besteht darauf, dass Clinton wegen ihres E-Mail-Umgangs während ihrer Zeit als US-Außenministerin ins Gefängnis wandern sollte - ungeachtet der Tatsache, dass seine Forderung einige rechtsstaatliche Schritte außer Acht lassen würde.

FBI-Chef James Comey hatte am vergangenen Freitag mit der Ankündigung für Wirbel gesorgt, dass seine Behörde bei Ermittlungen in einem anderen Fall auf E-Mails gestoßen sei, die für Untersuchungen zu Clintons Nutzung eines Privatservers als Außenministerin von Belang sein könnten. Seitdem steht Comey in der Kritik.

Am Montag überließ es Obama dem Regierungssprecher Josh Earnest, im Weißen Haus lang und ausgiebig erklären zu müssen, wie sich sein Chef bei einem solch explosivem Thema wie der neu hochgekochten E-Mail-Affäre in Schweigen hüllen könne. Keine leichte Aufgabe.

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