US-Wahlkampf
Trump, ganz sanft

Er stänkert, tobt und beleidigt: Der US-Republikaner Donald Trump ist eher als Wüterich bekannt, keine Spur von Bedauern über seine harsche Wortwahl, wenn er mal wieder über die Stränge schlägt – bis jetzt.

CharlotteDonald Trump hat erstmals Reue über seine bissigen Äußerungen im Wahlkampf gezeigt. „Manchmal wählt man in der Hitze der Debatte und im Gespräch über eine Vielzahl von Problemen nicht die richtigen Worte oder sagt das Falsche. Das habe ich getan“, erklärte der republikanische Präsidentschaftsbewerber am Donnerstag (Ortszeit) bei einem Auftritt in Charlotte. „Und ob ihr mit glaubt oder nicht, ich bereue das, vor allem, wo es persönliches Leid verursacht hat.“ Zugleich versprach Trump unter dem Jubel seiner Anhänger, „stets die Wahrheit zu sagen.“

Bei seinem Auftritt in Charlotte sah der Präsidentschaftsbewerber von seinem üblichen Stegreif-Stil ab und nutzte einen Teleprompter. Den neuen Ton des Polit-Quereinsteigers tat das Wahlkampfteam seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton prompt als unecht ab.

Seit seiner offiziellen Nominierung beim Parteitag der Republikaner im Juli kommt Trumps Kampagne nicht recht in die Gänge. Den Grund sehen Beobachter in teils selbstverschuldeten Ablenkungen. So überschattete etwa seine öffentliche Fehde mit den muslimischen Eltern eines im Irak getöteten US-Soldaten seine Reden zu politischen Sachthemen.

Am Mittwoch ging Trump mit einem Umbau seines Wahlkampfteams in die Offensive. Vor allem die Ernennung des konservativen Medienexperten Stephen Bannon zum Geschäftsführer seiner Kampagne werteten einige Beobachter als Zeichen, dass Trump verstärkt an seine kontroverse Vorwahlkampfstrategie anknüpfen und auf die Mobilisierung seiner politikverdrossenen Fanbasis setzen könnte.

Doch zeigte er sich in Charlotte versöhnlich. Den Wählern empfahl er sich als Kandidat, der die „Stimme für jeden vergessenen Teil des Landes“ sei, „der auf eine bessere Zukunft hofft.“ Zudem wandte sich Trump direkt an nichtweiße Wähler, die Umfragen zufolge wenig von ihm halten. „Ich werde nicht ruhen, bis Kinder aller Hautfarben in diesem Land voll in den Amerikanischen Traum miteinbezogen werden.“

Clinton warf er hingegen Borniertheit vor. Die sehe Minderheiten nur als Stimmenlieferanten an und nicht als Menschen, die einer besseren Zukunft würdig seien. Trump bat dann vor allem Afroamerikaner, ihm eine Chance zu geben. „Was habt ihr zu verlieren, wenn ihr etwas Neues ausprobiert?“, fragte er.

Clintons Wahlkampfsprecherin Christina Reynolds warf Trump hingegen vor, lediglich Worte vom Teleprompter abgelesen zu haben. „Donald Trump begann seine Kampagne buchstäblich damit, Leute zu beleidigen. Das hat er die vergangenen 428 Tage hinweg bis heute durchgezogen, ohne Scham und Reue.“ Zudem rief Reynolds ihn auf, einmal konkret darzulegen, welche seiner „beleidigenden, schikanösen und spalterischen Äußerungen er bedauere - und seinen Ton zu ändern.“

Agentur
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AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Associated Press / Nachrichtenagentur
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