US-Wahlkampf
Silicon Valley vs. Trump

Der Intel-Chef sagt ein Spendendinner für Donald Trump ab, HP gibt kein Geld mehr für den Parteitag. Während die Republikaner ihren Widerstand gegen den Milliardär aufgeben, stemmt sich die Tech-Welt gegen ihn. Noch.
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San FranciscoCorporate-Amerika ist ratlos. Der Parteitag der Republikaner könnte in einem Ausbruch von Gewalt und Unruhen münden. Spitzenkandidat Donald Trump persönlich hat vor Unruhen durch seine Anhänger gewarnt, falls ihm auf dem Parteitag die Kandidatur vorenthalten werde. Trump-Gegner drohen mit massiven Protesten, um genau das zu erreichen. Traditionelle Spender sind verunsichert und fürchten um ihren Ruf.

Zwei Meldungen bestimmen derzeit die US-Politik: Der oberste Republikaner Paul Ryan soll seinen Widerstand aufgeben und versprechen, auf dem Parteitag für Trump zu stimmen. Und in Kalifornien soll Brian Krzanich, Vorstandschef des Chipriesen Intel, offenbar ein geplantes Spendendinner für den Immobilienunternehmer abgesagt haben.

Denn eigentlich sollte Trump am gestrigen Donnerstagabend in Krzanichs noblem Haus im kalifornischen Atherton wohlhabenden Spendern seine Sicht der USA darlegen. Doch die „New York Times“ hatte Wind davon bekommen und nachgefragt. Stunden später, so die Times, folgte die Terminabsage.

Krzanich selbst nimmt dazu keine Stellung. Er meldete sich lediglich per Twitter: Intel sei an einem offenen Dialog mit beiden Lagern interessiert und wolle niemanden favorisieren. Indirekt gab Trumps Team aber eine Bestätigung: Eine Sprecherin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Veranstaltung sei „wegen Terminschwierigkeiten“ abgesagt worden.

Doch tatsächlich hätte das Treffen Sprengkraft im Silicon Valley gehabt. Denn Intel mit 55 Milliarden Dollar Jahresumsatz ist nicht irgendeine Firma. Mitgegründet wurde sie von Andy Grove, geboren in Ungarn am 2. September 1936 unter dem bürgerlichen Namen András István Gróf. Er floh mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten und wanderte nach Amerika aus.

Und jetzt, kaum ein Jahr nach dem Tod des ersten Intel-CEO, sammelt ausgerechnet der Intel-Chef Geld für einen Kandidaten, der wie kein anderer gegen Einwanderung polemisiert, eine Mauer zu Mexiko bauen und mit den Muslimen pauschal einer ganzen Religionsgemeinschaft den Zutritt zu den USA verwehren will? Das lässt im liberalen Kalifornien aufhorchen. Außerdem fährt Trump eine scharfe Rhetorik gegen China und droht einem der größten Abnehmerländer Intels mit einem Handelskrieg.

Die hektische Reaktion des Intel-Chefs zeigt das Dilemma, in dem immer mehr Unternehmen in den USA stecken, seitdem klar ist, dass der Populist und Milliardär wohl nicht mehr als Kandidat zu stoppen sein wird.

Der Brausehersteller Coca Cola, der 2012 noch 660.000 Dollar für den konservativen Parteitag locker gemacht hatte, werde vorsichtshalber dieses Mal nur 75.000 Dollar geben, berichtete die Bürgerrechtsorganisation Color of Change.

Wal-Mart, ebenfalls ein traditioneller Großspender der Konservativen, hat sich noch immer nicht festgelegt. Andere Firmen wie Ford Motors oder Apple werden von Trump laufend offensiv angegangen, weil sie angeblich US-Arbeitsplätze zugunsten ausländischer Jobs vernichten. Für den Fall seiner Präsidentschaft hat er schon „ernste Konsequenzen“ für solches Verhalten angedroht.

Kommentare zu " US-Wahlkampf: Silicon Valley vs. Trump"

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  • Es ist Wahlkampf in Amerika. Und demzufolge auch in Deutschland.

    Deutsche Experten analysieren und diskutieren über ihren Herrn und Meister.

    Wie schrieb einmal ein Leser, oder war's ein gar ein entnervter Journalist:

    "Wenn in den USA ein Furz gelassen wird, wird das hier analysiert".

    Gar putzig wird die 180° Wende nach Trumps Sieg sein.

    Parallelen zum Sommermärchen Deutschland 2006 kann man dann ziehen.

    Erinnert sich noch der ein oder andere an damals?
    Deutschland ertrank in einem Meer aus Fahnen.

    Ein übereifriger, bundesdeutscher Journalist schrieb dazu kurz zuvor:

    "Ist er da wieder, der dumpfe Nationalismus, der erneut in den Deutschen aufkeimt?"

    Damit wohlwollend erfüllend die oberste Journalisten Direktive.

    Doch als die Presse sah, dass nicht dagegen ankam, wandelte sich, quasi über Nacht, der fahnenschwenkende, dumpfe Germane, zu einem freudigen, selbstbewussten Deutschen, der sich seiner Verantwortung bewusst sei, aber seine Liebe zu Land und Fremden entdeckt habe.

    "Die Welt zu Gast bei Freunden" - war nun die neue Schlagzeile.

    Schade, dass mir der Namen dieser Gazette mitsamt Schreiberling entfallen ist.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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