US-Wahlkampf
Trump verheddert sich im Abtreibungsstreit

Sollte Abtreibung in den USA illegal werden, müssten Frauen auch betraft werden. Das forderte Donald Trump – bislang. Denn der Wahlkampf hinterlässt Spuren – und den Präsidentschaftsbewerber seine Meinung ändern.

Green BayUS-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat mit widersprüchlichen Aussagen zur Abtreibung für Empörung gesorgt. In einem Interview des Senders MSNBC forderte er in Wisconsin, dass Frauen für Schwangerschaftsabbrüche „in irgendeiner Art“ bestraft werden sollten, wenn diese einmal für illegal erklärt würden. Auf Nachfrage erläuterte der führende republikanische Bewerber jedoch nicht näher, was genau ihm vorschwebe. Prompt hagelte es Kritik von seinem ärgsten innerparteilichen Widersacher Ted Cruz sowie der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton.

Stunden nach dem Interview vom Mittwoch ruderte Trump zurück. Der Immobilienmogul sei der Ansicht, dass behandelnde Ärzte – und nicht deren Patienten – büßen sollten, hieß es in zwei Stellungnahmen seines Teams. „Meine Haltung hat sich nicht geändert“, argumentierte Trump. Wie damals Ex-Präsident Ronald Reagan trete er für den Schutz des Lebens ein - „mit Ausnahmen“, fügte er hinzu.

Das Thema Abtreibung ist in den USA ein politisch heißes Eisen und wird nach wie vor kontrovers diskutiert - auch Jahrzehnte nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die Schwangerschaftsabbrüche erlaubt hat.

Trump hat oft erklärt, dass er außer bei Fällen von Vergewaltigung, Inzest und bei Gefährdung des Lebens der Mutter gegen Abtreibungen sei. Dabei hatte er sich früher als ein Befürworter des Rechts auf Schwangerschaftsabbrüche positioniert, sagt jedoch inzwischen, dass sich sein Standpunkt über die Jahre entwickelt habe.

Kurz nach Trumps erster Einlassung im Sender MSNBC reagierte Clinton über Twitter. „Gerade wenn man dachte, dass es nicht schlimmer werden könnte. Schrecklich und vielsagend“, schrieb sie.

Cruz warf Trump vor, mit seinem Kommentar zu Abtreibungen einmal mehr einen Mangel an politischem Know-How offengelegt zu haben. „Er sagt alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte der erzkonservative Senator von Texas. Natürlich solle man nicht über Bestrafung von Frauen reden, sondern vielmehr deren Würde und Gabe stärken, „Leben in die Welt zu bringen.“

In Wisconsin musste sich Trump zuvor mit einer anderen Kontroverse um seinen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski befassen. Diesem wird leichte Körperverletzung vorgeworfen, weil er Anfang März in Florida eine Reporterin hart am Arm gepackt haben soll. Trump verteidigte seinen Mitarbeiter.

Am 5. April steht in Wisconsin bei den Republikanern die nächste Vorwahl mit großer Bedeutung an. Sollte Cruz dort siegen, könnte er den Rückstand auf Trump verringern und die Aussicht auf eine mögliche Kampfabstimmung beim Parteitag im Sommer am Leben erhalten. Zu einem solchen Szenario würde es kommen, wenn Trump bis dahin nicht die erforderlichen Delegiertenstimmen für die Nominierung zusammenbekäme. Bisher führt der Geschäftsmann mit 739 Delegierten vor Cruz mit 465, der abgeschlagene John Kasich liegt bei 143. Für die Kür zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten sind 1237 nötig.

Bei den Demokraten hat Clinton mit 1243 Delegierten die Nase vorn, ihr Kontrahent Bernie Sanders hat 975. Wenn man die Superdelegierten hinzuzählt, die beim Partekonvent frei zwischen den Bewerbern entscheiden können, fällt der Vorsprung noch viel höher aus. Für die Nominierung sind bei den Demokraten 2383 Delegierte nötig.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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